Wissenschaftler – wer braucht die denn?

Forschung

Wissenschaftler sind in der Bevölkerung oftmals wenig anerkannt und wertgeschätzt. Es gibt Ausnahmen, die es geschafft haben, durch gezieltes persönliches Marketing einen bestimmten Bekanntheitsgrad zu erreichen. Das wiederum ruft die Vertreter der universitären Forschung auf den Plan, die so ein Vorgehen nicht gut heißen.

Die universitäre Forschung verkennt allerdings manchmal, dass durch dieses Verhalten die Deutungshoheit von Fakten von anderen besetzt wird, die Menschen generell in ihrem Sinne beeinflussen wollen. Wenn Aussagen von Fußballspielern oder B-Promis zu komplexen wissenschaftlichen Themen mehr vertraut wird, als wissenschaftlichen Erkenntnissen, ist es nicht verwunderlich, wenn Verschwörungstheorien Hochkonjunktur haben. Diese persuasive Kommunikation sollte nicht einfach so hingenommen werden. Es ist daher erfreulich, dass die Glaubwürdigkeit der Forschung in Zeiten von Corona wohl etwas zugenommen hat:

Corona hat die Welt verändert. Die Erfahrung der Krise hat auch die öffentliche Meinung beeinflusst. Die Glaubwürdigkeit der Forschung hat nach einer im Juni veröffentlichten Repräsentativumfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach deutlich zugenommen. 54 Prozent der Bevölkerung nehmen Naturwissenschaftler als wichtige Impulsgeber für die Zukunft wahr. Die Krise offenbart die Chancen. Freuen wir uns darauf, sie gemeinsam zu nutzen! (Fraunhofer Magazin 2/2020, S. 7).

Der angegebene Wert ist allerdings nicht besonders hoch, immerhin hat die Glaubwürdigkeit der Forschung bei 46 Prozent der Befragten nicht zugenommen… Dass die Fraunhofer Gesellschaft weiterhin nur die Naturwissenschaften hervorhebt, ist verständlich, immerhin hängen ja Fördergelder an dem ganzen Themenkomplex. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass auch auf die Rolle der Geisteswissenschaften oder Sozialwissenschaften gewürdigt wird. Immerhin ist es bemerkenswert, dass in verschiedenen Medien gerade Sozialwissenschaftler befragt werden, wenn es um komplexe Zusammenhänge geht – warum nur?

Wissenschaft etwas anders gesehen…

In dem Artikel Die „vermessene“ Wissenschaft (FAZ vom 31.12.2012, S. 12) plädiert Hans Jörg Hennecke, Professor für Politikwissenschaft an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock, für eine „Rückbesinnung auf die persönliche Verantwortung in Politik und Wirtschaft“. Der Autor kritisiert die „exakten Naturwissenschaften“ und beschreibt diese Herangehensweise sehr doppeldeutig als „vermessen“. Welche Konsequenzen diese verengte Sichtweise auf hochkomplexe Situationen hat, zeigt Hennecke deutlich auf: „Das Erfahrungswissen, das implizite und verstreute Wissen und Werten Einzelner, wird von explizitem, konstrutivistischem Wissen und Werten des Staates verdrängt“. Ein Sowohl-als-auch wäre hier sinnvoller. Siehe dazu auch Die Welt bleibt unberechenbar und If you can not measure it, you can not manage it.

Botthoff/Kriegesmann/Kublik/Schwering (2009): Kompetenz- entwicklung in Hightech-Feldern

Die Studie Botthoff/Kriegesmann/Kublik/Schwering (2009): Kompetenzentwicklung in Hightech-Feldern – Neue Wege für die wissenschaftliche Weiterbildung geht u.a. der Frage nach, welchen Beitrag eine neu zu interpretierende wissenschaftliche Weiterbildung zur Überwindung des Anwendungsstaus neuen naturwissenschaftlich-technischen Wissens leisten kann ( S. 5). Dabei beziehen sich die Autoren auf den Kompetenzbergriff (S. 13): „Grundvoraussetzung für Innovationen im Hightech-Bereich ist die Verfügbarkeit entsprechender Kompetenzen. Die verfügbaren Fähigkeiten stellen dabei die kognitive Basis für die Neukombination und Weiterentwicklung von Wissen in spezifischen Technologiefeldern dar und sind eine Funktion von explizitem (frei verfügbarem) und implizitem (personengebundenem) Wissen. Nur auf der Basis eines Sets entsprechender Wissensbestände besteht eine sinnvolle Option, neue wissensbasierte Lösungen zu erarbeiten.“ Der hier angesprochene Kompetenzbegriff bezieht sich aus meiner Sicht noch zu sehr auf die rein kognitive Basis und sollte daher in Richtung einer Multiplen Kompetenz erweitert werden.

Wissenschaftszug macht Station in Ihrer Nähe

In mehr als 60 Städten in Deutschland hält der Wissenschaftszug. Die Website Expedition Zukunft informiert ausführlich über die Konzeption und die zu sehenden wissenschaftlichen Neuigkeiten (Übersicht). Der Zug startet am 24.04.2009 in Berlin, wo auch vom 22.-24.11.2009 die letzte Station sein wird. In der Zwischenzeit kommt der Wissenschaftszug bestimmt auch bei Ihnen vorbei: Termine. Ich halte das für eine sehr gute Idee, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Es zeigt, dass spannend dargebotene Wissen-schaft durchaus gegenüber Fernsehlangweiler konkurrieren kann.