Digitale Souveränität: Immer mehr junge Menschen interessieren sich für Open Source Anwendungen

Gerade bei jungen Menschen ist es angesagt, die bekannten proprietären Software-Anwendungen zu nutzen. Man zeigt, dass man IN ist, wenn man als junger Mensch beispielsweise die neuen KI-Modelle der großen Tech-Konzerne nutzen kann. Man glaubt, damit auch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben.

In der Zwischenzeit gibt es allerdings in der Gesellschaft durchaus auch ein Umdenken in Richtung Open Source Anwendungen. Der Grund ist, die technologische, digitale Abhängigkeit Europas von den USA und China, die zu vielfältigen Problemen führen kann (Kill Switch). Siehe dazu auch Digitale Souveränität: Europa, USA und China im Vergleich.

Europa ist daher seit einiger Zeit auf dem Weg zu einer eigenen Digitalen Souveränität, die natürlich nicht von heute auf morgen erreichbar ist. Dennoch ist dieser Schritt erforderlich und basiert auf Open Source Anwendungen.

Es fehlen allerdings Kompetenzen zu Open Source Software und Open Source Hardware (Skill Shortage), da sich in der Vergangenheit zu wenige Menschen für diese Themen interessiert haben. Für viele überraschend, begeistern sich heute immer mehr junge Menschen für Open Source Lösungen.

„Denn junge, gut ausgebildete IT-Expert:innen haben immer öfter kein Interesse daran, sich auf eine intransparente Blackbox-Anwendung zu spezialisieren. Stattdessen ist ihr Interesse an Open-Source-Lösungen gestiegen, ebenso wie der Anspruch, mit der eigenen Arbeit nicht nur zu wirtschaftlichem Erfolg sondern auch zum Gemeinwohl beizutragen“ OSBA (2026): Open Source ist Schlüsselrolle für Staat und Wirtschaft.

Da immerhin 264 Milliarden Euro von europäischen Organisationen pro Jahr für nicht-europäische Technologien ausgeben werden, entsteht in Zukunft ein großer Markt, wenn wir mehr auf europäische Technologien setzen. Alleine wenn nur 30% von 264 Milliarden Euro in den kommenden Jahren ersetzt werden könnten, wären das auf europäischer Ebene fast 80 Milliarden Euro pro Jahr – mit steigender Tendenz.

Digitale Souveränität – auch mit Open Source Hardware

https://oshwa.org/

Wenn es um Open Source geht, denken wir meistens an Open Source Software (OSS), die in vielen Anwendungen zu finden sind – auch in der Robotik. Es leuchtet ein, dass gerade Open Source AI (Open Source Künstliche Intelligenz) auch für die komplexen Steuerungen von kleinen und größeren Robotern verwendet wird.

Parallel dazu gibt es eine Entwicklung, die gar nicht so im Fokus zu stehen scheint. Es ist der weltweite Trend, auch Open Source Hardware zu entwickeln. Die Open Source Hardware Association (OSHWA) hat dazu aktuell 3.369 Projekte zertifiziert (Abbildung). Was versteht die Non-Profit Organisation unter Open Source Hardware?

„Open source hardware is hardware whose design is made publicly available so that anyone can study, modify, distribute, make, and sell the design or hardware based on that design. The hardware’s source, the design from which it is made, is available in the preferred format for making modifications to it“ (OSHWA).

Dieses Verfügbarmachen von Hardware für alle ist eine Grundidee von offenen Systemen, in denen man sich einbringen kann, deren Ergebnisse man auch einfach nur nutzen kann. Es ist erstaunlich wie viele Menschen sich dafür engagieren, und in diesem Sinne auch sozial handeln.

Natürlich gibt es nicht nur die OSHWA, sondern noch weitere Organisationen, die Open Source Hardware fördern.

„However, with the rise of open source chip design initiatives such as the OpenHW Foundation, the FOSSi Foundation lowRISC, the Chips Alliance, the Beijing Institute of Open Source Chip, or the PULP Platform, new opportunities have emerged to make hardware development more accessible and competitive“ (Wallentowitz and Wohlrab (2026): Open Source and the New Regulations on Hardware, in Eclipse Foundation, 2026).

Zusammen mit den Entwicklungen bei Open Source Software stellen die Aktivitäten bei Open Source Hardware dazu bei, Digitale Souveränität auf mehreren Ebenen zu erreichen. Ich bin gespannt, was die jeweiligen Communities in den kommenden Jahren noch entwickeln werden.

Skill shortage: Es fehlen Kompetenzen zu Open Source Software und Open Source Hardware

Das Bild ist mit Mistral AI generiert

Aktuell wird oft darüber gesprochen und geschrieben, dass alle Kompetenzen in der Nutzung von Künstlicher Intelligenz benötigen. Dabei setzen die Marktführer auf kostenlose Online-Kurse, die die Nutzer an die jeweiligen KI-Modelle adaptieren sollen. Die Nutzer passen sich dabei an die Logik des KI-Modells an, und entwickeln angepasste Kompetenzen.

Im nächsten Schritt wird diese Abhängigkeit (Pfadabhängigkeit) Schritt für Schritt monetarisiert – immerhin müssen ja die hohen Investitionen refinanziert werden. Wenn einzelne Personen oder Organisationen diesen Weg in den letzten Jahren eingeschlagen haben, sprechen sie nur noch von solchen, angepassten Kompetenzen. Siehe dazu auch Künstliche Intelligenz (KI): Lock-in und Switching Costs.

Kompetenzen zur Nutzung von Open Source Software oder Open Source Hardware sind damit weniger gemeint – überspitzt formuliert könnte man auch sagen, dass fast niemand daran denkt.

Wenn es Europa mit der Digitalen Souveränität ernst meint, sollten wir allerdings gerade diese Kompetenzen fördern und entwickeln, da gerade Open Source zu mehr Resilienz auf den verschiedenen Ebenen führt. Aktuell gibt es allerdings nicht so viele Personen, die sich mit den Möglichkeiten von Open Source Software und Open Source Hardware auskennen (digital skill shortage).

„By aligning open source projects with structured upskilling programs, Europe can address its digital skills shortage and build a competitive workforce that supports its ambition for technological sovereignty. By fostering collaboration, investing in education, and ensuring sustainable funding, we can secure the future of open source as a driver of technological and scientific progress. With initiatives like Software Heritage and national policies advocating for open science, the foundation is set for a more inclusive and resilient open source ecosystem“ (Di Cosmo, 2026 Open Source and the Skill Shortage, in Eclipse Foundation, 2026).

Es liegt an uns die bestehenden Abhängigkeiten nach und nach zu reduzieren, um unseren eigenen, europäischen Weg bei der Nutzung von Technologie, speziell auch Künstlicher Intelligenz, zu entwickeln. Die erfolgreiche Geschichte von Open Source KI zeigt, wie dieser Weg aussehen kann. Digitale Souveränität: Europa, USA und China im Vergleich.