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Ist der Maschinenbau wirklich so innovativ?

Fast jede Branche in Deutschland stellt regelmäßig durch entsprechende Veröffentlichungen dar, wie innovativ sie ist. Beispielhaft möchte ich auf die Veröffentlichung VDMA (2016): Kennzahlen zu Forschung und Innovation im Maschinenbau (PDF) eingehen. Darin wird erläutert, dass sich die FuE-Aufwendungen erhöht haben, und die Innovationen und auch die Patentanmeldungen auf einem hohen Stand seien. Bei näherer Betrachtung ist diese positive Perspektive auf den innovativen Maschinenbau leider nicht zu halten:

  • Einerseits geht es bei der Betrachtung der Innovationen hauptsächlich um Produkt- und Prozessinnovationen. Da sich die Statistiken zu Innovationen hauptsächlich auf das Oslo Manual aus dem Jahr 2005 beziehen, ist das wenig verwunderlich. Nachteilig ist diese einseitige Perspektive allerdings wenn berücksichtigt wird, dass es gerade Geschäftsmodellinnovationen sind, die die Zukunft von Branchen/Unternehmen sichert – auf soziale Innovationen bin ich hier noch gar nicht eingegangen.
  • Weiterhin wird ist auch die hohe Patentanzahl kritisch zu sehen, da die Patentstruktur eher auf die klassischen Problemlösungsmechanismen der Industriegesellschaft hinweisen. Bei Digitalisierungspatenten besteht hingegen Nachholbedarf. Es ist nicht verwunderlich, dass wir in Deutschland eher auf inkrementelle statt disruptive Innovationen setzen, doch reichen mittel- und langfristig solche mentalen Modelle in Gesellschaft und Wirtschaft nicht mehr aus, die Zukunft zu meistern.

Auf diese Zusammenhänge gehen wir auch in den von uns entwickelten Blended Learning Lehrgang Innovationsmanager (IHK) ein, der bis zum Sommer 2018 noch in Mannheim und Köln angeboten wird. Informationen zu unseren Zertifikatslehrgängen finden Sie auf unserer Lernplattform.

Innovationsatlas 2017: Die Innovationskraft deutscher Wirtschaftsräume im Vergleich

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Der Forschungsbericht IW-Analysen Nr. 117 aus dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln befasst sich mit den regionalen Unterschieden bei Innovationen in Deutschland. Berger et al. (2017): Innovationsatlas 2017: Die Innovationskraft deutscher Wirtschaftsräume im Vergleich (PDF) zeigen, dass die Innovationskraft in den verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich ist.

Bei sämtlichen Indikatoren der Innovationskraft herrschen jeweils ein starkes Süd-Nord-, West-Ost- sowie Stadt-Land-Gefälle (Seite 5).

Dabei geht die Studie von folgenden Annahmen aus:

Innovationen in Form neuer Waren und Dienstleistungen zählen zu den entscheidenden Bestimmungsgrößen für den wirtschaftlichen Erfolg von Regionen. Nur mit neuartigen Produkten lassen sich auch neue Märkte oder Marktnischen erschließen, in denen ein Unternehmen für eine bestimmte Zeit Pioniergewinne abschöpfen kann. Neue Produktionsverfahren ermöglichen es, kostengünstiger oder in einer besseren Qualität zu produzieren als die Konkurrenten (Seite 6).

… und weiter

Patente sind eine der aussagefähigsten Messgrößen für Innovationskraft, stellen sie doch die oft notwendige – wenngleich nicht hinreichende – Bedingung für erfolgreiche technologiebasierte Innovationen dar (Koppel, 2011) (Seite 45 der Studie).

Es ist erstaunlich, dass sich die Studie wohl immer noch an dem Oslo Manual aus dem Jahr 2005 orientiert, in dem für statistische Auswertungen definiert wurde, was unter Innovation zu verstehen ist. Auch dass Patente als „aussagefähige Messgröße für die Innovationskraft“ beschrieben werden, wird heute vielfach infrage gestellt. Siehe dazu beispielhaft: Die Nützlichkeit des Patentrechts stößt an Grenzen.  Auch neuere Dimensionen wie z.B. Geschäftsmodellinnovationen werden nicht erwähnt, obwohl diese in Zukunft immer wichtiger werden. Siehe dazu beispielhaft Digitalisierung hat Einfluss auf das Innovationsverständnis, Video zu Geschäftsmodellinnovationen …  Weiterhin enthalten die Statistiken keine Bottom-Up-Innovationen (User Innovation), wie sie von Eric von Hippel untersucht wurden. Er hat beispielsweise herausgefunden, dass z.B. in England bis zu 17% der Innovationen gar nicht in den Statistiken auftauchen. Sie dazu ausführlich Eric von Hippel (2016): Free Innovation.

Solche Themen besprechen wir auch in dem von uns entwickelten Blended Learning Lehrgang Innovationsmanager (IHK). Weitere Informationen zu den Zertifikats-Lehrgängen finden Sie auf unserer Lernplattform.

Adern aus dem 3D-Drucker?

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In dem Fraunhofer-Magazin weiter.vorn 1/2016 (PDF) wird in dem Artikel Adern aus dem Drucker ( S. 32-33) beschrieben, wie künstliche verzweigte Blutgefäße aus neuartigen Materialien mit Hilfe von 3D-Druckverfahren hergestellt werden:

Herkömmliche künstliche Hautmodelle bestehen meist aus den beiden obersten Schichten der Haut. Ein internationales Forscherteam entwickelte ein dreilagiges Vollhautmodell aus Unterhautfett, Dermis und Epidermis. Ein Schlüssel zum Erfolg: Den Experten gelang es mit einem 3D-Druckverfahren, künstliche verzweigte Blutgefäße aus neuartigen Materialien herzustellen.

Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie schnell die neuen Möglichkeiten von 3D-Druck bzw. Additive Manufacturing angewendet werden. Neben der Verbesserung von aktuellen Verfahren werden 3D-Druck und Additive Manufacturing auch Geschäftsmodelle in allen Branchen verändern. Solche Zusammenhänge besprechen wir auch in dem von uns entwickelten Blended Learning Lehrgang Innovationsmanager (IHK). Informationen dazu finden Sie auf unserer Lernplattform.

Video zu Geschäftsmodellinnovationen

Oft werden Innovationen mit Produkten (Produktinnovationen), Dienstleistungen (Serviceinnovationen) oder Prozessen (Prozessinnovationen in Verbindung gebracht. Darüber hinaus stellen auch Soziale Innovationen und Geschäftsmodellinnovationen wichtige Erweiterungen für den Innovationsbegriff dar. Das folgende Video gibt zu Geschäftsmodellinnovationen einen sehr schönen Einblick (Danke an Marcel Beisel, der mich darauf aufmerksam gemacht hat):