Everyone is a genius …

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In der aktuellen Diskussion um Künstliche Intelligenz kann man das Gefühl bekommen, dass KI-Modelle alles besser machen, als es der Mensch kann. Als Mensch fühlt man sich vergleichsweise dumm.

Auf der einen Seite also die „überlegene“ Künstliche Intelligenz und auf der anderen Seite die menschliche Dummheit.

In der Zwischenzeit gibt es natürlich auch Belege dafür, dass KI-Modelle die für Menschen ausgedachten Intelligenz-Tests zur Bestimmung des Intelligenz-Quotienten meistern. Doch sollten wir solche Vergleiche überhaupt ziehen? Sind sie eher eine Art Kategorienfehler?

Everyone is a genius, but if you judge a fish on its ability to climb a tree, it will live his whole life believing it is stupid – Albert Einstein.

Was ist, wenn wir die menschliche Intelligenz in den Mittelpunkt stellen und künstliche Intelligenz dazu verwenden, die Probleme der Menschen zu lösen?

Der Intelligenz-Quotient (IQ) scheint kein geeignetes Instrument zu sein, menschliche Intelligenz darzustellen. Siehe dazu OpenAI Model „o1“ hat einen IQ von 120 – ein Kategorienfehler?

Möglicherweise ist die Definition von Intelligenz nach Howard Gardner treffender:

„Ich verstehe eine Intelligenz als biopsychologisches Potenzial zur Verarbeitung von Informationen, das in einem kulturellen Umfeld aktiviert werden kann, um Probleme zu lösen oder geistige oder materielle Güter zu schaffen, die in einer Kultur hohe Wertschätzung genießen“ (Gardner 2002:46-47).

Wenn wir die Perspektive auf Menschliche Intelligenz und Künstliche Intelligenz anpassen, kann die technologische Entwicklung zum Vorteil ganzer Gesellschaften sein. Das Beispiel Society 5.0 zeigt, wie das aussehen kann. Siehe dazu auch

Künstliche Cleverness statt Künstliche Intelligenz?

Künstliche Intelligenz – Menschliche Kompetenzen: Anmerkungen zu möglichen Kategorienfehler

Künstliche Intelligenz – Ein Kategorienfehler nach Luhmann

Warum es nicht angemessen erscheint, Künstliche Intelligenz und Menschliche Intelligenz zu verwechseln

Künstliche Intelligenz: Halluzinationen und der Bullshit-Faktor – eine Art Künstliche Dummheit?

Wenn es um Menschliche Intelligenz geht, sprechen wir auch oft über die scheinbare Menschliche Dummheit. In meinen Blogbeiträgen Reden wir über Dummheit und Steckt hinter der Künstlichen Intelligenz keine echte Intelligenz? Wie ist das zu verstehen? bin ich auf das Thema eingegangen. Weiterhin finden sich in der Rezension Ina Rösing: Intelligenz und Dummheit weitere interessante Anmerkungen.

Im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz könnte man natürlich auch über eine Art Künstliche Dummheit nachdenken. Wie schon länger bekannt, stellen beispielsweise Halluzinationen und falsche Antworten ein nicht zu vernachlässigendes Phänomen dar. Darüber hinaus gibt es allerdings auch noch eine Art Bullshit-Faktor. Es geht dabei um die Missachtung der Wahrheit in großen Sprachmodellen. Genau diesen Aspekt haben sich verschiedene Forscher der Princeton University einmal genauer angesehen und ein interessantes Paper dazu veröffentlicht:

Liang et al. (2025): Machine Bullshit: Characterizing the Emergent Disregard for Truth in Large Language Models | PDF

Es stellt sich hier natürlich die Frage, wie sich Halluzination und der genannte Bullshit-Faktor unterscheiden. Dazu habe ich folgendes gefunden:

„Daher gebe es auch einen entscheidenden Unterschied zwischen Halluzinationen und dem, was er als „Bullshit“ bezeichnet – und der liegt in der internen Überzeugung des Systems. Wenn ein Sprachmodell halluziniert, ist es nicht mehr in der Lage, korrekte Antworten zu erzeugen. „Beim Bullshit hingegen ist das Problem nicht Verwirrung über die Wahrheit, sondern eine fehlende Verpflichtung, die Wahrheit zu berichten“ (t3n vom 21.08.2025).

Interessant finde ich, dass die Forscher wohl auch eine erste Möglichkeit gefunden haben, um diesen Bullshit-Faktor zu überprüfen. Gut wäre es natürlich, wenn die Ergebnisse dann allen zur Verfügung stehen würden. Gespannt bin ich besonders darauf, wie Open Source AI Modelle abschneiden.

Reden wir über Dummheit

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Wer will schon dumm sein? Viel lieber sprechen wir über Intelligenz, über intelligente Maschinen, Künstliche Intelligenz (KI), intelligente Häuser, Möbel oder Autos usw. Das Attribut „Intelligenz“ scheint per se positiv aufgeladen zu sein. Im Gegensatz dazu steht der Begriff „Dumm“ für eine eher negative Assoziation. Die Google-Suche von heute ergab ca. 15 Mio. Treffer für den Begriff „dumm“ und ca. 480 Mio. Treffer für den Begriff „intelligent“. Es ist daher gut nachvollziehbar, dass sich recht wenige mit dem Thema „Dummheit“ intensiver auseinandergesetzt haben.

Schneider (2006:17-18) beschreibt die Situation wie folgt: „Wenige haben sich an das Thema herangewagt, wenn man von medizinischen Arbeiten über Stadien der Demenz einmal absieht. Bei denen, die’s getan haben, finden sich ähnliche Überlegungen wie ich sie für das Thema der Ignoranz anstelle.
– Dummheit wird als auf dem Vormarsch begriffen diagnostiziert (vgl. Geyr 1954:91 ff)
– Dummheit bzw. Narrentum werden gelobt, sowohl bei Erasmus von Rotterdam, der eines der bekanntesten Werke zum Thema verfasst hat, als auch von anderen Autoren (Erasmus; Stultitiae Laus, vgl. Hartmann 1947).
– Es werden vier Möglichkeiten unterschieden, (…) : Dummes Verhalten, trotz normaler oder sogar erhöhter Intelligenz, kluges Verhalten trotz geringer Intelligenz sowie die beiden übereinstimmenden Alternativen eines klugen Verhaltens auf Basis von Intelligenz und eines dummen/schädlichen Verhaltens auf Basis eines Mangels an Intelligenz“.

Diese Dichotomie (Dumm-Intelligent) spiegelt allerdings eine Denkweise wider, die einem „Entweder-Oder“ entspricht, obwohl es wohl ein Kontinuum zwischen den Polen gibt, das auch abhängig zu sein scheint von dem Kontext, in dem die „dumme“ oder“ intelligente“ Problemlösung stattfindet. In der heutigen Welt, die sich permanent, schnell und stark verändert, wollen viele Menschen gerne eine klare Einteilung von „richtig“ oder „falsch“, bzw. von „dumm“ oder „intelligent“ – was allerdings so trennscharf nicht möglich ist: „Wenn die Dummheit nicht dem Fortschritt, dem Talent, der Hoffnung oder der Verbesserung zum Verwechseln ähnlich sähe, würde niemand dumm sein wollen“ (Musli 1937: 5; zitiert in Schneider 2006:17-18). Siehe dazu auch Theorie der Multiplen Intelligenzen.