Warum sollten wir das In-Beziehungen-Denken neu lernen?

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Ein gutes Beispiel dafür, was in komplexen Systemen passiert ist das Gehirn, da es das das komplexeste und leistungsfähigste Organ ist, das wir kennen.

Und diese Leistungsfähigkeit liegt – nach allem, was wir bislang aus der Hirnforschung wissen – nicht zuletzt daran, dass die Verknüpfungen wichtiger als die Teile sind. Das Gehirn funktioniert, weil etwas zwischen den Neuronen passiert – elektrische und chemische, möglicherweise auch rhythmische Verbindungen, Vernetzungen, Beziehungen. Es existiert keine zentrale Instanz, (…) (Mutius 2004:27).

Es erscheint also in komplexen Systemen wie Gesellschaften, Märkten und Organisationen wichtig zu sein, auf „Muster, die verbinden“ (Gregory Bateson) zu achten. Neu zu lernen wäre also das In-Beziehungen-Denken (Mutius 2004:17), was uns nicht leicht fällt, da wir es seit dem 18. Jahrhindert gewohnt sind, von stetigem Fortschritt, Beherrschbarkeit der Natur usw. auszugehen (Einfache Modernisierung). Dieses Mindset zu ändern ist in der heutigen Reflexiven Modernisierung die Aufgabe in allen Bereichen unserer Gesellschaft.

Diese soziologisch seit Jahren gut beschriebene Situation mit ihren Auswirkungen der Kontingenz, der Entgrenzungen, der stärkeren Selbstorganisation usw. usw. wird von betriebswirtschaftlich ausgerichteten Marktteilnehmern oft genutzt, um Geschäfte zu machen. Dabei wird allerdings kaum – oder gar nicht – auf die vielfältigen Vorarbeiten aus der Soziologie eingegangen. Auch hier wäre ein In-Beziehungen-denken angebracht.

Projektmanagement in verschiedenen Kulturen

In der Ausgabe 03/2020 der Zeitschrift ProjektmanagementAktuell geht es in der Titelstory um das Projektmanagement in verschiedenen Kulturen. In dem Beitrag Internationales Projektmanagement im chinesischen Kontext stellt Karl Waldkirch dar, wie schwierig eine Zusammenarbeit in Projekten mit chinesischen Partnern sein kann.

Neben dem unterschiedlichen Managementdenken und -verhalten ist es auch die konfuzianische Prägung der chinesischen Gesellschaft mit ihrem Wertekodex, die Projektarbeit zu einer Herausforderung machen. In dem genannten Artikel wird allerdings auch deutlich, wie die Zusammenarbeit zwischen westlichen und chinesischen Partnern in Projekten gestaltet werden sollte.

Dieses Beispiel zeigt, dass kulturelle Unterschiede zu Schwierigkeiten führen können. Darüber hinaus können solche Unterschiede auch zu neuen, hybriden Strukturen in der Projektarbeit weiterentwickelt werden, so dass ein neuer Wert in der Zusammenarbeit entsteht, der nicht so leicht kopierbar ist.

Zu beachten ist allerdings, dass Ländergrenzen nicht zwangsläufig auch Grenzen für Kulturen sind, die sich in den letzten tausenden von Jahren entwickelt haben. Kulturelle Zusammenhänge gibt es länderübergreifend, was die Anforderungen an die Projektarbeit nicht einfacher macht.

In den von uns entwickelten Blended Learning Lehrgängen Projektmanager/in (IHK) und Projektmanager/in agil (IHK) gehen wir auch auf kulturelle Unterschiede in der Projektarbeit ein. Informationen zu den Lehrgängen finden Sie auf unserer Lernplattform.

Wird Design Thinking häufig falsch verstanden?

Design Thinking ist – wie Agilität, Scrum, Kanban, Lean usw. – in aller Munde. Welches Unternehmen möchte in der heutigen Zeit nicht agil und dynamisch sein? Es scheint allerdings, dass diese Begriffe manchmal falsch verstanden, und letztendlich falsch umgesetzt werden. Der St. Galler Innovationsforscher Prof. Gassmann formuliert das in Bezug auf Design Thinking so:

„Leider wird das häufig falsch verstanden. Es geht nicht darum, im Sinne von ´Jugend forscht´alles Mögliche auszuprobieren, was einem in den Sinn kommt, und auf den Durchbruch zu hoffen. Dieses Vorgehen, das im Silicon Valley unter dem Begriff ´Pivoting´sehr populär ist, erinnert mich an das Verhalten einer Fliege, die in einer Flasche eingesperrt ist. Sie ändert permanent die Richtung, völlig zufällig. Irgendwann findet sie so auch den Ausgang. Doch das Ergebnis ist rein vom Zufall bestimmt. Bei gut geplanten Experimenten – im Sinne eines intelligenten Design Thinking – steuern die Hypothesen die Richtung, in die die Versuche laufen sollen“.

Quelle: Gassmann, (2017:43): Mißglückte Projekte bergen die größten Erkenntnisse, in: Harvard Business Manager, Dezember 2017, S. 40-45).

Solche Themen besprechen wir auch in dem von uns entwickelten Blended Learning Lehrgang Innovationsmanager (IHK), der bis zum Sommer 2018 noch in Mannheim und Köln angeboten wird. Informationen dazu finden Sie auf unserer Lernplattform.

Auch das Denken soll disruptiv sein

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Heute ist alles disruptiv: Disruptive Bildung, Disruptive Innovationen … und jetzt eben Disruptives Denken. Bernhard von Mutius hat in seinem Buch Disruptive Thinking (2016) seine Gedanken dazu zusammengestellt. Einen Auszug dazu findet man in dem Gastbeitrag: Disruptive Thinking: Wollen wir Dinge wirklich anders machen? (Handelsblatt vom 22.10.2017). Darin werden die veränderten Rahmenbedingungen wiederholt und erläutert, welche Vorteile Disruptive Thinking haben soll. Dabei gibt es eine starke Anlehnung an Design Thinking und an kreativen Lernprozessen. Die Schaffung von neuen Begriffen – wie wäre es mit Agile Thinking, oder Disruptive Doing, oder … – soll eine gewisse Klarheit schaffen, doch kann es durchaus auch Verwirrung stiften. Solche Themen besprechen wir auch in dem von uns entwickelten Blended Learning Lehrgang Innovationsmanager (IHK). Informationen zum Lehrgang und zu Terminen finden Sie auf unserer Lernplattform.

Entsteht durch agiles Projektmanagement ein neues Silo-Denken?

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Organisationen müssen sich den Veränderungen ihres Umfeldes anpassen. Durch die fortschreitende Digitalisierung muss das immer schneller passieren. Es stellt sich nun die Frage, wie das geschehen soll/wird. In der Diskussion findet man neben einfachen Antworten auch differenzierte Sichtweisen. Einigen Mythen gehen die Autoren Stefanie Büchner, Stefan Kühl, Judith Muster in Ihrem Blogbeitrag vom 10.04.2017 nach: Der Mythos der Digitalisierung – Der Kurzschluss bei der Diskussion über digitale Transformation. Hervorheben möchte ich folgenden Hinweis:

Nehmen wir die Lieblingsmethode der Stunde, agiles Projektmanagement. Wenn Mitarbeiter aus IT-Abteilung und Funktionsbereich X gemeinsam in einem IT-Projekt zur Kundenbindung zusammengezogen werden, werden zwar auf den ersten Blick Grenzen in der Organisation überwunden, aber nur auf Kosten von neuen Grenzen. Es bilden sich in dem IT-Projekt nicht selten fanatische Anhänger des agilen Projektmanagements aus, die aber von ihren weniger euphorisierten Kollegen in anderen Bereichen lediglich als ein neues Silo in der Organisation betrachtet werden.

Die in dem Blogbeitrag angesprochenen Mythen werden aktuell noch von den verschiedenen Hypes um Organisationen/Methoden/Techniken/Frameworks überlagert, doch lohnt es sich, die angesprochenen Punkte kritisch zu reflektieren. Es gibt eben nicht immer nur ein „Entwerder-Oder“, sondern auch ein „Sowohl-Als-Auch“. In dem von uns entwickelten Blended Learning Lehrgang gehen wir auf diese Thematik ein. Informationen dazu finden Sie auf unserer Lernplattform.