Biologische Intelligenz – Intelligenz-Quotient (IQ) – Soziale Intelligenz

Eigene Darstellung nach Eysenck (2004)

In der heutigen Intelligenzdiskussion gibt es viele Facetten. Eine davon ist beispielsweise der Vergleich von Künstlicher Intelligenz mit dem Intelligenz-Quotienten (IQ). Dass dieser Vergleich möglicherweise ein Kategorienfehler ist, hatte ich schon in dem Beitrag Künstliche Intelligenz – Menschliche Kompetenzen: Anmerkungen zu möglichen Kategorienfehler erläutert.

In diesem Blogbeitrag möchte ich nun die Überlegungen für einen Intelligenz-Quotienten (IQ) und mögliche Kritikpunkte daran erläutern.

Wie der Abbildung zu entnehmen ist, bezieht sich der Intelligenz-Quotient (IQ), der als Psychometrische Intelligenz bezeichnet werden kann, auch darauf, dass diese aus der Biologischen Intelligenz hervorgeht. Eysenck, ein Vertreter der Psychometrischen Intelligenz, deutet damit auf den biologischen Charakter und den in den menschlichen Genen vorgegebenen Teil von Intelligenz hin. Der von der Psychometrischen Intelligenz verwendete Intelligenzbegriff basiert konsequenterweise auf diesen Annahmen:

„Unser Begriff „Intelligenz“ leitet sich von den lateinischen Wörtern intelligentia und ingenium her. Jenes bedeutet in Ciceros Verwendungsweise in etwa „Begreifen“ und „Wissen“, dieses soviel wie „natürliche Veranlagung“ oder Begabung“. Die zwei Bedeutungskomponenten sind dem Begriff „Intelligenz“ bis heute eigen geblieben“ (Eysenck 2004).

Eine Erweiterung der Psychometrischen Intelligenz (IQ) in Richtung einer Sozialen Intelligenz lehnt Eysenck kategorisch ab, und begründet das wie folgt: „Das Konzept der sozialen oder praktischen Intelligenz ist eindeutig viel zu komplex, als dass es irgendeinen wissenschaftlichen Wert haben könnte; zum Wesen der Wissenschaft gehört es ja auch und gerade, komplexe Konzepte auf einfache, elementarere zu reduzieren“ (Eysenck 2004). Die Vereinfachung komplexer Sachverhalte ist heute allerdings unangemessen.

Im Gegensatz dazu gibt es immer mehr Hinweise darauf, Intelligenz weniger reduktionistisch und besser als komplexes System zu verstehen, was eine deutlich bessere Passung mit dem heute üblichen Umgang mit Komplexität haben würde. Intelligenz-Theorien, die so einem Anspruch gerecht werden, sind:

„Die Triarchische Theorie (vgl. Sternberg 1985a/1985b) und die Multiple Intelligenzen Theorie (vgl. Gardner 1983/1993) scheinen geeignet zu sein, wenn es um eine notwendige Erweiterung des Intelligenzbegriffs geht (vgl. Siebert/Seidel 2000:48), da beide Theorien als Systemmodelle bezeichnet werden können, die „auch externe Aspekte des Erlebens und Denkens [mit einbeziehen, und] (…) Intelligenz als komplexes System betrachten“ (Schulze et al. 2006:15)“ (zitiert in Freund 2011).

Siehe dazu etwas ausführlicher Intelligenztheorie: Anmerkungen zu Sternbergs Triarchischen Theorie und Gardners Multiple Intelligenzen Theorie.

Es ist ein Irrtum anzunehmen, Intelligenz sei zwangsläufig bewusst und hänge nur mit Überlegung zusammen

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In verschiedenen Beiträgen hatte ich schon ausgeführt, dass es am Konstrukt der Messbarkeit der Intelligenz in Form eines Intelligenz-Quotienten (IQ) schon lange Kritik gibt.

In Zeiten von Künstlicher Intelligenz führt der Ansatz eines IQ in der Zwischenzeit zu verschiedenen „Stilblüten“: Beispielsweise hat das OpenAI Model „o1“ einen IQ von 120 – ein Kategorienfehler?

Das Intelligenz-Konstrukt sollte sich in einer immer komplexeren Umwelt weiterentwickeln, um wieder eine bessere Passung zur gesellschaftlichen Entwicklung zu haben. Siehe dazu Intelligenz-Quotient (IQ) aus Sicht der Komplexitätsforschung. Gigerenzer (2007) hat in seinem Buch Bauchentscheidung noch folgenden Aspekt in die Diskussion um die Messbarkeit von Intelligenz eingebracht:

Es ist ein Irrtum anzunehmen, Intelligenz sei zwangsläufig bewusst und hänge nur mit Überlegung zusammen. (…) Doch diese Auffassung ist nicht totzukriegen. Sogar wenn es um emotionale Intelligenz geht, herrscht noch die Ansicht vor, man könne sie messen, indem man Fragen stellt, die das deklarative Wissen betreffen. Beispielsweise forderte man die Befragten auf, sich in Bezug auf die Aussage »Ich weiß, warum meine Gefühle sich verändern« selbst einzustufen (siehe Matthews et al. 2004). Dem liegt die Überzeugung zugrunde, dass Menschen in der Lage und bereit sind mitzuteilen, wie ihre Intelligenz funktioniert. Im Gegensatz dazu zeigten die einflussreichen Untersuchungen von Nisbett und Wilson (1977), dass wir häufig keinen introspektiven Zugriff auf die Gründe unserer Urteile und Gefühle haben. Die Forschung zum impliziten Lernen beschäftigt sich mit Lernvorgängen, die unabsichtlich und unbewusst stattfinden (Lieberman 2000; Shanks 2005)“ (Gigerenzer 2007).

Wenn etwas nicht messbar ist, wird es eben messbar gemacht. Getreu dem bekannten Management-Spruch: „If you can not measure it, you can not manage it“. Die Frage stellt sich heute natürlich: Stimmt das Mantra denn noch ? Denn es wird in vielen Bereichen immer deutlicher, dass Kennzahlen eine risikoreiche Reduzierung der Komplexität darstellen können. Siehe dazu auch

Die Messbarmachung der Intelligenz: Ein Phänomen der Industrialisierung?

Künstliche Intelligenz und Menschliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz – ein Kategorienfehler?

Sind wir nicht intelligent genug, um zu wissen, was Intelligenz ist?

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Der Intelligenz-Begriff wird schon fast inflationär verwendet. Es geht um „intelligente Produkte“, „Künstliche Intelligenz“, und im Zusammenhang mit Menschen um einen scheinbar messbaren Intelligenz-Quotienten (IQ).

Dass die Messbarmachung der Intelligenz in Zeiten von Künstlicher Intelligenz tückisch sein kann, habe ich in dem Beitrag OpenAI Model „o1“ hat einen IQ von 120 – ein Kategorienfehler? erläutert. Hans Markus Enzensberger hat sich auch mit der IQ-Messung intensiv befasst, und ist zu folgendem Schluss gekommen:

Enzensberger: (…) Das ist genauso ein heikles Wort, kernprägnant und randunscharf, wie „Intelligenz“. Ich habe mich mit Fragen der IQ-Messung beschäftigt. Die Quantifizierung des IQ ist schwierig. Wir sind einfach nicht intelligent genug, um zu wissen, was Intelligenz ist. Als weitere Falle kommt die Subjektivität hinzu. Intelligenztests messen das, was der Tester darunter versteht. Ein Indio aus dem Amazonas wird dabei ebenso schlecht abschneiden wie umgekehrt ein Psychologe, wenn er sich im Regenwald einer Prüfung seiner Fähigkeiten unterzieht“ (Pöppel/Wagner 2012:91).

Es kommt somit darauf an, was wir unter „Intelligenz“ verstehen (wollen). Es ist eine Annahme, ein Konstrukt, das zu der Lebenswirklichkeit dann eine Passung hat – oder eben nicht.

Es scheint so, dass die Bestimmung (Messung) eines Intelligenz-Quotienten in dem Umfeld einer Industriegesellschaft geeignet war. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Umfeld allerdings sehr dynamisch verändert, sodass sich möglicherweise auch das Intelligenz-Verständnis erweitern sollte, damit es wieder eine bessere Passung zum komplexen Umfeld mit seiner Lebenswirklichkeit hat.

Meines Erachtens kann es daher Sinn machen, das Verständnis der Menschlichen Intelligenz im Sinne von Multiplen Intelligenzen nach Howard Gardner zu erweitern – auch in Bezug zur Künstlichen Intelligenz. Siehe dazu auch 

Künstliche Intelligenz – Menschliche Kompetenzen: Anmerkungen zu möglichen Kategorienfehler

Über den Unsinn von Intelligenztests

Freund, R. (2011): Das Konzept der Multiplen Kompetenz auf den Analyseebenen Individuum, Gruppe, Organisation und Netzwerk.

Mass Intelligence: Wenn mehr als 1 Mrd. Menschen Zugang zu leistungsfähiger KI haben

Conceptual technology illustration of artificial intelligence. Abstract futuristic background

Wenn wir uns die Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz in der letzten Zeit ansehen, so fällt auf, dass es mehrere Trends gibt.

Neben den dominierenden wenigen großen Large Language Models (LLMs) der Tech-Konzerne gibt es immer mehr kleine Modelle (Small Language Models), die je nach Anwendungsfall ausgewählt werden können. Solche SLM sind flexibler, kostengünstiger und in bestimmten Bereichen sogar besser. Siehe dazu auch KI-Modelle: Von „One Size Fits All“ über Variantenvielfalt in die Komplexitätsfalle?

Weiterhin wird für solche Problemlösungen auch viel weniger Energie benötigt, was die weltweiten, aber auch die unternehmensspezifischen Ressourcen/Kosten schont, Siehe dazu auch Künstliche Intelligenz: Das menschliche Gehirn benötigt maximal 30 Watt für komplexe Problemlösungen.

Darüber hinaus gibt es auch immer mehr leistungsfähige Open Source KI-Modelle, die jedem zur Verfügung stehen, und beispielsweise eher europäischen Werten entsprechen. Siehe dazu auch Das Kontinuum zwischen Closed Source AI und Open Source AI

Wenn also in Zukunft mehr als 1 Milliarde Menschen Künstliche Intelligenz nutzen, stellt sich gleich die Frage, wie Unternehmen damit umgehen. Immerhin war es üblich, dass so eine Art der intelligenten komplexen Problemlösung bisher nur spärlich – und dazu auch noch teuer – zur Verfügung stand.

Nun werden Milliarden von einzelnen Personen die Möglichkeit haben, mit geringen Mitteln komplexe Problemlösungen selbst durchzuführen. Prof. Ethan Mollick nennt dieses Phänomen in einem Blogbeitrag Mass Intelligence.

„The AI companies (whether you believe their commitments to safety or not) seem to be as unable to absorb all of this as the rest of us are. When a billion people have access to advanced AI, we’ve entered what we might call the era of Mass Intelligence. Every institution we have — schools, hospitals, courts, companies, governments — was built for a world where intelligence was scarce and expensive. Now every profession, every institution, every community has to figure out how to thrive with Mass Intelligence“ (Mollick, E. (2025): Mass Intelligence, 25.08.2025).

Ich bin sehr gespannt, ob sich die meisten Menschen an den proprietären großen KI-Modellen der Tech-Konzerne orientieren werden, oder ob es auch einen größeren Trend gibt, sich mit KI-Modellen weniger abhängig zu machen – ganz im Sinne einer Digitalen Souveränität.

Mit Künstlicher Intelligenz zu Innovationen – aber wie?

Wenn es um Innovationen geht, denken viele an bahnbrechende Erfindungen (Inventionen), die dann im Markt umgesetzt, und dadurch zu Innovationen werden.. Da solche Innovationen oft grundlegende Marktstrukturen verändern, werden diese Innovationen mit dem Begriff „disruptiv“ charakterisiert. Siehe dazu auch Disruptive Innovation in der Kritik.

Betrachten wir uns allerdings die Mehrzahl von Innovationen etwas genauer, so entstehen diese hauptsächlich aus der Neukombination von bestehenden Konzepten. Dazu habe ich auch eine entsprechende Quelle gefunden, die das noch einmal unterstreicht.

„New ideas do not come from the ether; they are based on existing concepts. Innovation scholars have long pointed to the importance of recombination of existing ideas. Breakthrough often happen, when people connect distant, seemingly unrelated ideas“ (Mollick 2024).

Bei Innovationsprozessen wurden schon in der Vergangenheit immer mehr digitale Tools eingesetzt. Heute allerdings haben wir mit Künstlicher Intelligenz (GenAI) ganz andere Möglichkeiten, Neukombinationen zu entdecken und diese zu Innovationen werden zu lassen.

Dabei kommt es natürlich darauf an, welche Modelle (Large Language Models, Small Language Models, Closed Sourced Models, Open Weighted Models, Open Source Models) genutzt werden.

Wir favorisieren nicht die GenAI Modelle der bekannten Tech-Unternehmen, sondern offene, transparente und für alle frei zugängige Modelle, um daraus dann Innovationen für Menschen zu generieren.

Wir setzen diese Gedanken auf unseren Servern mit Hilfe geeigneter Open Source Tools und Open Source Modellen um:

LocalAI: Open EuroLLM: Ein Modell Made in Europe – eingebunden in unsere LocalAI

Ollama und Langflow: Ollama: AI Agenten mit verschiedenen Open Source Modellen entwickeln

Dabei bleiben alle Daten auf unseren Servern – ganz im Sinne einer Digitalen Souveränität.

Den Gedanken, dass Künstliche Intelligenz (Cognitive Computing) Innovationen (hier: Open Innovation) unterstützen kann, habe ich schon 2015 auf der Weltkonferenz in Montreal (Kanada) in einer Special Keynote vorgestellt.

Siehe dazu Freund, R. (2016): Cognitive Computing and Managing Complexity in Open Innovation Model. Bellemare, J., Carrier, S., Piller, F. T. (Eds.): Managing Complexity. Proceedings of the 8th World Conference on Mass Customization, Personalization, and Co-Creation (MCPC 2015), Montreal, Canada, October 20th-22th, 2015, pp. 249-262 | Springer

Emotionale Intelligenz und Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz

Wenn es um Künstliche Intelligenz geht, kommt auch immer öfter der Hinweis auf, dass Emotionale Intelligenz immer wichtiger wird. In dem Blogbeitrag AI City und Emotionale Intelligenz wird beispielsweise auf den Zusammenhang mit AI Citys verwiesen:

“For a smart city, having only “IQ” (intelligence quotient) is not enough; “EQ” (emotional quotient) is equally essential. (…) the emotions of citizen communities …“

Hier wird also vorgeschlagen, neben dem Intelligenz-Quotienten (IQ) noch einen Emotionalen Quotienten (EQ) bei der Betrachtung zu berücksichtigen.

Doch was verstehen wir unter „Emotionale Intelligenz“?

Ich beziehe mich hier auf eine Beschreibung von Salovay und Mayer, und bewusst nicht auf den populären Ansatz von Goleman:

“Emotional intelligence is a type of social intelligence that involves the ability to monitor one’s own and others’ emotions to discriminate among them, and to use the information to guide one’s thinking and actions (Salovey & Mayer 1990)”, cited in Mayer/Salovay 1993, p. 433).

Die Autoren sehen also Emotionale Intelligenz als Teil einer Sozialen Intelligenz. Spannend ist weiterhin, dass Mayer und Salovay ganz bewusst einen Bezug zur Multiplen Intelligenzen Theorie von Howard Gardner herstellen. Siehe Emotionale Intelligenz: Ursprung und der Bezug zu Multiplen Intelligenzen.

Betrachten wir nun Menschen und AI Agenten im Zusammenspiel, so muss geklärt werden, woran AI Agenten (bisher) bei Entscheidungen scheitern. Dazu habe ich folgenden Text gefunden:

“AI agents don’t fail because they’re weak at logic or memory. They fail because they’re missing the “L3” regions — the emotional, contextual, and motivational layers that guide human decisions every second” (Bornet 2025 via LinkedIn).

Auch Daniel Goleman, der den Begriff „Emotionale Intelligenz“ populär gemacht hat, beschreibt den Zusammenhang von Emotionaler Intelligenz und Künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz, und weist auf die erforderliche Anpassungsfähigkeit (Adaptability) hin:

Adaptability: This may be the key Ei competence in becoming part of an AI workplace. Along with emotional balance, our adaptability lets us adjust to any massive transformation. The AI future will be different from the present in ways we can’t know in advance“ (EI in the Age of AI, Goleman via LinkedIn, 30.10.2025).

Was mir allerdings an der Formulierung nicht gefällt ist der Begriff „Ei competence“, denn Intelligenz und Kompetenz sind durchaus unterschiedlich. Siehe dazu Künstliche Intelligenz – Menschliche Kompetenzen: Anmerkungen zu möglichen Kategorienfehler.

Anmerkungen zu Closed-minded und Open-minded

Speech bubbles, blank boards and signs held by voters with freedom of democracy and opinion. The review, say and voice of people in public news adds good comments to a diverse group.

In der aktuellen gesellschaftlichen Gesamtsituation habe ich manchmal den Eindruck, dass sich eine gewisse Engstirnigkeit in den Diskussionen verfestigt. Möglicherweise hat so ein Closed-minded auch etwas mit der Altersstruktur in Deutschland zu tun. Es ist ein geflügelter Spruch, dass Menschen wohl im Alter engstirniger werden.

Wenn jeder Einzelne, jede gesellschaftliche Gruppe (Landwirte, Mitarbeiter bei der Bahn oder im Gesundheitswesen usw.) nur auf sich schaut, kann es nur zu „Verteilungskämpfen“ kommen, die zu Lasten derer geht, die keine Lobby haben.

Nutzen wir lieber diese ganze Energie für ein soziales Miteinander, bei dem die staatlichen Regeln und Gesetze natürlich eingehalten werden müssen. Dazu gehört auch eine gewisse Offenheit gegenüber anderen Ideen, Meinungen und Ansichten, obwohl man nicht immer mit diesen übereinstimmt. So ein Open-minded kann wie folgt charakterisiert werden:

„As a first pass at a definition, we might say that open mindedness, in its most general sense, is characterized by epistemic humility and adherence to a general ideal of intellectual honesty (…) Having an open mind involves, among other things, a specific way of being noncommittal with respect to the truth of a theoretical claim or proposition“ (T. Metzinger & J. M. Windt (Eds). Open MIND: 0(I). Frankfurt am Main: MIND Group. doi: 10.15502/9783958571037).

Es geht also um eine „epistemische (erkenntnisbezogene) Bescheidenheit und das Festhalten an einem allgemeinen Ideal intellektueller Ehrlichkeit“ was wiederum bedeutet, „sich in Bezug auf die Wahrheit einer theoretischen Behauptung oder eines Vorschlags unverbindlich zu verhalten“. Siehe dazu auch

Wie hängen Pessimismus und Fixed Mindset zusammen?

Wesentliche Eigenschaften eines Growth Mindset

Anmerkungen zu Growth Mindset, Intelligenz und Kompetenz

Mindset: Ein oft verwendeter Begriff etwas genauer betrachtet

KI und Arbeitsmarkt: Interessante Erkenntnisse aus einer aktuellen, belastbaren wissenschaftlichen Studie

Wenn es darum geht, die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz auf den Arbeitsmarkt zu prognostizieren, kommt es – wie immer – darauf an, wen man fragt.

Die eher technikorientierten Unternehmen verkaufen die angestrebte AGI (Artificial General Intelligence) als das non plus ultra der Intelligenzentwicklung. Dabei prognostizieren diese Unternehmen, dass AGI den menschlichen Fähigkeiten (Intelligenzen) überlegen sein wird. Daraus folgt zwingend, dass KI wohl alle arbeitsbezogenen Tätigkeiten in der nahen Zukunft übernehmen kann. Diese Argumentation erinnert mich an so viele Versprechen der Technik-Unternehmen; beispielsweise an die Unsinkbarkeit der Titanic oder die „100%-ige“ Sicherheit von Kernkraftwerken, oder an die Verheißungen der Internetpioniere. Technologie muss wohl in dieser Form verkauft werden (Storytelling) – immerhin geht es ja um Investoren und sehr viel Geld. Ich weiß natürlich, dass diese Vergleiche „hinken“, dennoch …

Betrachten wir Künstliche Intelligenz mit seinen Möglichkeiten aus der eher gesamtgesellschaftlichen Perspektive, so sieht das etwas anders aus. Hier geht es darum, mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz gesellschaftliche Probleme zu lösen, zum Wohle aller. Die Idee der japanischen Society 5.0 kommt diesem Anspruch sehr nahe. Da ich darüber schon verschiedene Blogbeiträge veröffentlich habe, gehe ich darauf nicht weiter ein. Siehe dazu beispielhaft Worin unterscheiden sich Industry 5.0 und Society 5.0?

Wie ist es dennoch möglich herauszufinden, wie sich Künstliche Intelligenz auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar macht, bzw. machen wird?

Als Leser unseres Blogs wissen Sie, dass ich bei solchen Fragestellungen immer dazu tendiere, belastbare wissenschaftliche Studien von unabhängigen Forschern heranzuziehen. Eine dieser Studie ist folgende. Darin sind sehr ausführlich Vorgehensweise, Datenanalysen und Erkenntnisse dargestellt, mit einer zu beachtenden Einschränkung: Es geht um den amerikanischen Arbeitsmarkt.

„First, we find substantial declines in employment for early-career workers in occupations most exposed to AI, such as software development and customer support.

Second, we show that economy-wide employment continues to grow, but employment growth for young workers has been stagnant.

Third, entry-level employment has declined in applications of AI that automate work, with muted effects for those that augment it.

Fourth, these employment declines remain after conditioning on firm-time effects, with a 13% relative employment decline for young workers in the most exposed occupations

Fifth, these labor market adjustments are more visible in employment than in compensation.

Sixth, we find that these patterns hold in occupations unaffected by remote work and across various alternative sample constructions“

Source: Brynjolfsson et al. (2025): Canaries in the Coal Mine? Six Facts about the Recent Employment Effects of Artificial Intelligence | PDF

Herausheben möchte ich hier, dass gerade junge Menschen, die in den Arbeitsmarkt kommen und noch keine domänenspezifische Expertise entwickeln konnten, von Künstlicher Intelligenz betroffen sind. Das ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert.

Einerseits scheint Expertise nicht so leicht durch KI ersetzbar zu sein, was wiederum für erfahrene, auch ältere Mitarbeiter spricht. Diese sollten natürlich Künstliche Intelligenz nutzen und nicht ablehnen.

Weiterhin sind es ja gerade junge Menschen, die in ihren Jobs mit Digitalisierung und auch mit Künstlicher Intelligenz arbeiten möchten. Die Innovation „Künstliche Intelligenz“ kann anhand der genannten Effekte durchaus als reflexiv angesehen werden. Siehe dazu auch  Freund, R.; Chatzopoulos, C.; Lalic, D. (2011): Reflexive Open Innovation in Central Europe.

Künstliche Intelligenz: Halluzinationen und der Bullshit-Faktor – eine Art Künstliche Dummheit?

Wenn es um Menschliche Intelligenz geht, sprechen wir auch oft über die scheinbare Menschliche Dummheit. In meinen Blogbeiträgen Reden wir über Dummheit und Steckt hinter der Künstlichen Intelligenz keine echte Intelligenz? Wie ist das zu verstehen? bin ich auf das Thema eingegangen. Weiterhin finden sich in der Rezension Ina Rösing: Intelligenz und Dummheit weitere interessante Anmerkungen.

Im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz könnte man natürlich auch über eine Art Künstliche Dummheit nachdenken. Wie schon länger bekannt, stellen beispielsweise Halluzinationen und falsche Antworten ein nicht zu vernachlässigendes Phänomen dar. Darüber hinaus gibt es allerdings auch noch eine Art Bullshit-Faktor. Es geht dabei um die Missachtung der Wahrheit in großen Sprachmodellen. Genau diesen Aspekt haben sich verschiedene Forscher der Princeton University einmal genauer angesehen und ein interessantes Paper dazu veröffentlicht:

Liang et al. (2025): Machine Bullshit: Characterizing the Emergent Disregard for Truth in Large Language Models | PDF

Es stellt sich hier natürlich die Frage, wie sich Halluzination und der genannte Bullshit-Faktor unterscheiden. Dazu habe ich folgendes gefunden:

„Daher gebe es auch einen entscheidenden Unterschied zwischen Halluzinationen und dem, was er als „Bullshit“ bezeichnet – und der liegt in der internen Überzeugung des Systems. Wenn ein Sprachmodell halluziniert, ist es nicht mehr in der Lage, korrekte Antworten zu erzeugen. „Beim Bullshit hingegen ist das Problem nicht Verwirrung über die Wahrheit, sondern eine fehlende Verpflichtung, die Wahrheit zu berichten“ (t3n vom 21.08.2025).

Interessant finde ich, dass die Forscher wohl auch eine erste Möglichkeit gefunden haben, um diesen Bullshit-Faktor zu überprüfen. Gut wäre es natürlich, wenn die Ergebnisse dann allen zur Verfügung stehen würden. Gespannt bin ich besonders darauf, wie Open Source AI Modelle abschneiden.

Wie hängen Pessimismus und Fixed Mindset zusammen?

Wir kennen in unserem Umfeld viele Personen, die in bestimmten Situationen – oder auch generell – eher pessimistisch, bzw. optimistisch reagieren. Zwischen den beiden Polen gibt es möglicherweise ein Kontinuum, sodass diese Dichotomie etwas kritisch zu sehen ist.

Dennoch: Es gibt durchaus Personen, die sich als überwiegend pessimistisch – also als Pessimist – sehen, und das als grundlegende Eigenschaft ihrer Persönlichkeit einordnen. Das das ein Fehler sein kann, erläutert Prof. Dr. Florian Bauer:

„Das ist ein Fehler. Dies nennt man „Fixed Mindset“. Jemand mit einem Fixed Mindset ist beispielsweise tief überzeugt, dass er einfach nicht geschäftlich verhandeln kann. Diese negative Erwartung ist ein Grund, weshalb seine Verhandlungen wirklich misslingen. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Und nach jedem Misserfolg wird der Glaube bestärkt, dass man an dem Problem nichts ändern kann …“ (Bauer 2025, in projektmanagementaktuelle 2/2025).

Diese grundlegende Einstellung „Man kann ja eh nichts machen …“ geht indirekt darauf zurück, dass Veränderungen kaum möglich sind, ja sogar der „eigenen Natur“ widersprechen. So, oder so ähnliche, Einschätzungen gabe es auch schon einmal bei der frühen Diskussion um den Begriff „Intelligenz“.

Besser ist es, eher optimistisch zu sein und von einem Growth Mindset auszugehen. Diese Einstellung führt oftmals zu einer Verstärkung positiver Aspekte und letztendlich zu positiven Ergebnissen. Siehe dazu auch

Wesentliche Eigenschaften eines Growth Mindset

Anmerkungen zu Growth Mindset, Intelligenz und Kompetenz

Mindset: Ein oft verwendeter Begriff etwas genauer betrachtet