Was bedeutet Qualität und Professionalität von Weiterbildung?

Zu allen Zeiten haben sich Menschen zu den Themen Bildung, Schule, Universität und Weiterbildung geäußert, doch fehlt es vielen oftmals an den entsprechenden Kompetenzen. Betrachten wir beispielhaft die Begriffe „Qualität“ und „Professionalität“ von Weiterbildung.

Qualität bedeutet, sich nach den Anforderungen zu richten, und ist in diesem Sinne oftmals Bestandteil von Zertifizierungen nach ISO 9001. Die Zertifizierung sagt nur aus, dass alle Prozesse dokumentiert und wirksam eingeführt sind. Dieses Mindestmaß an Managementqualität betrifft die Organisation mit ihren auf Effizienz getrimmten Prozessen, mit dem „Bildungscontrolling“ und der damit verbundenen „Teilnehmerzufriedenheit“. Letztere ist dabei kritisch zu sehen, da „Qualität“ von Weiterbildung mehr als Wohlfühlen und Teilnehmerzufriedenheit ist.

„Professionell“ ist eine Erwachsenenbildung, die sich nicht damit zufriedengibt, ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu „unterhalten“, sondern der es gelingt, diese selbst auf die Reise teilweise „unbequemer“ Lernprozesse „zu schicken“ (…) „Qualität“ ist demnach dann gegeben, wenn es der Erwachsenenbildung gelungen ist, solche Prozesse der Selbsttätigkeit, des selbstorganisierten Lernens und der emotionalen Weiterentwicklung auszulösen und zu begleiten (Vgl. dazu Arnold, R; Siebert, H.; Sievers, C. (2002:6): Einführung in das Studium der Erwachsenenbildung. Studienbrief EB0011, Zentrum für Fernstudien und Universitäre Weiterbildung der TU Kaiserslautern.

In den von uns entwickelten Blended Learning Angeboten favorisieren wir ein Projektlernen (vgl. dazu auch Dewey und Lewin), das selbstorganisiertes Lernen an den Präsenztagen und den Onlinephasen fördert, und damit anstrengend und durchaus (emotional) fordernd ist. Weitere Informationen zu den Lehrgängen finden Sie auf unserer Lernplattform.

Eine etwas andere Perspektive auf den Bundesbericht Forschung und Innovation 2020

Der Bundesbericht Forschung und Innovation 2020 liegt nun vor, und kann als Gesamtdokumentation im PDF-Format heruntergeladen werden. Darüber hinaus stehen auf der Website auch verschiedene Auswertungen als Grafiken zur Verfügung. Der Bericht hat das Ziel, „forschungs- und bildungspolitische Ziele“ darzustellen. Er hat also eine politische Perspektive, und erwähnt schon auf Seite 13: „Deutschland ist ein Innovationsland. Es gehört zu den führenden Innovationsnationen und attraktivsten Wirtschaftsstandorten weltweit“. Das war so, ist so, doch wird das auch in Zukunft so sein?

Möglicherweise sind wir in unserem Innovationsverständnis noch zu sehr in dem Mindset der Industriegesellschaft gefangen. Da der Begriff „Innovation“ in seinen vielfältigen Facetten 1.508 mal vorkommt wäre es gut zu wissen, was, unter „Innovation“ zu verstehen ist. Ich habe allerdings keine Beschreibung dazu gefunden.

Warum das wichtig sein kann, möchte ich kurz an einem Beispiel illustrieren: Wird Innovation nicht alleine auf Organisationen bezogen (wie es beispielsweise im Oslo Manual aus dem Jahr 2005, oder auch bei Chesbrough mit seiner Perspektive auf Open Innovation beschrieben wird), müssten auch Innovationen thematisiert werden, die Bottom-Up entstehen. Diese durch Eric von Hippel aufgezeigten Potenziale von Innovationen einzelner Personen werden in den einschlägigen Statistiken nicht berücksichtigt, obwohl sie signifikant zur Innovationsfähigkeit einer Nation beitragen. Ausführlich werden diese Zusammenhänge in Eric von Hippel (2005): Democratizing Innovation (PDF) erläutert.

Weiterhin möchte ich auf folgenden Satz im Vorwort eingehen: “ Wir brechen auf in eine Zeit der digitalen Souveränität für ein weiterhin starkes Deutschland und Europa“. Wenn wir erst jetzt in eine Zeit der digitalen Souveränität aufbrechen, ist es möglicherweise etwas spät, denn das „Öl der Zukunft sind Daten“. Diese Daten werden allerdings schon lange von Google, Amazon, Facebook, Microsoft abgegriffen. Ähnliche „Datenkraken“ gibt es in China mit Alibaba, Tencent WeChat usw. In Europe schauen wir bewundernd zu, und unternehmen seit Jahren … wenig. Die bisherigen Initiativen beispielsweise für eine Europäische Cloud waren ernüchternd. Siehe dazu den Beitrag Die „europäische Cloud“ ist eine Kopfgeburt, die nicht überleben wird (Gründerszene vom 31.10.2019).

Meines Erachtens gibt es in Deutschland mehr Innovationspreise von Bürgermeistern, Landräten, Ministerpräsidenten, Zeitschriften, Verbänden, Unternehmensberatungen, Branchen usw. als wirkliche Innovationen.