Behandelt die Wissensgesellschaft ihr vermeintlich höchstes Gut „Wissen“ angemessen?

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Die heute propagierte Wissensgesellschaft wird oft kritisiert. Beispielsweise findet man in Liessmann (2008): Theorie der Unbildung den Hinweis, dass Wissen im Gegensatz zu Information nicht unbedingt zweckorientiert ist:

„Wissen lässt sich viel, und ob dieses Wissen unnütz ist, entscheidet sich nie im Moment der Herstellung oder Aufnahme des Wissens“ (ebd.).

Der Autor treibt seine Kritik an der Entwicklung bei den Themen, Wissen, Wissen als Ressource und Wissensmanagement mit einer These auf die Spitze, indem er formuliert:

„Man könnte die These riskieren, dass in der Wissensgesellschaft das Wissen gerade keinen Wert an sich darstellt. Indem das Wissen als ein nach externen Kriterien wie Erwartungen, Anwendungen und Verwertungsmöglichkeiten hergestelltes Produkt definiert wird, ist es naheliegend, dass es dort, wo es diese Kriterien nicht entspricht, auch rasch wieder entsorgt werden muss. Gerne spricht man von der Beseitigung des veralteten Wissens, vom Löschen der Datenspeicher und vom Abwerfen unnötigen Wissensballasts. Mit anderen Worten: Die Wissensgesellschaft behandelt ihr vermeintlich höchstes Gut mitunter so, als wäre es der letzte Dreck“ (Liessmann 2008).

Wissen, immer und überall unter Nutzengesichtspunkten zu sehen, ist fatal. Wissen um seiner selbst willen kann durch überraschende Neukombinationen zu kreativen Gedanken und Problemlösungen führen. Grenzen wir dieses Wissen aus, wird alles Wissen beliebig, und damit auch weniger kreativ, bzw. innovativ, was uns wider zu den kritisierten Nutzengesichtspunkten führt.

Es scheint paradox zu sein: Wissen ohne Nutzengesichtspunkte zuzulassen, führt zu einer besseren Nutzung von Wissen.

Gerade in Zeiten von Künstlicher Intelligenz ist es wichtig, Wissen gut zu verstehen, um den Umgang damit angemessen zu ermöglichen. Bei einer einseitig nutzenorientierten Betrachtung von Wissen, kann es gesellschaftlich zu Verwerfungen kommen – gerade so, als ob ein Sportler nur den rechten Arm trainieren würde.

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