Führt der individuelle Lernprozess zu einem agilen Mindset?

Der Begriff „Mindset“ und der Begriff „Agil“ werden aktuell genau so strapaziert, wie der Begriff „Lernen“ oder auch „Lernprozess“. In diesem Zusammenhang gibt es den Beitrag Steeger, O. (2020): Wie sieht die Welt durch die „agile“ Brille aus? In: ProjektmanagementAktuell 2/2020, S. 19-24, in dem in der Überschrift auch noch steht: Der individuelle Lernprozess für zum agilen Mindset. Dazu möchte ich einiges anmerken.

Zu Lernen, und den damit verbundenen Lernprozessen, gibt es lerntheoretisch verschiedene Ansätze, die allerdings hier nicht angesprochen werden. Das ist nicht unerheblich, denn nicht jeder Lernprozess führt zu einem agilen Mindset. Es sind wahrscheinlich selbstorganisierte Lernprozesse gemeint, die in einem unsicheren, komplexen Kontext erforderlich, und in diesem Sinne kompetenzbasiert sind (Kompetenz als Selbstorganisationsdisposition).

Weiterhin ist nicht nur der individuelle Lernprozess für ein agiles Mindset wichtig, sondern es sind auch die Lernprozesse auf der Teamebene, auf der orgaisationalen Ebene und sogar auf der Netzwerkebene zu beachten (Pawlowsky 1998 und 2001).

Der Begriff „Mindset“ wird in den Beitrag mit dem Growth Mindset (Carol S. Dweck) und mit der Metapher „Brille“ in Verbindung gebracht. Ein „Mindset“ führt also zu einer besonderen Betrachtung der Realität, und damit zu einer bestimmten Deutung. Hier findet sich der aus der Erwachsenenbildung bekannte Deutungsmuster-Ansatz (Rolf Arnold) wieder.

Zusammenfassend scheint mir der Hinweis auf Lernprozess im agilen Kontext durchaus angemessen. Ich frage mich allerdings, warum das in den verschiedenen Veröffentlichungen – und auch in den Unternehmen – kaum thematisiert wird. Welches Unternehmen weiß schon, WIE seine Mitarbeiter, Projektteams, die Organisation selbst, oder auch die Netzwerke mit Partnern außerhalb des Unternehmens lernen?

Bitcoin: Es gibt jetzt eine deutsche Übersetzung des ursprünglichen Papers

Es ist wirklich erstaunlich, dass die ganze Bitcoin-Euphorie auf das Paper Satoshi Nakamoto (2008): Bitcoin: A Pee-to-Peer Electronic Cash System (PDF) zurückzuführen ist. Diese 8 Seiten haben eine Entwicklung angestoßen, die gerade die ganze Finanzwelt beschäftigt. Dabei ist unklar, wer Natoshi Nakamoto überhaupt ist, denn der Name ist ein Pseudonym – bis heute.

Nun werden englischsprachige Paper im deutschssprachigen Raum durchaus gelesen, doch ist es für die Masse der Menschen oft besser, wenn etwas in der eigenen Sprache vorliegt. Es ist daher sehr erfreulich, dass das Original-Paper jetzt in der deutschen Übersetzung vorliegt. Satoshi Nakamoto (2008): Bitcoin: Ein elektronisches Peer-to-Peer Bezahlsystem (deutsche Fassung des Originals, PDF).

Ob die verschiedenen Anbieter zu Bitcoins seriös oder weniger seriös sind, sei dahingestellt. Ich finde es dennoch bemerkenswert, dass Ideen, veröffentlicht in einem White-Paper dermaßen große Auswirkungen haben können – und das ist nicht nur bei Bicoins so. Leider geraten die ursprünglichen Ideengeber oft in Vergessenheit, oder werden absichtlich nicht erwähnt.

Denn die einen sind im Dunkeln, und die andern sind im Licht, und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht (Bertolt Brecht, Dreigroschenoper)