Multiple Intelligenzen Theorie erfasst die wesentlichen Dimensionen des zugrundeliegenden komplexen Systems

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Complex Problem Solving (CPS) unterscheidet sich erheblich von Simple Problem Solving (SPS). Beim einfachen Problemlösen (SPS) sind Ist- und Soll-Zustand gut beschreibbar. Durch planbares Vorgehen ist der Soll-Zustand dann mehr oder weniger gut erreichbar. Für CPS ist bei einem Menschen ein komplexes System von informationsverarbeitenden Prozessen erforderlich, denn komplexes Problemlösen (CPS) ist anders. Die Ausgangszustände sind nicht so eindeutig beschreibbar, der Weg zum Ziel ist vielfältig und das Ziel selbst ist unscharf (fuzzy). Bamberger und Wrona (2000:6) formulieren das so:

Sie stellen Entscheidungen unter Unsicherheit dar und werden auch als sogenannte Multi-Kontext-Probleme derart bezeichnet, dass sie in unterschiedlichen, jeweils aktorspezifischen Kontexten definiert bzw. expliziert werden.“

Das theoretische Konstrukt Multiple Intelligenzen erfasst hier die wesentlichen Dimensionen dieses zugrundeliegenden (komplexen) Systems beim Menschen und geht damit über die biologischen Einschränkungen hinaus.

„This theoretical construct of multiple intelligences represents a framework that not only connects the biological constraints of human information processing to the world of culturally valued capabilities. In addition, it represents a particular compromise, balancing the need to deal with the richness and complexity of the underlying system against theoretical tractability, while still capturing the most important dimensions of the complex system“ (Cornell, Shearer and Gardner, 2003).

In der heute stark vernetzten Welt, kommt es immer mehr zu komplexen (nicht nur komplizierten) Problemstellungen. Insofern hat die Multiple Intelligenzen Theorie eine gute Passung zu dieser Entwicklung. Siehe dazu auch

Multiple Intelligenzen: Intelligenzprofile angemessen interpretieren

Wie hängen Multiple Intelligenzen und Fähigkeiten zusammen?

Was sind Eigenschaften von komplexen Aufgabenstellungen?

Wie hängen Multiple Intelligenzen und Fähigkeiten zusammen?

In dem Blogbeitrag Multiple Intelligenzen: Intelligenzprofile angemessen interpretieren ging es mir darum aufzuzeigen, was Gardner unter Intelligenz und und unter Multiple Intelligenzen versteht. Dabei ist immer auch der Kontextbezug zu beachten. Diese Multiplen Intelligenzen werden oft fälschlicherweise mit Fähigkeiten (Abilities) gleich gesetzt.

Ein Multiple Intelligenzen Profil stellt in Bezug auf einen Kontext ein Potential zur Informationsverarbeitung dar: Verbal, spatial, musical etc.. Gruppieren wir nun die insgesamt 7-9 Multiplen Intelligenzen (je nach Erscheinungsjahr), so können wir die Gruppen Spatial, Verbal und Interpersonal bilden.

In der Abbildung oben ist links die komprimierte Fassung der Ausprägung der genannten Multiple Intelligenzen Gruppierungen zu erkennen. Diese wiederum stellen in dem rechten Teil der Abbildung unrealisierte Fähigkeiten dreidimensional dar. Es wird deutlich, dass es nach Howard Gardner nur 7-9 Intelligenzen gibt (je nach Erscheinungsjahr), doch eine fast unendliche Anzahl von (unrealisierten) Fähigkeiten (Abilities).

Fähigkeiten sind somit nicht mit Intelligenzen (nach Howard Gardner) gleichzusetzen. „Abilities can be conceptualized in terms of functionally integrated profiles of intelligences“ (Cornell/Sheridan(Gardner 2003).

In der folgenden Abbildung ist ein weiteres Profil zu sehen, das einen ganz anderen Raum von (unrealisierten) Fähigkeiten ergibt. Da alles in Bezug auf einen Kontext zu betrachten ist, kann das alles nur eine Momentaufnahme sein. Ändert sich der Kontext und das Multiple Intelligenzen Profil, so ändert sich auch der Fähigkeiten-Raum.

Aissen-Crewett (1998 führt das erläuternd aus. „Wir sollten davon absehen, den Begriff der Intelligenz mit dem der Fähigkeit zu assoziieren, geschweige denn gleichzusetzen, wie wenn Intelligenz einen fixierten Set von Fähigkeiten bedeutet. Statt dessen sollten wir Intelligenz eher verstehen als die Fähigkeit, aus seinen Stärken ´Kapital zu schlagen´ und seine Schwächen zu kompensieren. Jeder Mensch verfügt über unterschiedliche Konfigurationen von Intelligenzen“ (Aissen-Crewett, 1998).

Multiple Intelligenzen: Intelligenzprofile angemessen interpretieren

Eigene Darstellung. Quelle: Connell et al. (2003)

Die Multiple Intelligenzen Theorie von Howard Gardner integriert verschiedene Perspektiven auf Intelligenz (Intelligenz-Quotient, Emotionale Intelligenz, Soziale Intelligenz, … ). Dabei geht Howard Gardner in seinem Verständnis von Intelligenz von einem biopsychologischen Potenzial aus, was sich daher auch von Künstlicher Intelligenz (KI) unterscheidet. Siehe dazu auch die Anmerkungen zu möglichen Kategorienfehler.

„Ich verstehe eine Intelligenz als biopsychologisches Potenzial zur Verarbeitung von Informationen, das in einem kulturellen Umfeld aktiviert werden kann, um Probleme zu lösen oder geistige oder materielle Güter zu schaffen, die in einer Kultur hohe Wertschätzung genießen“ (Gardner  2002:46-47).

Die ursprünglichen Multiplen Intelligenzen sind in ihren Ausprägungen in einem fiktiven Profil in der Abbildung dargestellt. Es ist dabei wichtig, dass diese Intelligenzen in Bezug auf etwas bewertet werden, also in Bezug auf eine bestimmte Arbeit/Tätigkeit. Ein Intelligenzprofil „out of context“ zu erstellen, macht nach Howard Gardner keinen Sinn, und entspricht nicht seiner Definition von Intelligenz (Problembezug, kulturelles Umfeld, Wert).

Es ist aus diesen Überlegungen heraus auch nicht richtig – ja sogar unsinnig – davon zu sprechen, dass jemand „hauptsächlich musikalisch intelligent“ sein soll, da bei einer kontextabhängigen Problemlösung immer alle Intelligenzdimensionen mehr oder weniger stark eingesetzt werden.

Diese Interpretation des Intelligenz-Konstrukts führt zwangläufig auch zu der Frage, ob Intelligenz entwickelt werden kann, oder ob der größte Teil schon in den Genen eines Menschen vorhanden ist. Howard Gardner geht nicht von einem Fixed Mindset, sondern von einem veränderbaren, Growth Mindset aus – ganz im Sinne von Caroll S. Dweck. Multiple Intelligenzen können also gezielt entwickelt werden.

In einem der nächsten Blogbeiträge gehe ich darauf ein, was ein Intelligenzprofil (Multiple Intelligenzen) für mögliche Kompetenzen bedeutet.

Anmerkung: Ich kann an dieser Stelle nicht auf alle Facetten des Themas eingehen. Wenn sie sich mit der Multiple Intelligenzen Theorie von Howard Gardner noch nicht befasst haben, können Sie sich gerne in meinen Blogbeiträgen umsehen.

Everyone is a genius …

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In der aktuellen Diskussion um Künstliche Intelligenz kann man das Gefühl bekommen, dass KI-Modelle alles besser machen, als es der Mensch kann. Als Mensch fühlt man sich vergleichsweise dumm.

Auf der einen Seite also die „überlegene“ Künstliche Intelligenz und auf der anderen Seite die menschliche Dummheit.

In der Zwischenzeit gibt es natürlich auch Belege dafür, dass KI-Modelle die für Menschen ausgedachten Intelligenz-Tests zur Bestimmung des Intelligenz-Quotienten meistern. Doch sollten wir solche Vergleiche überhaupt ziehen? Sind sie eher eine Art Kategorienfehler?

Everyone is a genius, but if you judge a fish on its ability to climb a tree, it will live his whole life believing it is stupid – Albert Einstein.

Was ist, wenn wir die menschliche Intelligenz in den Mittelpunkt stellen und künstliche Intelligenz dazu verwenden, die Probleme der Menschen zu lösen?

Der Intelligenz-Quotient (IQ) scheint kein geeignetes Instrument zu sein, menschliche Intelligenz darzustellen. Siehe dazu OpenAI Model „o1“ hat einen IQ von 120 – ein Kategorienfehler?

Möglicherweise ist die Definition von Intelligenz nach Howard Gardner treffender:

„Ich verstehe eine Intelligenz als biopsychologisches Potenzial zur Verarbeitung von Informationen, das in einem kulturellen Umfeld aktiviert werden kann, um Probleme zu lösen oder geistige oder materielle Güter zu schaffen, die in einer Kultur hohe Wertschätzung genießen“ (Gardner 2002:46-47).

Wenn wir die Perspektive auf Menschliche Intelligenz und Künstliche Intelligenz anpassen, kann die technologische Entwicklung zum Vorteil ganzer Gesellschaften sein. Das Beispiel Society 5.0 zeigt, wie das aussehen kann. Siehe dazu auch

Künstliche Cleverness statt Künstliche Intelligenz?

Künstliche Intelligenz – Menschliche Kompetenzen: Anmerkungen zu möglichen Kategorienfehler

Künstliche Intelligenz – Ein Kategorienfehler nach Luhmann

Warum es nicht angemessen erscheint, Künstliche Intelligenz und Menschliche Intelligenz zu verwechseln

Künstliche Intelligenz und „grausamer Optimismus“

Der Begriff „Cruel Optimism“ (Grausamer Optimismus) wurde von Lauren Berlant geprägt und ist in Berlant, L. (2011): Cruel optimism ausführlich erläutert. Was ist nach Berlant unter „Grausamer Optimismus“ zu verstehen?

„A relation of cruel optimism exists when something you desire is actually an obstacle to your flourishing“. (…) They become cruel only when the object that draws your attachment actively impedes the aim that brought you to it initially.

Nicht jede optimistische Wunschvorstellung ist per se grausam. Sie wird allerdings zu einem Grausamen Optimismus (Cruel Optimism), wenn das Objekt, an dem Ihre Zuneigung hängt, das Ziel, das Sie ursprünglich dazu geführt hat, aktiv behindert. Das ist nicht ganz leicht zu verstehen. Zwei Beispiele können möglicherweise helfen:

„Zwei hervorragende Beispiele dafür sind die Diätindustrie und die kulturelle Besessenheit von Produktivitätstricks: Anstatt unsere maroden Ernährungssysteme oder die schleichende Kultur von Burnout und Überarbeitung zu betrachten, schieben wir die Verantwortung für eine gesündere Ernährung und ein effizienteres Zeitmanagement auf den Einzelnen ab. Dadurch blenden wir die tieferliegenden Ursachen systemischer Probleme aus. Und wenn die Lösung dann scheitert, geben sich die Betroffenen selbst die Schuld, nicht genug Willenskraft gehabt zu haben“ (Goleman, D. (2026): How AI Could Produce ‘Cruel Optimism’, deutschsprachige Übersetzung mit Google Translate).

Goleman sieht hier auch einen Zusammenhang zwischen Künstlicher Intelligenz und dem von Berlant angesprochenen „Grausamen Optimismus“. Auch Künstliche Intelligenz weckt Wünsche und Sehnsüchte, und verheißt eine optimistische, effiziente Zukunft, da KI alle möglichen Probleme der Menschen lösen kann, bzw. lösen wird.

Wenn wir also mit den KI-Modellen und KI-Agenten die Probleme nicht lösen können, so sind wir Menschen eben die Dummen. Auch hier geben sich die einzelnen Personen, oder Gruppen von Personen, oder sogar Organisationen die Schuld, nicht gut genug zu sein in der Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Diese Logik führt zwangsläufig zu einem „Grausamen Optimismus“ in der die Betroffenen sich selbst die Schuld geben. Der oben verlinkte Beitrag von Daniel Goleman enthält noch weitere (englischsprachige) Details dazu.

Interessant ist hier auch, dass Daniel Goleman 1995 den Bestseller Emotional Intelligence. Why it can matter more than IQ (Quelle: Wikipedia) geschrieben hat und Goleman sich in der Tradition von Howard Gardner´s Theorie der Multiplen Intelligenzen versteht.

Soziale Kompetenz – eine Einordnung

Kanning, U. P. (2005): Soziale Kompetenzen. Göttingen: Hofgrefe.

In vielen Diskussionen verwenden Teilnehmer gleichlautende Begriffe, deren Bedeutungen allerdings unterschiedlich interpretiert werden. Weiterhin kann es vorkommen, dass Begriffe synonym verwendet werden, wodurch auch ein ziemliches Durcheinander entstehen kann.

In der Abbildung ist beispielsweise zu erkennen, dass der Oberbegriff Soziale Kompetenz, die Bereiche Soziale Intelligenz, Emotionale Intelligenz und auch Soziale Fertigkeiten umfasst – mit diesen Begriffen somit nicht gleichzusetzen ist.

Weiterhin können auch Emotionale Intelligenz und Emotionale Kompetenz unterschieden werden.

Ähnlich sieht es bei Persönlichkeitseigenschaften, -fähigkeiten und Kompetenzen aus.

Auch sollte bedacht werden, dass wir bei Intelligenz oft and den Intelligenz-Quotienten denken, was gerade in der Diskussion um Künstliche Intelligenz tückisch sein kann: OpenAI Model “o1” hat einen IQ von 120 – ein Kategorienfehler? Hier hat die Multiple Intelligenzen Theorie möglicherweise eine bessere Passung.

Siehe dazu auch Freund, R. (2011): Das Konzept der Multiplen Kompetenzen auf den Ebenen Individuum, Gruppe, Organisation und Netzwerk.

Emotionale Intelligenz: Der Begriff hat eine recht lange und bewegte Geschichte

Speech bubbles, blank boards and signs held by voters with freedom of democracy and opinion. The review, say and voice of people in public news adds good comments to a diverse group.

In der heutigen Diskussion um „Intelligenz“ geht es gerade in Bezug auf Künstliche Intelligenz auch um Emotionale Intelligenz. Die meisten werden den Begriff von der Veröffentlichungen Daniel Golemans kennen. Stellvertretend möchte ich sein Buch „Emotional Intelligence“ aus dem Jahr 1995 nennen.

Goleman, D. (1995): Emotional Intelligence. Why It Can Matter More Than IQ.

Wenn man sich allerdings etwas genauer mit dem Begriff befasst, stößt man recht schnell auf Salovay/Meyer, die schon 1990 von „Emotionaler Intelligenz“ geschrieben haben.

Salovey, P.; Mayer, J. D. (1990): Emotional Intelligence. In: Imagination, Cognition and Personality. 9. Jg. Heft 3, S. 185-211.

Dabei ist interessant, dass sich die beiden bei ihren Überlegungen schon 1993 direkt auf die Multiple Intelligenzen Theorie bezogen haben. Was bedeutet, dass Emotionale Intelligenz als Teil der von Howard Gardner angenommenen Multiplen Intelligenzen Theorie gesehen werden kann.

In der Zwischenzeit habe ich in einer weiteren Quelle eine Notiz gefunden, die besagt, dass der Schwede Björn Rosendal schon 1976 den Begriff „Emotional Intelligence“ geprägt hat. Manchmal ist es gut, sich die Historie eines oft verwendeten Begriffs klar zu machen.

„He coined the term „emotional intelligence“ in 1976″
Rosendal , Björn (1981): The Emotional Intelligence, Edition Sellem.

Der Hinweis auf Rosendal fehlt auf der Wikipedia-Seite zu Emotionale Intelligenz. Dort gibt es allerdings noch zwei weitere Quellen:

„The term „emotional intelligence“ may have first appeared in a 1964 paper by Michael Beldoch. and a 1966 paper by B. Leuner“ (ebd.).

Möglicherweise gibt es noch weitere, frühere Erwähnungen von Emotionaler Intelligenz. Das Konstrukt hat sich – wie viele – über die Jahrzehnte weiterentwickelt. Das zu analysieren, würde allerdings diesen Beitrag sprengen.

Intelligentes Handeln: Was ist, wenn die Intelligenz im Handeln zu finden ist?

Wir gehen oft noch von scheinbar eindeutigen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen aus (Reduktionismus), Wir schließen beispielsweise bei einer intelligenten Handlung (Wirkung) eines Menschen auf eine möglicherweise dahinterliegende menschliche Intelligenz (Ursache).

Dass es solche einfachen Zusammenhänge in komplexen Systemen so nicht gibt, wurde schon vor vielen Jahrzehnten von Ryle bezweifelt. Er nannte ein solches Vorgehen Intellektualistische Legende. und erläutert: „Die intelligente Praxis“ (Ryle (1949:28), „ist nicht ein Stiefkind der Theorie“.

„Ganz allgemein gesprochen, macht die intellektualistische Legende die absurde Annahme, jede Verrichtung, welcher Art auch immer sie sei, erwerbe ihren gesamten Anspruch auf Intelligenz von einer vorausgehenden inneren Planung dieser Verrichtung“ (Siehe dazu weitaus differenzierter Neuweg, G. H. (2004): Könnerschaft und implizites Wissen).

Doch: Wo versteckt sich dann die Intelligenz?

Dazu schreibt Ryle: „Eine intelligente Handlung „hat eine besondere Art oder Ausführung, nicht besondere Vorgänger“ (1949, S. 36). Natürlich weist sie über sich selbst hinaus, aber „die Ausübung ist keine Doppeloperation, bestehend aus theoretischem Bekennen von Maximen und darauffolgender Umsetzung in die Praxis“ (1949, S. 56). Auch wenn wir eine Disposition, die sich als flexibles Können zeigt, mit Recht als Zeichen von Intelligenz betrachten, ist nicht eine innerliche Schattenhandlung, sondern das Können selbst der Träger der Intelligenz. Intellektuelle Operationen sind keine Ausführungen, die zu intelligenten Tätigkeiten hinzutreten. „Offene intelligente Verrichtungen sind nicht der Schlüssel zur Arbeit des Geistes; sie sind diese Arbeit“ (1949, S. 73)“ (vgl. Neuweg 2004).

Wenn also das Können selbst Träger der Intelligenz ist, und eine scheinbar intelligente Handlung eines Menschen nicht auf seine Menschliche Intelligenz zurückzuführen ist, so kann auch die „intelligente Handlung“ eines KI-Modells nicht auf eine Art von Künstlicher Intelligenz zurückgeführt werden – ein Kategorienfehler? Siehe dazu auch

Künstliche Intelligenz – Menschliche Kompetenzen: Anmerkungen zu möglichen Kategorienfehler.

OpenAI Model „o1“ hat einen IQ von 120 – ein Kategorienfehler?

Biologische Intelligenz – Intelligenz-Quotient (IQ) – Soziale Intelligenz

Eigene Darstellung nach Eysenck (2004)

In der heutigen Intelligenzdiskussion gibt es viele Facetten. Eine davon ist beispielsweise der Vergleich von Künstlicher Intelligenz mit dem Intelligenz-Quotienten (IQ). Dass dieser Vergleich möglicherweise ein Kategorienfehler ist, hatte ich schon in dem Beitrag Künstliche Intelligenz – Menschliche Kompetenzen: Anmerkungen zu möglichen Kategorienfehler erläutert.

In diesem Blogbeitrag möchte ich nun die Überlegungen für einen Intelligenz-Quotienten (IQ) und mögliche Kritikpunkte daran erläutern.

Wie der Abbildung zu entnehmen ist, bezieht sich der Intelligenz-Quotient (IQ), der als Psychometrische Intelligenz bezeichnet werden kann, auch darauf, dass diese aus der Biologischen Intelligenz hervorgeht. Eysenck, ein Vertreter der Psychometrischen Intelligenz, deutet damit auf den biologischen Charakter und den in den menschlichen Genen vorgegebenen Teil von Intelligenz hin. Der von der Psychometrischen Intelligenz verwendete Intelligenzbegriff basiert konsequenterweise auf diesen Annahmen:

„Unser Begriff „Intelligenz“ leitet sich von den lateinischen Wörtern intelligentia und ingenium her. Jenes bedeutet in Ciceros Verwendungsweise in etwa „Begreifen“ und „Wissen“, dieses soviel wie „natürliche Veranlagung“ oder Begabung“. Die zwei Bedeutungskomponenten sind dem Begriff „Intelligenz“ bis heute eigen geblieben“ (Eysenck 2004).

Eine Erweiterung der Psychometrischen Intelligenz (IQ) in Richtung einer Sozialen Intelligenz lehnt Eysenck kategorisch ab, und begründet das wie folgt: „Das Konzept der sozialen oder praktischen Intelligenz ist eindeutig viel zu komplex, als dass es irgendeinen wissenschaftlichen Wert haben könnte; zum Wesen der Wissenschaft gehört es ja auch und gerade, komplexe Konzepte auf einfache, elementarere zu reduzieren“ (Eysenck 2004). Die Vereinfachung komplexer Sachverhalte ist heute allerdings unangemessen.

Im Gegensatz dazu gibt es immer mehr Hinweise darauf, Intelligenz weniger reduktionistisch und besser als komplexes System zu verstehen, was eine deutlich bessere Passung mit dem heute üblichen Umgang mit Komplexität haben würde. Intelligenz-Theorien, die so einem Anspruch gerecht werden, sind:

„Die Triarchische Theorie (vgl. Sternberg 1985a/1985b) und die Multiple Intelligenzen Theorie (vgl. Gardner 1983/1993) scheinen geeignet zu sein, wenn es um eine notwendige Erweiterung des Intelligenzbegriffs geht (vgl. Siebert/Seidel 2000:48), da beide Theorien als Systemmodelle bezeichnet werden können, die „auch externe Aspekte des Erlebens und Denkens [mit einbeziehen, und] (…) Intelligenz als komplexes System betrachten“ (Schulze et al. 2006:15)“ (zitiert in Freund 2011).

Siehe dazu etwas ausführlicher Intelligenztheorie: Anmerkungen zu Sternbergs Triarchischen Theorie und Gardners Multiple Intelligenzen Theorie.

Emotionale Intelligenz und Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz

Wenn es um Künstliche Intelligenz geht, kommt auch immer öfter der Hinweis auf, dass Emotionale Intelligenz immer wichtiger wird. In dem Blogbeitrag AI City und Emotionale Intelligenz wird beispielsweise auf den Zusammenhang mit AI Citys verwiesen:

“For a smart city, having only “IQ” (intelligence quotient) is not enough; “EQ” (emotional quotient) is equally essential. (…) the emotions of citizen communities …“

Hier wird also vorgeschlagen, neben dem Intelligenz-Quotienten (IQ) noch einen Emotionalen Quotienten (EQ) bei der Betrachtung zu berücksichtigen.

Doch was verstehen wir unter „Emotionale Intelligenz“?

Ich beziehe mich hier auf eine Beschreibung von Salovay und Mayer, und bewusst nicht auf den populären Ansatz von Goleman:

“Emotional intelligence is a type of social intelligence that involves the ability to monitor one’s own and others’ emotions to discriminate among them, and to use the information to guide one’s thinking and actions (Salovey & Mayer 1990)”, cited in Mayer/Salovay 1993, p. 433).

Die Autoren sehen also Emotionale Intelligenz als Teil einer Sozialen Intelligenz. Spannend ist weiterhin, dass Mayer und Salovay ganz bewusst einen Bezug zur Multiplen Intelligenzen Theorie von Howard Gardner herstellen. Siehe Emotionale Intelligenz: Ursprung und der Bezug zu Multiplen Intelligenzen.

Betrachten wir nun Menschen und AI Agenten im Zusammenspiel, so muss geklärt werden, woran AI Agenten (bisher) bei Entscheidungen scheitern. Dazu habe ich folgenden Text gefunden:

“AI agents don’t fail because they’re weak at logic or memory. They fail because they’re missing the “L3” regions — the emotional, contextual, and motivational layers that guide human decisions every second” (Bornet 2025 via LinkedIn).

Auch Daniel Goleman, der den Begriff „Emotionale Intelligenz“ populär gemacht hat, beschreibt den Zusammenhang von Emotionaler Intelligenz und Künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz, und weist auf die erforderliche Anpassungsfähigkeit (Adaptability) hin:

Adaptability: This may be the key Ei competence in becoming part of an AI workplace. Along with emotional balance, our adaptability lets us adjust to any massive transformation. The AI future will be different from the present in ways we can’t know in advance“ (EI in the Age of AI, Goleman via LinkedIn, 30.10.2025).

Was mir allerdings an der Formulierung nicht gefällt ist der Begriff „Ei competence“, denn Intelligenz und Kompetenz sind durchaus unterschiedlich. Siehe dazu Künstliche Intelligenz – Menschliche Kompetenzen: Anmerkungen zu möglichen Kategorienfehler.