Künstliche Intelligenz: Vorhersage ist nicht Erklärung

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In dem Beitrag Menschliches Lernen und Maschinelles Lernen unterscheiden sich wurden die Unterschiede zwischen dem Lernen von Maschinen und dem Lernen von Menschen deutlich. In der Diskussion um Künstliche Intelligenz gibt es allerdings weitere Begriffe, die verwechselt werden. Ich vermute, dass das oft absichtlich passiert, um Maschinen immer mehr an den Menschen zu adaptieren, bis zu einem Grad in dem „eine generelle Intelligenz (AGI: Artificial General Intelligence“ alles übernimmt. Mit solchen Storys von Big Tech wird viel Geld eingesammelt.

Schauen wir uns nun zwei weitere Begriffe an, die immer wieder verwechselt werden: Vorhersagen und Erklären.

Wenn wir an große Datenmengen wie Large Language Models (LLMs) denken, so entstehen Ergebnisse in den KI-Modellen aus der Vorhersage des nächsten Buchstabens, Wortes oder Aussagen. So eine Vorhersage (Prognose) kann schnell mit dem menschlichen Erklären verwechselt werden. In dem folgenden, lesenswerten Paper wird das ausführlich – auch in Bezug zu anderen Themen – erläutert;

Knauff et al. (2026): Vorhersage ist nicht Erklärung. Eine Perspektive der Fachgruppe Allgemeine Psychologie (gemeinsam mit der Gesellschaft für Kognitionswissenschaft), Psychologische Rundschau, vol. 77, no. 4, pp. 225–231, Oct. 2026, doi: 10.1026/0033-3042/a0007811

„Erklärung ist mehr als Prognose. Eine Theorie beschränkt sich nicht darauf, zukünftige Ereignisse korrekt vorherzusagen; sie macht die Struktur des zugrunde liegenden Mechanismus explizit und nachvollziehbar. Genau hier verläuft die entscheidende Differenz zwischen datengetriebener KI und psychologischer Theoriebildung“ /ebd.).

„Unsere These lautet: Auch beeindruckende Performanz ersetzt keine mechanistische Theorie psychologischer Prozesse. Vorhersage ist nicht Erklärung“ (ebd.).

Was bedeutet „Disposition“ im Zusammenhang mit Kompetenz?

Die Antwort auf die immer komplexer werdende Arbeitswelt ist, mehr Selbstorganisation zuzulassen, bzw. zu entwickeln. Der Begriff „Selbstorganisation“ ist dabei Bestandteil von Kompetenz als Selbstorganisationsdisposition.

Darin sind Dispositionen „mehr oder weniger performanzoffen im Sinne des Erkennens und Gestaltens von Neuem.“

Kirchhöfer beschreibt „Disposition“ wie folgt.

„Disposition bezeichnet die zeitlich stabile Gesamtheit der zum jeweiligen Zeitpunkt entwickelten inneren Voraussetzungen zur psychischen Regulation der Tätigkeit“ (Kirchhöfer 2004:61).

Diese Dispositionen sind somit nicht immer gleich, sondern verändern sich permanent, sodass Zeitpunkt und Kontext bei der Nutzung der Dispositionen eine besondere Rolle spielen. Dadurch wird der Unterschied zwischen „Disposition“ und „Performanz“ deutlich.

In der aktuellen Diskussion über Selbstorganisation, Komplexität und New Work kommen mir diese Unterscheidungen zu kurz, wodurch manchmal eine Beliebigkeit in der Nutzung der Begriffe entsteht. Dieser Mix führt dann über das unklare Verständnis der Zusammenhänge zu einer nicht angepassten Umsetzung in den Organisationen. Siehe dazu auch Ursache-Wirkung: Die intellektualistische Legende, oder  Freund, R. (2011): Das Konzept der Multiplen Kompetenz auf den Analyseebenen Individuum, Gruppe, Organisation und Netzwerk.

Informationen zu den von uns entwickelten Blended Learning Lehrgängen, und zu weiteren Terminen und Standorten, finden Sie auf unserer Lernplattform.

Kompetenz, Qualifikation, Performanz und Können – eine Einordnung

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Im letzten Blogbeitrag habe ich Kompetenz und Intelligenz gegenübergestellt. Nun möchte ich der Frage nach gehen, wie sich Kompetenz und Qualifikation unterscheiden. Die folgende Tabelle stellt konzeptuelle Merkmale der Begriffe „Qualifikation“ und „Kompetenz“ gegenüber.

KompetenzenQualifikationen
Objekt-Subjekt-Bezugsind  bereichsspezifische Fähigkeiten und Strategien im Sinne von psychischen Leistungsdispositionen; sie sind anwendungsoffen.sind objektiv durch die Arbeitsaufgaben und -prozesse und die daraus resultierenden Qualifikations- anforderungen gegeben.
LernenDie Aneignung von Kompetenzen ist Teil der Persönlichkeitsentwicklung
und umfasst auch die Fähigkeiten, die sich aus
den Bildungszielen ergeben.
Im Prozess der Aneignung von Qualifikationen ist der Mensch ein Trägermedium für Qualifikationen, eine
(humane) Ressource, die durch Training zur Ausübung spezifischer Tätigkeiten befähigt wird.
Objektivier-barkeitBerufliche Kompetenzen
zielen v. a. auf die nicht oder nur schwer objektivierbaren Fähigkeiten beruflicher Fachkräfte, die über die aktuellen beruflichen Aufgaben hinaus auf die Lösung und Bearbeitung zukünftiger Aufgaben zielen.
Qualifikationen beschreiben die noch nicht objektivierten/ maschinisierten Fertigkeiten und Fähigkeiten und definieren den Menschen als Träger von Qualifikationen, die aus den Arbeitsprozessen abgeleitet werden.
Rauner, F.; Haasler, B.; Heinemann, L.; Grollmann, P. (2009:31)

Es wird hier deutlich, dass sich berufliche Kompetenzen auf Leistungsdispositionen beziehen, die beispielsweise Erpenbeck/Rosenstiel (2003) in vier Kompetenzklassen unterteilen: Personale Kompetenz, Aktivitätsorientierte Kompetenz, Fachlich-Methodische Kompetenzen und Soziale Kompetenzen. Demgegenüber steht bei der Qualifikation „die Performanz, das beobachtbare berufliche Können, im Vordergrund (Rauner/Haasler/Heinemann/Grollmann 2009:38).

Welchen Bezug gibt es zwischen Kompetenz und Performanz?

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Wenn es um die Bewältigung komplexer Probleme geht, kommt der Kompetenzbegriff ins Spiel, der nach Erpenbeck/Heyse Kompetenz als Selbstorganisationsdisposition aufzufassen ist. Etwas vereinfacht ausgedrückt ist Selbstorganisation eine „Strukturbildung von selbst“ (Heyse/Erpenbeck 1997:29). Kompetenz stellt somit eine Art Vermögen dar, das noch im Kontext realisiert werden muss. Der Komplementärbegriff zu „Kompetenz“ ist dabei „Performanz“, deren Bezug zueinander zunächst in der Linguistik durch Chomsky thematisiert wurde.

„Kompetenz“ und „Performanz“ sind dieser linguistischen Tradition zufolge bekanntlich als Komplementärbegriffe zu begreifen. Kompetenz meint hier „das Befolgen von Regeln oder Gesetzmäßigkeiten der Kombinatorik auf der Basis einer kalkulierbaren Zahl von Elementen“, während unter Performanz „die konkrete Realisierung von Ausdrucksmitteln und Formen in einer bestimmten Situation durch individuelle Akzente“ zu verstehen ist, allerdings eben die „Realisierung systemisch angelegter (Tiefen-)Strukturen“ (Soeffner 2003: 663) (Pfadenhauer 2010:159).

Siehe dazu auch Dresselhaus, G. (1979): Langue/Parole und Kompetenz/Performanz und Freund, R. (2011): Das Konzept der Multiplen Kompetenz auf den Analyseebenen Individuum, Gruppe, Organisation und Netzwerk.