Das Organisationsprinzip hinter der Interaktiven Wertschöpfung

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In ihrer Veröffentlichung Reichwald/Piller (2009): Interaktive Wertschöpfung. Open Innovation, Individualisierung und neue Formen der Arbeitsteilung haben die Autoren das Konzept einer Interaktiven Wertschöpfung ausführlich dargestellt. Interessant dabei ist, welches Organisationsprinzip dahinter steckt. Dazu habe ich folgendes gefunden:

„Das hinter der interaktiven Wertschöpfung stehende Organisationsprinzip wurde vom Yale-Wissenschaftler Yochai Benkler (2002, 2006) als „Commons-based Peer-Production“ bezeichnet: „Peer-Production“, das eine Gruppe Gleichgesinnter („Peers“) gemeinschaftlich ein Gute produziert, „Commons-based“, da das Ergebnis der Allgemeinheit zur Verfügung steht und auf offenem Wissen („Commons“) basiert. Die Idee der interaktiven Wertschöpfung baut auf der Commons-based Peer-Production auf, erweitert diese aber um einen Rahmen, in dem ein fokales Unternehmen diesen Prozess anstößt, moderiert oder unterstützt – genau wie wir es bei Threadless oder Innocentive gesehen haben“ (Reichwald, R.; Möslein, K. M.; Piller, F. T. (2008): Interaktive Wertschöpfung – Herausforderungen für die Führung. In: Buhse, W.; Stamer, S. (Hrsg.) (2008): Die Kunst, Loszulassen Enterprise 2.0. S. 99-122).

Basis ist also eine (Interaktive) Wertschöpfung, die darauf ausgerichtet ist, gemeinschaftlich Produkte zu erschaffen, die dann der Allgemeinheit zur Verfügung steht (nach Benkler).

Die von den Autoren propagierte „Interaktive Wertschöpfung“ soll darauf aufbauen, doch schränkt sie durch den Fokus auf Unternehmen das zugrunde liegende Organisationsprinzip einer Commons-based-Peer-Produktion eher ein.

Mit den heutigen technologischen Möglichkeiten ist es einzelnen Usern, und deren vernetzten Peers möglich, Produkte und Dienstleistungen für die Allgemeinheit zu entwickeln und selbst anzubieten. Dabei müssen diese User nicht zwangsläufig mit Unternehmen kooperieren, da die Transaktionskosten im gesamten Prozess in den letzten Jahrzehnten drastisch gesunken sind. Siehe dazu auch

Eric von Hippel (2017): Free Innovation

Eric von Hippel (2005): Democratizing Innovation 

MCP-Konferenz im September 2026 in Balatonfüred, Ungarn

Reichwald/Piller (2009): Interaktive Wertschöpfung, 2. Auflage

Das Lehrbuch Reichwald/Piller (2009): Interaktive Wertschöpfung ist im Mai in der zweiten Auflage erschienen. Der Auszug (pdf, 0.8MB) informiert darüber, was sich gegenüber der esten Auflage verändert hat. Die erste Auflage Reichwald/Piller (2006): Interaktive Wertschöpfung steht immer noch in großen Teilen als (kostenloser) Download (2.9MB) zur Verfügung. Wenn man sich auf der Webiste der Autoren die Stimmen zum Buch ansieht, kommt man schnell zu dem Schluss, dass sich die Anschaffung des Buches lohnt, wenn man sich über Open Innovation, Individualisierung und neue Formen der Arbeitsteilung informieren will.

Was ist nun wieder Crowdsourcing?

crowdsourcing.gifIn dem Blog von Jeff Howe geht es um Crowdsourcing. Ein Begriff, der wohl ganz bewusst an outsourcing erinnert. Crowdsourcing soll einen anderen Weg aufweisen, nämlich die Intelligenz von vielen Usern zu nutzen. In einem Beitrag von Wired (Juni 2006) werden die Zusammenhänge ein wenig genauer beschrieben. Warum allerdings ein neuer Begriff dafür kreiert werden muss, ist mir schleierhaft. Denn mit Open Innovation, Interaktive Wertschöpfung, Kollektive Intelligenz, Swarm Intelligence, usw. gibt es schon viele Ansätze. Grundlage ist jeweils die Erkenntnis, dass (unter Umständen) viele, relativ autonome Nutzer Leistungen erbringen können, die einzelne einfach nicht hinbekommen. Dabei sind allerdings verschiedenen Rahmenbedingungen zu beachten, damit so ein Modell erfolgreich sein kann. Diese Rahmenbedingungen sind bei Open Innovation oder auch bei Interaktive Wertschöpfung herausgearbeitet worden. Bei crowdsourcing handelt es sich um einen Begriff, der nun noch mit Leben (Rahmenbedingungen, Abgrenzung zu anderen Konzepten usw.) gefüllt werden muss. Ansonsten bleibt es bei der Aufzählung von Möglichkeiten und Beispielen – das reicht nicht. Es kann also auch durchaus sein, dass Fritz Simon mit seinem Buchtitel recht hat: Gemeinsam sind wir blöd!?

Reichwald/Piller (2006): Interaktive Wertschöpfung

IWSDas Buch steht in großen Teilen als Download zur Verfügung! Es lohnt sich aber auch, das Buch zu kaufen, denn es enthält eine sehr gute und verständliche Übersicht zu den aktuellen Entwicklung. Es wird erläutert, wie sich die Organisationen entwickelt haben und was man unter Interaktiver Werschöpfung zu verstehen hat. Darüber hinaus werden Mass Customization und Open Innovation erläutert und als Kernelement der Interaktiven Wertschöpfung dargestellt. Nicht zuletzt nennen die Autoren eine große Anzahl von Beispielen von Unternehmen – was wiederum zeigt: Die Zeit ist reif für neue Konzepte, die Kunden warten darauf.