
Computer haben keine Persönlichkeit und kein Bewusstsein. Ähnlich sieht es mit den sehr großen Trainingsdaten in den Large Language Models aus. Dennoch schreiben wir diesen KI-Modellen menschliche Eigenschaften zu.
Dass bei verschiedenen Tasks beeindruckende und schnelle Ergebnisse durch KI-Modelle generiert werden, führen wir beispielsweise darauf zurück, dass da irgendwo eine Art Intelligenz sein muss – eben eine Künstliche Intelligenz. Dass so eine Zuschreibung kritisch zu sehen ist, leitet sich aus zwei Argumentationssträngen ab:
Die Intellektualistische Legende
Wir gehen oft noch von scheinbar eindeutigen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen aus (Reduktionismus), Wir schließen beispielsweise bei einer intelligenten Handlung (Wirkung) eines Menschen auf eine möglicherweise dahinterliegende menschliche Intelligenz (Ursache). Dass es solche einfachen Zusammenhänge in komplexen Systemen so nicht gibt, wurde schon vor vielen Jahrzehnten von Ryle bezweifelt. Er nannte ein solches Vorgehen Intellektualistische Legende. und erläutert: „Die intelligente Praxis“ (Ryle (1949:28), „ist nicht ein Stiefkind der Theorie“.
„Ganz allgemein gesprochen, macht die intellektualistische Legende die absurde Annahme, jede Verrichtung, welcher Art auch immer sie sei, erwerbe ihren gesamten Anspruch auf Intelligenz von einer vorausgehenden inneren Planung dieser Verrichtung“ (Siehe dazu weitaus differenzierter Neuweg, G. H. (2004): Könnerschaft und implizites Wissen).
Noch einmal: Das Abliefern eines beeindruckenden und schnellen Ergebnisses durch einen Menschen oder eines KI-Modells ist kein Zeichen einer wie auch immer gearteten Intelligenz. Natürlich haben es die Anbieter von KI-Modellen gerne, wenn solche einfachen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge (Tolles Ergebnis > da muss eine Künstliche Intelligenz sein) immer wieder verbreitet werden , richtiger werden sie dadurch allerdings nicht.
Anthropomorphismus: Zuschreiben menschlicher Eigenschaften gegenüber nicht menschlichen Wesen oder Objekten (Quelle: Wikipedia).
Dieses Phänomen ist nicht neu, doch in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz bekommt Anthropomorphismus neuen Schwung – und das im negativen Sinne. In einem aktuellen Paper habe ich dazu folgendes gefunden:
„Computers have no personality. Computers are not conscious. They are incapable of imagination. If we start to think that they or the software that codes their operations are any of these things, then we are guilty of anthropomorphism“ (Fraser, A. G. (2026): Artificial stupidity or logimorphism? How misuse of language warps our thinking about ‘artificial intelligence’, European Heart Journal – Digital Health (2026) 7, https://doi.org/10.1093/ehjdh/ztag095).
Begriffe, die menschliche Eigenschaften und menschliches Verhalten beschreiben, einfach auf KI-Systeme zu übertragen, hält der Autor für bedenklich und argumentiert sogar aus medizinischer Sicht. Der Autor weist in dem Zusammenhang auch darauf hin, dass die proprietären KI-Modelle selbstverständlich das Ziel haben, Gewinne für die Anteilseigner zu generieren. Die Öffentliche Gesundheit ist weniger dass Ziel. Den permanenten Hinweisen auf mögliche Effizienzgewinne durch die sogenannte Künstliche Intelligenz müssen somit auch gesellschaftliche Ziele wie die Gesundheit der Menschen entgegengehalten werden.
„Computationalism reduces human consciousness, thinking and intelligence to the level of computer operations, which grossly underestimates the capabilities of human beings“ (ebda.). Dem ist nichts hinzuzufügen, oder?
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