Kategorie-Archiv: Multiple Intelligenzen

Künstliche Intelligenz und Menschliche Intelligenz

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Der Intelligenzbegriff wird in allen möglichen und unmöglichen Zusammenhängen und Kategorien verwendet. Es ist daher gut, sich mit dem Konstrukt Intelligenz ein wenig mehr zu befassen. In den letzten Jahren trat die Künstliche Intelligenz immer stärker in den Fokus, und soll an dieser Stelle näher betrachtet werden. Ausgangspunkt ist ein Statement von Wolfgang Wahlster, CEO des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI):

Er plädiert daher dafür, diese Stärken in der Schule deutlicher zu fördern. Es gehe darum, nicht nur Wissen zu lehren, sondern auch das clevere Entscheiden in Alltagssituationen, das Bewerten, das Lernen zu lernen. „Das ist viel wichtiger als reines Fachwissen. Dort liegt der riesige Vorsprung des Menschen vor den Computern.“(Quelle: Künstliche Intelligenz: Uni-Studium verliert an Bedeutung, 27.06.2016).

In Bereichen, in denen die fachliche Tiefe gefragt ist, werden die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz vordringen, und somit akademische Qualifikationen entwerten – so Wahlster. Der Hinweis, dass zur Menschlichen Intelligenz „ebenso die sensomotorische, emotionale und soziale Intelligenz“ gehören, deutet auf ein erweitertes Intelligenzverständnis hin. Diese Entgrenzung von Intelligenz hat eine deutliche Passung zur Theorie der Multiplen Intelligenzen nach Howard Gardner. Er postulierte schon in den 1980er Jahren folgende Intelligenzdimensionen:

  • Sprachliche Intelligenz
  • Logisch-mathematische Intelligenz
  • Musikalische Intelligenz
  • Körperlich-kinästhetische Intelligenz
  • Räumliche Intelligenz
  • Interpersonale Intelligenz
  • Intrapersonelle Intelligenz

Die immer stärkere Nutzung der Künstlichen Intelligenz wird in Zukunft zu einem besseren Verständnis Menschlicher Intelligenz/Intelligenzen führen.  Siehe dazu auch

Warum lernen Organisationen so schlecht?

multiple-intelligenzen-300Über Lernende Organisationen ist schon viel geschrieben worden. In dem Artikel Why Organizations don´t learn (Harvard Business Review, November-Ausgabe 2015) gibt es dazu allerdings eine weitere interessante Perspektive: A fixed mindset.

The neural implications of different mindsets

What happens inside our brains when we make mistakes? That depends on our ideas about learning and intelligence.

Individuals with a growth mindset, who believe that intelligence and talents can be enhanced through effort, regard mistakes as opportunities to learn and improve. By contrast, individuals with a fixed mindset, who believe that intelligence and talents are innate and unchangeable, think mistakes signal a lack of ability.

Jason S. Moser and his colleagues at Michigan State University examined the neural mechanisms underlying these differing reactions to mistakes. (…) Those with a fixed mindset display considerably less brain activity than those with a growth mindset, who actively process errors to learn from them. (Quelle)

Die Hirnaktivitäten sind also abhängig davon, welche Vorstellungen wir von Lernen und Intelligenz haben! Der Intelligenz-Quotient (IQ), mit seiner Annahme, dass ein großer Teil der menschlichen Intelligenz nicht veränderbar ist, scheint daher eher kontraproduktiv zu sein (Multiple Intelligenzen und IQ). Die Vorstellung einer veränderbaren Intelligenz – z-B. Multiplen Intelligenzen – fördert das Lernen, da diese Menschen Fehler als Ansporn für Lernprozesse sehen. Auch diese Erkenntnisse von Jason S. Moder und seinen Kollegen zeigen, wie wichtig es ist, ein modernes Intelligenzverständnis zu entwickeln, das uns nicht blockiert, sondern das es ermöglicht, unsere Potentiale zu erschließen.

Überall komplexe vernetzte Systeme

Geschaeftsmann01.jpgVielen Menschen wird langsam aber sicher klar, dass alles mit allem zusammenhängt und einfache Lösungen immer seltener zum Ziel führen. Zur Bewältigung solcher komplexen vernetzten Systeme ist es erforderlich, Selbstorganisation zuzulassen. Dieser Ansatz steht der realen Situation in vielen Organisationen entgegen, die Komplexität mit immer mehr Regeln und Kleinteiligkeit „in den Griff“ bekommen wollen. Das wird auf Dauer allerdings nicht gelingen.

Selbstorganisation ist die Fähigkeit komplexer Systeme, ihre innere Ordnung ohne äußere Steuerung selbstständig zu entwickeln. Bei dieser Form der Systementwicklung kommen die ordnenden und strukturbildenden Einflüsse nicht von außen. Sie gehen von den Elementen des Systems selbst aus. Selbstorganisationsprozesse sind z.B. für die Entstehung und die Erhaltung von Leben absolut notwendig (Abicht 2010:116).

Selbstorganisation ist Bestandteil des Kompetenzbegriffs, der Kompetenz als Selbstorganisationsdisposition sieht. Zur Bewältigung komplexer Problemlösungen in Alltag oder Beruf benötigen Menschen/Mitarbeiter Kompetenzen, die allerdings von Fähigkeiten/Fertigkeiten oder auch Persönlichkeitsmerkmalen zu unterscheiden sind. Ein modernes Kompetenzverständnis ist daher elementar, um Kompetenzentwicklung auf individueller Ebene, Gruppenebene, organisationaler Ebene oder auch Netzwerkebene zu betreiben. Siehe dazu auch ausführlich Freund (2011): Das Konzept der Multiplen Kompetenz auf den Analyseebenen Individuum, Gruppe, Organisation und Netzwerk.

 

Intelligenztest wurde vor 110 Jahren vorgestellt

miappIntelligenz, und damit verbunden der Intelligenz-Quotient IQ, durchdringt alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Kaum jemand weiß allerdings, wie alles begann. Der WDR hat vor 10 Jahren, also zum 100. Jahrestag, einen Beitrag dazu veröffentlicht: 28. April 2005 – Vor 100 Jahren: Erster Intelligenztest. Darin ist erwähnt, dass schon Binet darauf hingeweisen hat, den Test nicht zu überschätzen:

Binet warnt davor, den Test zu überschätzen: Die Skala erlaubt keine Messung der Intelligenz, da intellektuelle Fähigkeiten nicht addiert und somit nicht wie lineare Oberflächen gemessen werden können. Doch Binets Warnung verhallt ungehört. Am Ende von Intelligenztests steht schon bald als Ergebnis eine Zahl – der so genannte Intelligenzquotient, kurz IQ.

Die Bestimmung des IQ wurde in den letzten 110 Jahren perfektioniert. Im Sinne der Industrialisierung, ist das durchaus passend, da in einer industriell geprägten (konditionierten?) Gesellschaft versucht wird, alles messbar zu machen. In den letzten Jahrzehnten gibt es allerdings auch immer wieder Kritik an dem Konstrukt Intelligenz-Quotient (Sternberg, Gardner, usw.), die allerdings von den etablierten Forschern und Nutzern teilweise recht harsch zurückgewiesen wird. Das ist auch nicht verwunderlich, da eine offenere Interpretation des Intelligenzbegriffes viele Forschungseinrichtungen und Beratungsunternehmen infrage stellen würde… Mal sehen, wie sich alles in den nächsten Jahren entwickelt. Siehe dazu z.B. EU-Projekt MIapp, EU-Projekt InPath und  Multiple Intelligenzen.

Projekt CCM: Kompetenzmanagement wird immer wichtiger

ccmDie Ergebnisse des Projekts CCM zeigen es deutlich auf: Kompetenzen sind der Schlüssel für die Bewältigung moderner Arbeitssituationen  Die Projektwebsite der Ruhr-Universität Bochum enthält umfangreiche Informationen  zu den theoretischen Grundlagen mit dem Dynamic Capability Approach, der Theorie von Bandura und dem Mehrebenenansatz. Die Herleitung von Kompetenz als zentrales Element in modernen Unternehmen und das Mehrebenenphänomen, hatte ich auch in meinem Buch Freund, R. (2011): Das Konzept der Multiplen kompetenz auf den Analyseebenen Individuum Gruppe, Organisation und Netzwerk eingearbeitet. Das Mehrebenenphänomen geht dabei auf die verschiedenen Lernebenen (Pawlowsky) zurück. Der Unterschied ist allerdings, dass ich noch die (externe) Netzwerkebene dazugenommen habe, und mich eher auf Howard Gardner mit seinem Modell der Multiplen Intelligenzen beziehe (nicht auf Bandura). Die Multiplen Intelligenzen zeigen sich in den jeweiligen Domänen als Multiple Kompetenzen (mit entsprechenden Wechselwirkungen). Dieses Framework erlaubt es ein integriertes Kompetenzmanagement zu entwickeln.

Kommt es zur Erosion der Intelligenz?

Arzt1.jpgWie in unserem Blog schon angedeutet, wird der Intelligenzbegriff in den verschiedenen Zusammenhängen thematisiert. In dem Artikel Die Erosion der Intelligenz (NZZ vom 26.06.2014) wird  zunächst von der „Erosion von Fertigkeiten und qualifizierten Tätigkeiten“ gesprochen, da technische Alternativen immer stärker genutzt werden. Am Ende kann man dann folgendes Résumé lesen: „Denn dieser Blick führt auch zu einer Erosion – der umsichtigen Intelligenz nämlich. Sie ist ernster zu nehmen als alle gegenwärtigen Wirtschaftskrisen zusammen.“ Unklar beibt allerdings, was der Autor unter „Intelligenz“ versteht, denn die Diskussione geht durchaus in verschiedene Richtungen (Siehe dazu auch Multiple Intelligenzen). Oder meint der Autor die Intellektuellen als die Intelligenz einer Gesellschaft? Wenn ja, wie würde er dann die anderen – Nicht-Intellektuellen – bezeichnen? Die verschiedenen Begriffe wie Fertigkeiten, Fähigkeiten, Qualifikationen, Kompetenzen haben durchaus auch ihre Beziehungen zum Konstrukt „Intelligenz“, doch werden diese in dem oben genannten Artikel nicht deutlich. Möglicherweise müssen Zeitungen auch solche Artikel herausgeben, damit sich der geneigte Leser darüber aufregen kann – bei mir hat das jedenfalls funktioniert.

SWR 2 berichtet über Intelligenz, IQ und Intelligenzen

iq-swr2Der Intelligenzbegriff ist sehr schillernd und wird nicht nur heute sehr kontrovers diskutiert. Ob in der Schule, im Beruf oder als private Person kommt man um den Begriff nicht herum. So ist es nicht verwunderlich, dass sich auch Fernsehsender wie der Bayerische Rundfunk oder – wie jetzt – der SWR 2 mit dem Konstrukt befassen. In der Einleitung zur Sendung Der vermessene Mensch ist folgendes zu lesen: “

Wie sinnvoll sind Intelligenztests?

Der IQ, der „berühmt-berüchtigte“ Intelligenzquotient, soll die Problemlösefähigkeit eines Menschen auf einen objektiven Punktwert bringen. Er macht das Testergebnis einer Person mit dem anderer Personen statistisch vergleichbar. Hat damit jeder Mensch einen eigenen, festen Intelligenz-Quotienten? Und ist das Messen kognitiver Leistungen dem menschlichen Geist wirklich angemessen?

Im Text wird neben dem IQ auch darauf hingewiesen, dass es durchaus auch alternive Deutungsmuster zum Intelligenzbegriff gibt, beispielsweise die von Howard Gardner vorgeschlagene Theorie (das vorgeschlagene) Modell der Multiplen Intelligenzen. Es freut mich, dass der Intelligenz-Quotient (IQ) auch kritisch hinterfagt wird, denn es kommt auch in der Intelligenzforschung zu einer Entgrenzung des Phänomens (Sternberg, Salovay und Mayer, Goleman usw.). Neben dem angesprochenen Text gibt es sogar auch eine Audiodatei als Download (25 MB). Siehe dazu auch

GfWM THEMEN 7 im Februar 2014

gfwm-2-2014Die Gesellschaft für Wissensmanagement e.V. hat im Februar wieder einige interessante Beiträge veröffentlicht: GfWM THEMEN 7 (PDF). Ich möchte hier auf den Beitrag Vorschlag für eine Weiterentwicklung des GfWM-Wissensmanagement-Modells zur Version 2.0 (S. 32-34 von Sebastian Peneder) eingehen. Darin wird auf den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Kompetenz verwiesen (S. 33) und verschiedene Kompetenzdefinitionen erwähnt. Darüber hinaus wird eine „eigene Darstellung“ zu verschiedenen „Kompetenzkategorien“ vewendet, die allerdings nicht ganz neu ist. Siehe dazu ausführlich Freund, R. (2011): Das Konzept der Multiplen Kompetenz auf den Analyseebenen Individuum, Gruppe, Organisation und Netzwerk.

Howard Gardner: MI-OASIS-Website

mioasisDie Multiple Intelligenzen Theorie von Howard Gardner wird heftig kritisiert und auf der anderen Seite heftig vertreten. Dabei gibt es auf beiden Seiten durchaus viele Mißverständnisse, die dazu beitragen, dass das Bild der Multiplen Intelligenzen Theorie manchmal etwas unscharf ist. Es ist daher gut, dass Howard Gardner nun die neue Webseite MI-OASIS (Multiple Intelligences – Official Authoritative Site of Multiple IntelligenceS) veröffentlicht hat. Das Wörtchen „authorative“ soll wohl darauf hinweisen, dass nicht überall die jeweiligen Kompetenzen vorhanden sind, um die Multiple Intelligenzen Theorie angemessen zu erläutern. Nach dem von mir initiierten EU-Projekt MIapp (2004-2006) und den Erfahrungen als externer Experte für die MI-Theorie im EU-Projekt InPath, kann ich dem nur zustimmen.

Cultures of Creativity

2013-creativityDas Buch David Gauntlett, D. & Bo Stjerne Thomsen (2013): Cultures of Creativity wurde von der LEGO Foundation herausgegeben und zeigt auf, wie sich Kulturen entwickeln, wenn Menschen spielen, umsetzen und teilen (Share Economy?):

Cultures develop when people find ways to play, make, and share. This report describes how human cultures can be characterized by their similarities rather than their differences, and emphasizes the importance of recognizing playfulness and creativity to develop societies prepared to accommodate the rapid changes associated with technology and globalization.

Die leidigen Diskusionen um Leitkulturen sollten daher durchaus einmal infrage gestellt werden.