Künstliche Intelligenz und „grausamer Optimismus“

Der Begriff „Cruel Optimism“ (Grausamer Optimismus) wurde von Lauren Berlant geprägt und ist in Berlant, L. (2011): Cruel optimism ausführlich erläutert. Was ist nach Berlant unter „Grausamer Optimismus“ zu verstehen?

„A relation of cruel optimism exists when something you desire is actually an obstacle to your flourishing“. (…) They become cruel only when the object that draws your attachment actively impedes the aim that brought you to it initially.

Nicht jede optimistische Wunschvorstellung ist per se grausam. Sie wird allerdings zu einem Grausamen Optimismus (Cruel Optimism), wenn das Objekt, an dem Ihre Zuneigung hängt, das Ziel, das Sie ursprünglich dazu geführt hat, aktiv behindert. Das ist nicht ganz leicht zu verstehen. Zwei Beispiele können möglicherweise helfen:

„Zwei hervorragende Beispiele dafür sind die Diätindustrie und die kulturelle Besessenheit von Produktivitätstricks: Anstatt unsere maroden Ernährungssysteme oder die schleichende Kultur von Burnout und Überarbeitung zu betrachten, schieben wir die Verantwortung für eine gesündere Ernährung und ein effizienteres Zeitmanagement auf den Einzelnen ab. Dadurch blenden wir die tieferliegenden Ursachen systemischer Probleme aus. Und wenn die Lösung dann scheitert, geben sich die Betroffenen selbst die Schuld, nicht genug Willenskraft gehabt zu haben“ (Goleman, D. (2026): How AI Could Produce ‘Cruel Optimism’, deutschsprachige Übersetzung mit Google Translate).

Goleman sieht hier auch einen Zusammenhang zwischen Künstlicher Intelligenz und dem von Berlant angesprochenen „Grausamen Optimismus“. Auch Künstliche Intelligenz weckt Wünsche und Sehnsüchte, und verheißt eine optimistische, effiziente Zukunft, da KI alle möglichen Probleme der Menschen lösen kann, bzw. lösen wird.

Wenn wir also mit den KI-Modellen und KI-Agenten die Probleme nicht lösen können, so sind wir Menschen eben die Dummen. Auch hier geben sich die einzelnen Personen, oder Gruppen von Personen, oder sogar Organisationen die Schuld, nicht gut genug zu sein in der Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Diese Logik führt zwangsläufig zu einem „Grausamen Optimismus“ in der die Betroffenen sich selbst die Schuld geben. Der oben verlinkte Beitrag von Daniel Goleman enthält noch weitere (englischsprachige) Details dazu.

Interessant ist hier auch, dass Daniel Goleman 1995 den Bestseller Emotional Intelligence. Why it can matter more than IQ (Quelle: Wikipedia) geschrieben hat und Goleman sich in der Tradition von Howard Gardner´s Theorie der Multiplen Intelligenzen versteht.

Pfadabhängigkeit etwas genauer betrachtet

Die Konstitution und Entwicklung von Pfaden (Schäcke 2006:31)

In mehreren Blogbeiträgen habe ich im Zusammenhang mit Innovationen den Begriff der Pfadabhängigkeit thematisiert. Siehe dazu “Pfadabhängigkeit” in Organisationen, Führt “Agilität” auch wieder zu einer Pfadabhängigkeit? , Wie hängen Nebenfolgen, Pfadabhängigkeit und Innovation zusammen?, Zu Kernkompetenzen und Pfadabhängigkeiten in der Automobilindustrie.

In allen Beiträgen liegt der Schwerpunkt darauf, Effizienz als das prägende Element zu betrachten, um zu entscheiden: Bleibe ich in dem gewohnten Pfad, oder wechsle ich in einen anderen Pfad?

Dass es auch einen anderen Blick auf Pfadabhängigkeit gibt, hat Jürgen Beyer in seinem Artikel ausführlich dargestellt. Dabei stellt er fest, dass Pfadabhängigkeit nicht gleich Pfadabhängigkeit ist.

Beyer, J. (2005): Pfadabhängigkeit ist nicht gleich Pfadabhängigkeit! Wider den impliziten Konservatismus eines gängigen Konzepts, in Zeitschrift für Soziologie, Jg. 34, Heft 1, Februar 2005, S. 5–21 | PDF

Der Autor zeichnet zunächst den Verlauf der wissenschaftlichen Diskussionen zum Thema nach und zeigt, dass sich die Pfadabhängigkeits-These durchaus verändert und weiterentwickelt hat. Dabei wird deutlich, dass die für die These herangezogenen Stabilitätsgründe (wie „“increasing returns“, Komplementaritäten, Machtkonstellationen oder andere Grundlagen der Pfadabhängigkeit“ ebd.) durchaus anfällig für einen grundlegenden Wandel sein können.

Das deutet wiederum darauf hin, dass es nach einem „lock-in“ bei der Pfadabhängigkeit doch auch dazu kommen kann, dass „Akteure jeweils einen Schlüssel finden können, um das Schloss wieder aufzuschließen“ (ebd.).

Ausschöpfung des noch nicht realisierten Geschäftspotenzials durch Projektmanagement

Ausschöpfung des noch nicht realisierten Geschäftspotenzials durch Projektmanagement (Dechange/Freidrich 2013)

Jede Organisation versucht, seine Geschäftspotenziale zu nutzen, um am Markt erfolgreich zu sein. Es zeigt sich allerdings, dass viele Geschäftspotenziale noch nicht genutzt, bzw. noch nicht realisiert wurden. Wie in der Abbildung zu erkennen ist, gibt es grundsätzlich zwei Richtungen, um neue Potenziale mit einem professionalisierten Projektmanagement zu erschließen.

Ein professionelles Projektportfoliomanagement (und Programmmanagement) kann die Effektivität gesteigert werden, indem die für die Organisation passende Projektlandschaft entwickelt und umgesetzt wird.

Im Einzelprojektmanagement wird durch die verbesserte Effizienz Verschwendung vermieden, und somit ressourcenschonend gearbeitet.

Solche Zusammenhänge thematisieren wir auch in den von uns entwickelten Blended Learning Lehrgängen Projektmanager/in (IHK) und Projektmanager/in AGIL (IHK). Informationen dazu, und zu aktuellen Terminen, finden Sie auf unserer Lernplattform.

Von der Taylor-Wanne zur VUCA-Wanne?

Eigene Darstellung in Anlehnung an Wohland/Wiemeyer (2012)

Die Taylor-Wanne thematisiert die Entwicklung von 1900 bis heute. Zunächst dominierte die Manufaktur, die individuelle Produkte dynamisch erstellen, und somit die Komplexität (Dynamik) der Kundenanforderungen abbilden konnte. Diese Organisationsform war allerdings wenig effizient.

Der Taylorismus mit seiner Arbeitsteilung auf allen Ebenen reduzierte die Dynamik (Komplexität), um die Effizienz bei der Herstellung von Produkten und Dienstleistungen zu erzielen. Dabei ist allerdings eine gewissen Trägheit entstanden ist, die zu einer geringen Anpassungsfähigkeit führt(e). Konventionelle Unternehmen arbeiten heute immer noch so.

Moderne Unternehmen/Organisationen sind vernetzt, dynamisch und passen sich den turbulenten Umfeld (VUCA oder BANI) an. Diese Art noch dynamisch-vernetze Unternehmen/Organisationen werden oft als Agile Organisationen bezeichnet. Diese Organisationen verbinden Effizienz und Dynamik mit Hilfe der Digitalisierung.

Solche Zusammenhänge thematisieren wir auch in den von uns entwickelten Blended Learning Lehrgängen Projektmanager/in (IHK) und Projektmanager/in AGIL (IHK). Informationen dazu, und zu aktuellen Terminen, finden Sie auf unserer Lernplattform.