Warum ist es so schwierig, Experten-Wissen zu teilen?

In dem Beitrag If HP knew what HP knows, we would be three times as profitable hatte ich schon einmal darauf hingewiesen, dass der Umgang mit Wissen im Allgemeinen in Unternehmen nicht so einfach ist. Betrachten wir speziell noch das Wissen von Experten, also deren Expertise, so wird deutlich, dass es sehr schwierig ist, dieses Experten-Wissen zu teilen, oder sogar zu übertragen. Dazu habe ich folgende Begründung gefunden:

„One set of limitations on sharing expertise is cognitive, that is, the way experts store and process information may make it difficult for them to share that expertise with others regardless of whether or not they are motivated to do so.

Another cognitive problem in transferring knowledge is the challenge of articulating knowledge that is tacit rather than explicit.

Another problem in asking experts to articulate knowledge is that knowledge is embedded and difficult to extract from the particular situation or environment (Brown and Dunguid 1998; Hansen 1999; Lave and Wenger 1991.“

Quelle: Hinds, P. J.; Pfeffer, J. (2003), in: Ackerman, M. S.; Pipek, V.; Wulf, V. (2003) (Eds.).

Auch in Zeiten von Künstlicher Intelligenz sollten wir uns die Frage stellen, welches Experten-Niveau hier erreicht werden kann. Siehe dazu auch

KI und Arbeitsmarkt: Interessante Erkenntnisse aus einer aktuellen, belastbaren wissenschaftlichen Studie

Wissensmanagement und Expertise (Expertenwissen teilen)

If HP knew what HP knows, we would be three times as profitable

In den Unternehmen ist häufig folgender Satz zu hören: „Wenn X wüsste, was X weiß“. Doch woher stammt dieser Satz? Beim Recherchieren fällt auf, dass dieser Satz ganz allgemein HP (Hewlett-Packard) zugeschrieben wird. Genauer gesagt, soll der CEO Lew Platt folgenden Satz formuliert haben: „If HP knew what HP knows, we would be three times as profitable” (vgl. Davenport/Prusak 1998:xii; see also O’Dell/Grayson 1998, zitiert in Hinds/Peffer 2003:3). Um auch noch die letzten Zweifler zu beruhigen, hier noch die genaue Quelle: Hinds, P. J.; Pfeffer, J. (2003): Why Organizations Don’t “Know What They Know”: Cognitive and Motivational Factors Affecting the Transfer of Expertise. In: Ackerman, M. S.; Pipek, V.; Wulf, V. (2003) (Eds.): Sharing Expertise. Beyond Knowledge Management, pp. 3-26. Interessant ist, dass es Lew Platt gar nicht alleine darum ging auf das Nicht-Wissen hinzuweisen – das alleine verkürzt das Zitat unangemessen. Der CEO verknüpft das Nicht-Wissen zusätzlich mit einer Renditeperspektive, die schon erstaunlich ist. Lew Platt vermutet, dass HP dreimal so profitabel wäre, wenn das Unternehmen wüsste, was es weiß. Es sollte Organisationen zu denken geben, immer nur von Wissen zu sprechen, ohne es angemessen zu entwickeln.