Künstliche Intelligenz: Es ist so bequem, unmündig zu sein

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Der Wahlspruch der Aufklärung lautet: „Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Die Aufklärung stellt somit die eigene Wissenskonstruktion in den Mittelpunkt. Was würde also passieren, wenn sich jeder seines eigenen Verstandes bedienen, und sich nicht mehr so abhängig machen würde? 

Immerhin ist es den meisten Menschen in Europa heute viel problemloser als früher möglich, seinen eigenen Verstand zu nutzen, doch die meisten machen es einfach nicht. Warum nur? Eine Antwort darauf finden wir schon bei Immanuel Kant, der am Ende des 18. Jahrhunderts folgende Erkenntnis formulierte:

Immanuel Kant schrieb schon 1784 in seiner Streitschrift: „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“: „Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil erwachsener Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen hat, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben, und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein!“ (Fuchs, J.; Stolorz, C. (2001): Produktionsfaktor Intelligenz. Wiesbaden).

In Bezug auf aktuelle geopolitische, gesellschaftliche oder technologische Entwicklungen sehen wir heute, wie falsch es war, dass wir uns in Europa in alle möglichen und unmöglichen Abhängigkeiten begeben haben – es war eben alles so bequem. Dafür haben wir bewusst eine Unmündigkeit in Kauf genommen, die uns jetzt und in Zukunft teuer zu stehen kommt.

Auch bei der oftmals unreflektierten Nutzung der marktführenden KI-Modelle sehen wir wieder eine Entwicklung, die zur Unmündigkeit führt – ist ja alles so bequem. Siehe dazu beispielhaft: Digitale Souveränität: Europa, USA und China im Vergleich.

Alternativ zu den marktführenden KI-Modellen könnte man sich mit den Möglichkeiten von Open Source KI-Modellen befassen, was natürlich unbequemer sein kann, doch andererseits zu mündigen (aufgeklärten) Bürgern führt. In diesem Sinne: Sapere aude!

Sprechen wir über Inkompetenz und Sympathie

Casciaro/Lobo (2005): Der Nutzen Charmanter Inkompetenz. In: Harvard Business manager September 2005

Über Kompetenz, und dem Umgang mit Kompetenz (Kompetenzmanagement), gibt es in unserem Blog eine separate Kategorie, in der aktuell 762 Beiträge zu finden sind. Da es allerdings nicht nur kompetente Kolleginnen und Kollegen in Organisationen gibt, sondern auch viel Inkompetenz gibt, sollten wir natürlich auch darüber sprechen. Hinzu kommt allerdings auch noch eine andere Frage: Wie sympathisch ist mir der Kollege, oder die Kollegin?

Diese kurzen Überlegungen führen dann direkt zu der Abbildung, in der die beiden Achsen Kompetenz (niedrig-hoch) und sympathische Ausstrahlung (schwach-stark) zu finden sind. Im einfachsten Fall ergeben sich daraus die vier Bereiche:

Kompetenter FieslingWird meistens gemieden
Beliebte SpitzenkraftIst heiß begehrt
Inkompetenter FieslingWird strikt gemieden
Sympathischer DummkopfIst mäßig begehrt

In einer Studie wurde nun untersucht, wie sich Mitarbeiter bei einer möglichen Zusammenarbeit mit anderen entscheiden würden.

„Unsere Studien in vier sehr unterschiedlichen Organisationen haben eindeutig ergeben, dass die meisten Menschen lieber mit einem ,,sympathischen Dummkopf“ zusammenarbeiten als mit jemandem, der zwar kompetent aber nicht sympathisch ist, also mit einem „kompetenten Fiesling“ (Casciaro/Lobo 2005).

Zu beachten ist hier, dass es bei Kompetenz und Inkompetenz vorrangig um die fachliche und methodische Dimensionen geht. Betrachtet man Kompetenz etwas weiter als Selbstorganisationsdispositionen, zu denen nicht nur fachliche oder methodische, sondern auch soziale und persönliche Dimensionen gehören, müsste es eine Unterscheidung zwischen Kompetenz und Sympathie gar nicht geben. Siehe dazu auch

Freund, R. (2011): das Konzept der Multiplen Kompetenz auf den Analyseebenen Individuum, Gruppe, Organisation und Netzwerk.