Wir haben uns in den letzten Jahren an die vielen Übersetzungsmöglichkeiten gewohnt, die die proprietären KI-Anbieter (Closed Models) anbieten. Es ist bequem, schnell und oft auch treffend in der jeweiligen Übersetzung.
Dennoch gibt es immer mehr Entwicklungen zu europäischen, nationalen oder sogar regionalen KI-Modellen, die die sprachlichen Besonderheiten und deren kulturellen Kontext besser berücksichtigen.
In einer Open Street Map habe ich viele dieser Modelle in einer Europa-Karte zusammengetragen und mit dem entsprechenden Links versehen.
Dieser Trend ist nicht alleine in Europa, sondern weltweit zu erkennen. Damit Übersetzungen in Europa vertrauenswürdig sind, hat die Europäische Union eTranslate zur Verfügung gestellt. Das System können schon sehr viele Organisationen, und auch Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) nutzen – Privatpersonen leider noch nicht.
„eTranslation is currently available to EU institutions, national public administrations, local and regional authorities, small and medium-sized enterprises, academia, non-governmental organisations, and Digital Europe Programme (DEP) projects, in the European Union and in countries affiliated with DEP. EPSO candidates can also use eTranslation during the recruitment process“ (eTranslation, 07.09.2026).
Ich halte das Angebot für einen wichtigen Schritt zu mehr Digitaler Souveränität in der Europäischen Union. Auf der MCP-Konferenz 2026, vom 16.-19.09.2026 in Balatonfüred (Ungarn) gehe ich mit zwei Präsentationen auf solche Themen ein.
Wenn wir mit KI-Systemen (AI Systems) arbeiten, stellt sich immer wieder die Frage, ob man diesem oder jenem Modell vertrauen kann – immerhin geben viele Privatpersonen, oder auch Unternehmen den KI-Systemen auch persönliche, bzw. unternehmensspezifische Daten.
Was machen diese KI-Systeme mit unseren Daten?
Die allgemein bekannten und vielfach genutzten proprietäten KI-Systeme von OpenAI, Meta, Alphabet, X, Anthropic usw. sind bei dieser Frage wenig transparent. Solche geschlossenen Systeme (Closed Models) gehen davon aus, dass der Nutzer diesen Unternehmen einfach so vertraut.
Doch wenn wir uns so manche Äußerungen von den „Gesichtern der Unternehmen“ (Musk, Altman, Zuckerberg usw.) ansehen oder anhören wird deutlich, dass das möglicherweise hinter den KI-Systemen liegende Mindset nicht den eigenen Vorstellungen entspricht. Siehe dazu Digitale Souveränität: Europa, USA und China im Vergleich.
Um auf das Vertrauen in KI-Systeme weiter eingehen zu können, müssen wir natürlich erst einmal klären, was unter Vertrauen zu verstehen ist. Hier zwei Beschreibungen mit ähnlicher Perspektive:
Vertrauen ist dabei ein Mechanismus, der es ermöglicht, auf einen Teil der Kontrolle zu verzichten, und der die Bereitschaft erhöht, ein Risiko einzugehen (Giddens 1995, 1997, Luhmann 2000).
Vertrauen als Fähigkeit, soziale Beziehungen in Situationen der Ungewissheit und Mehrdeutigkeit (temporär) zu stabilisieren (vgl. Weick, 1995).
In einer Metapher beschrieben Thomas et al. (2025) die Situation zwischen einem Nutzer und dem KI-System mit einem Glas, das eine undefinierbare trübe Flüssigkeit enthält. Würden Sie diese Flüssigkeit trinken? Wahrscheinlich eher nicht, da man ja nicht weiss, was für eine Flüssigkeit im Glas ist.
Ähnlichkeiten zu dieser Situation sehen die Forscher im Umgang mit Daten und der Nutzung von KI-Systemen (Closed Models) in den Unternehmen – immerhin sind Daten eine der wichtigsten Assets in einer Organisation.
Step 1: It All Starts with Trust „Think about it: the glass is opaque, you can’t even see inside it! The water inside that glass could pure spring water, but it could also be cloudy and murky puddle water, or even contaminated water! If you couldn’t see inside that glass, would you still drink what’s inside it after adding tons of high-quality sugar and lemon to it? Probably not, so why would you do this with one of your company’s most previous assets—your data?“ (Thomas et al. 2025).
Diese Erkenntnisse führen zwangsläufig zu den Frage, wie man die Vertrauenswürdigkeit von KI-Systemen bestimmen kann, ohne den Marketingtexten der bekannten KI-Systemen glauben zu müssen? Es muss sich eine neutrale Institution mit der Frage befassen. Dazu gibt es auch schon Initiativen. Eine davon kommt von der IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers), die in ihrer Standards Association (SA) einen ersten Entwurf entwickelt hat:
„IEEE P8000.1: IEEE Draft Standard for a Method and Criteria to Assess the Trustworthiness of Artificial Intelligence (AI) Systems“ (IEEE).
https://standards.ieee.org/ieee/8000.1/12593/
Ich bin gespannt, wie sich dieser internationale Standard weiterentwickelt und welche Kriterien zur Bestimmung der Vertrauenswürdigkeit von KI-Systemen am Ende herauskommen. Siehe dazu auch MISSION KI: Wie vertrauenswürdig sind KI-Modelle?
Wir sind der Meinung, dass es aktuell durchaus vertrauenswürdige KI-Systeme in Europa gibt. Vertrauen hängt sehr stark mit Transparenz zusammen. In der von uns erstellten Open Streep Map zu solchen Open Source KI-Systemen aus Europa können Sie sich ein Bild davon machen.
W Social – ein europäischer Konkurrent zu „X“ – ist am 17.06.2026 in einer Public Beta Version gestartet. Das Logo besteht aus einem W, das sich aus zwei V zusammensetzt. „Dabei steht nach Angaben von W Social das W für Wir, und die zwei V für Values, also Werte, und für Verifiziert“ (Wikipedia).
„We are building W – a social media platform made in Europe, for the world. Governed by European law, data hosted on European infrastructure, and designed for conversations among humans around the world“ (W Social Website).
Interessenten können nun bei W Social einen Zugang beantragen. Genau das habe ich gestern gemacht. Dazu musste ich meine E-Mail eingeben, einen User Namen und das Land auswählen. Danach habe ich die Bestätigung erhalten (nächste Abbildung) und warte nun ab, wie es weitergeht. Ich bin gespannt darauf, wie ich Beiträge in W Social posten und teilen kann.
Bestätigung nach der Beantragung des Zugangs
Insgesamt ist es eine gute Entwicklung, eine europäische Variante der bekannten Sozialen Medien zu haben. Eine Variante, die die europäischen Werte (Value) berücksichtigt und bei der auch klar ist, wer hinter den Beiträgen steckt (Verify).
Es wird spannend sein zu sehen, wie sich W Social in den nächsten Monaten entwickeln wird, denn eines ist auch klar: Durch die starke Nutzung der bekannten Social Media Kanäle über die letzten Jahre, ist auch hier eine Pfadabhängigkeit der Nutzer entstanden, die es ihnen erschwert zu wechseln (Switching Costs).
Abstract structure and delineation of an AI system. Source: Fraunhofer IAIS Assessment Catalogue (2021) (MISSION AI 2025)
Es gibt Millionen von KI-Modellen bei denen manchmal nicht klar ist, ob man ihnen als Privatperson, als Unternehmen oder als Öffentliche Verwaltung trauen kann. Denn: It all starts with trust.
Wenn dem so ist, stellt sich natürlich gleich die Frage, wie Vertrauenswürdigkeit bei KI-Modellen eingeschätzt und bewertet werden kann.
Zunächst einmal muss so eine Vorgehensweise von neutralen Stellen und nicht von den Unternehmen selbst durchgeführt werden. Auch die Kriterien sollten natürlich transparent und offen sein.
Solche Initiativen gibt es seit einigen Jahren auf internationaler und nationaler Ebene. International befasst sich die IEEE 8000.1 Working Group mit der Vertrauenswürdigkeit von Künstlicher Intelligenz. In Deutschland ist es seit 2023 die MISSION AI, die ein entsprechendes Rahmenwerk entwickelt.
Beschäftigungstrend nach der Einführung von ChatGPT (Quelle: https://digitaleconomy.stanford.edu/project/indicators/)
Die Entwicklungen bei Künstlicher Intelligenz sind sehr dynamisch, sodass manche Studien schon der Realität hinterherhinken, wenn sie veröffentlicht werden. Weiterhin gibt es auch Studien, die sich mit der selben Thematik befassen, aber zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen führen. – wem kann man da vertrauen?
Es ist daher gut, das die Stanford University nun eine Plattform veröffentlicht hat, auf der viele graphische Auswertungen zu unterschiedlichen Fragestellungen zu finden sind.
„Yet we lack timely, trusted ways to measure how these changes are affecting work, productivity, and value creation in the economy. (…) We believe that a better understanding of the technology’s effects will lead to better decisions“ (Quelle)
In der Abbildung wird z.B. deutlich, wie sich der Beschäftigungstrend nach der Einführung von ChatGPT auf die verschiedenen Altersstrukturen ausgewirkt hat. Die Beschäftigungstrend geht beispielsweise für die Personen zwischen 22-25 Jahren im Vergleich zum November 2022 zurück.
Wie die proprietären KI-Modelle wie ChatGPT, Gemini, Anthropic, Grok, Claude etc. funktionieren, ist oft nicht transparent, wodurch sich letztendlich auch kein wirkliches Vertrauen in diese Systeme aufbauen kann – it all starts with trust.
Es ist daher nur konsequent, wenn immer mehr Einzelpersonen, Unternehmen und Öffentliche Verwaltungen auf offene und transparente KI-Modelle setzen. In dem Zusammenhang gibt es auch ein Forschungsfeld, das sich mit den damit einhergehenden Fragestellungen befasst.
„Explainable AI (XAI) – Forschungs- und Anwendungsfeld der Künstlichen Intelligenz, das Methoden entwickelt, um Entscheidungen, Vorhersagen oder generierte Inhalte von KI-Systemen transparent, nachvollziehbar und überprüfbar zu machen. Ziel ist es, Vertrauen zu schaffen und Fehlentscheidungen zu vermeiden.“ (Mittelstand Digital Fokus Mensch (2026): Digitale Souveränität als Basis für sichere KI-Anwendungen).
Es stellt sich dabei natürlich gleich die Frage, was das z.B. für Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) in der Praxis bedeuten kann. „Gerade in geschäftskritischen Anwendungen ist Vertrauen in die Funktionsweise von KI-Systemen unerlässlich“ (ebd.). Solche Anwendungen sind ganz besonders Innovationsprozesse. Da sich gerade der deutsche Mittelstand innovativ ausrichtet, ja ausrichten muss, kommt Explainable AI (XAI) ein große Bedeutung zu.
Das Fraunhofer Institut hat dazu eine eXplainable Artificial Intelligence (XAI)-Toolbox entwickelt: „Das heißt, die Toolbox kann z. B. zur Datenanalyse, zum Debugging und zur Erklärung der Vorhersage eines beliebigen Black-Box-Modells eingesetzt werden“ (ebd.).
Das Jahr 2025 neigt sich dem Ende zu, und es ist Zeit, das Jahr Revue passieren zu lassen. Dazu zählt natürlich auch, einige Zahlen zu unserem Blog und zu den Aktivitäten in Sozialen Medien zusammenzustellen.
Um es gleich vorweg zu sagen: Uns geht es dabei nicht alleine um Reichweite, sondern um Qualität. Alle Blogbeiträge enthalten daher Quellenangaben, sodass klar wird, was aus der Quelle stammt, und was unsere Meinung dazu ist. Darüber hinaus haben wir uns von Anfang an entschiedenen, unseren Blog ohne nervige Werbung anzubieten.
Durch diese Arbeitsweise haben wir von Anfang an auf Vertrauen gesetzt. Genau das macht unseren Blog in der Zwischenzeit zu einem Qualitätsprodukt, das sich von der massenhaften Produktion von Content durch Künstliche Intelligenz unterscheidet.
Es ist toll zu sehen, dass unsere Blogbeiträge und Themen auch im Jahr 2025 beachtet wurden. Die folgenden Zahlen sollen das verdeutlichen:
Insgesamt finden Sie bei uns jetzt 4.377 Blogbeiträge. Davon sind 288 im Jahr 2025 hinzugekommen.
Beiträge wurden in diesem Jahr knapp 45.000 mal aufgerufen – JetPack-Statistik in WordPress.
Die Anzahl der Besucher wieder ein hohes Niveau erreicht : 20.000 Besucher aus dem In- und Ausland sind an unseren Blogbeiträgen interessiert – JetPack-Statistik in WordPress.
Bei LinkedIn besteht mein Netzwerk aktuell aus 736 Kontakten.
Bei Facebook habe ich 345 Follower und Jutta 1.680 Freunde.
Mein X-Account (vormals Twitter) hat aktuell 1.207 Follower, wobei das nicht unserer bevorzugter Kanal ist.
Wir sehen diese Zahlen als Ansporn, auch im Neuen Jahr 2026 auf allen Kanälen weiterhin aktiv zu sein.
Die kommerziellen, proprietären KI-Systeme machen den Eindruck, als ob sie die einzigen sind, die Innovationen generieren. In gewisser weise stimmt das auch, wenn man unter Innovationen die Innovationen versteht, die sich diese Unternehmen wünschen. Fast jeden Tag gibt es neue Möglichkeiten, gerade diese KI-Modelle zu nutzen. Dieses Modelle treiben ihre Nutzer vor sich her. Wer nicht alles mitmacht wird der Verlierer sein – so das Credo.
Dabei stehen Trainingsdaten zur Verfügung, die intransparent sind und in manchen Fällen sogar ein Mindset repräsentieren, das Gruppen von Menschen diskriminiert.
Versteht man unter Innovationen allerdings, das Neues für die ganze Gesellschaft generiert wird, um gesellschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen, so wird schnell klar, dass das nur geht, wenn Transparenz und Vertrauen in die KI-Systeme vorhanden sind – und genau das bieten Open Source AI – Systeme.
„Open-source AI systems encourage innovation and are often a requirement for public funding. On the open extreme of the spectrum, when the underlying code is made freely available, developers around the world can experiment, improve and create new applications. This fosters a collaborative environment where ideas and expertise are readily shared. Some industry leaders argue that this openness is vital to innovation and economic growth. (…) Additionally, open-source models tend to be smaller and more transparent. This transparency can build trust, allow for ethical considerations to be proactively addressed, and support validation and replication because users can examine the inner workings of the AI system, understand its decision-making process and identify potential biases“ (UN 2024)
Gerade in Zeiten mit vielfältigen und turbulenten Veränderungen ist es wichtig zu wissen, wem (Personen, Organisationen) man vertrauen kann. Es gibt immer wieder ausführliche Darstellungen darüber, dass „Vertrauen verloren gegangen ist“, wenn es Unternehmen schlecht geht, und dass Vertrauen die Basis für ein gutes Zusammenleben ist.
Vertrauen stellt also einen nicht unerheblichen Faktor im Wirtschaftsleben, aber auch im gesellschaftlichen Zusammenleben dar. Deshalb sollte man sich zunächst einmal darüber klar werden, was unter Vertrauen zu verstehen ist.
Vertrauen als Fähigkeit, soziale Beziehungen in Situationen der Ungewissheit und Mehrdeutigkeit (temporär) zu stabilisieren (vgl. Weick, 1995).
Vertrauen stabilisiert also soziale Beziehungen, was wiederum bedeutet, dass Misstrauen soziale Beziehungen destabilisiert. Es scheint, dass Misstrauen gegenüber Vertrauen stärker verbreitet ist. Im World Social Report 2025 wir deutlich dargestellt, welche Auswirkungen Misstrauen hat.
Hier das eine oder andere Beispiel aus meiner Perspektive:
Lebensmittelbranche: Ich misstraue der Branche grundsätzlich, da sie immer mehr Produkte industriell fertigt und dabei viele Zusatzstoffe verwendet, die Menschen auf Dauer krank machen können. Siehe dazu Die Tricks mit Brot und Brötchen – ARD Mediathek oder die vielen Sendungen von Sebastian Lege.
Gastronomie: Kann man den vielen Gastronomen wirklich vertrauen? Manche schaffen es ja sogar, dem Gast Leitungswasser als „“Eigenmarke“ zu Höchstpreisen zu verkaufen.
Gesundheitswesen: Kann ich den Akteuren vertrauen, wenn z.B. ein Arzt nur Geld verdient, wenn ich krank bin? Natürlich gibt es im System Personen, denen ich vertraue, doch kann ich dem Gesundheitssystem vertrauen?
Finanzwesen: Die verschiedenen Finanzprodukte sind schon seit Jahren in der Kritik, da es of an Transparenz fehlt, und mehr der Profit der Bank im Fokus steht, als das Wohl der Kunden.
Künstliche Intelligenz: Kann ich den KI-Angeboten der Tech-Konzerne vertrauen? Es gibt bei den proprietären Angeboten keine Transparenz darüber, welche Daten für die Modelle genutzt wurden und wie mit neuen Daten umgegangen wird. Siehe dazu Künstliche Intelligenz: Würden Sie aus diesem Glas trinken?
Es wäre schön, wenn nicht mehr die Manipulationen von Menschen (Kunden) im Mittelpunkt stehen würden, sondern die wirklichen Bedürfnisse von Menschen.
Screenshot von der Startseite https://www.opennewswire.org/
In der heutigen Daten- und Informationsflut ist es gut zu wissen, welchen Informationen man trauen kann. Viele Quellen wollen manipulieren, aufhetzen, oder einfach nur Klicks generieren. In diesem Umfeld ist Vertrauen ein wichtiges Gut.
Professionelle Journalisten traut man zu, Inhalte zu sammeln, aufzuarbeiten und ohne Wertung an den Leser zu bringen. Wertungen können ja in separaten Kommentaren geschrieben werden. Solche Artikel stehen auf der Plattform Open Newswire „frei“ zur Verfügung.
Über die Plattform Open Newswire ist das in über 90 Sprachen möglich. Es handelt sich um ein Non Profit Projekt, das 2020 von einem australischen Journalisten gestartet wurde. Die Artikel unterliegen den hier gelisteten Creative Commons Licences.
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