Menschliches Lernen und Maschinelles Lernen unterscheiden sich

Image by StockSnap from Pixabay

Wenn es um Künstliche Intelligenz geht, werden oftmals Begriffe benutzt, die in der Diskussion beliebig verwendet werden. Wenn es beispielsweise um den Begriff „Lernen“ geht, vermuten viele, dass es sich beim maschinellen Lernen um eine Art menschliches Lernen handelt. Durch Verkürzungen in den Beschreibungen werden (manchmal bewusst) Begriffe synonym verwendet. BTW: Joe Pine hat dieses Phänomen in Bezug auf Mass Customization and Personalization als Bastardization bezeichnet.

Wenn es um den Begriff „Lernen“ geht, haben Knauff et al. in ihrem aktuellen Paper folgendes deutlich gemacht:

„Der Unterschied ist dennoch entscheidend: anders als bei KI Systemen, zielt menschliches Lernen darauf ab, strukturierte, handlungsrelevante mentale Modelle in einer verkörperten Umwelt aufzubauen (Bohn, & Casillas, 2026; Butz & Kutter, 2017). Es geht um den aktiven Erwerb von Wissen und Überzeugungen, die zielgerichtete Entscheidungen in der physikalischen und sozialen Welt leiten. Maschinelles Lernen hingegen ist meist passiv: vorgegebene Daten werden genutzt, um die Parameter des vorgegebenen Modells zu optimieren.“
M. Knauff, M. V. Butz, B. Kaup, W. Kunde, and und I. Scharlau, “Vorhersage ist nicht Erklärung: Eine Perspektive der Fachgruppe Allgemeine Psychologie (gemeinsam mit der    Gesellschaft für Kognitionswissenschaft),” Psychologische Rundschau, vol. 77, no. 4, pp. 225–231, Oct. 2026, doi: 10.1026/0033-3042/a000781.

Die Autoren widersprechen also der landläufigen Meinung, und den Marketingversprechen von Big Tech, in diesem Fall deutlich. Doch: Warum wird dennoch versucht, technische Systeme wie Menschen zu sehen? Indem technische Systeme punktuell mit der Leistungsfähigkeit von Menschen verglichen werden wird deutlich, wie unterlegen der Mensch gegenüber solchen Systemen ist, denn Künstliche Intelligenz kann vieles besser und schneller als es der Mensch jemals können wird. Es geht um die Dominanz der Technologie über den Menschen.

So eine Herangehensweise ist ein bewusster Kategorienfehler, wie von Knauff et al. alleine beim Begriff des „Lernens“ dargestellt wurde. Auch andere haben in der letzten Zeit große Bedenken, wenn es darum geht, die Leistungsfähigkeit von technischen Systemen mit der von Menschen zu vergleichen. Siehe dazu auch

Künstliche Intelligenz – Menschliche Kompetenzen: Anmerkungen zu möglichen Kategorienfehler

OpenAI Model „o1“ hat einen IQ von 120 – ein Kategorienfehler?

Künstliche Intelligenz – ein Kategorienfehler?

Künstliche Intelligenz, die Jagd nach AGI und der Intelligenz-Quotient

Warum es nicht angemessen erscheint, Künstliche Intelligenz und Menschliche Intelligenz zu verwechseln

Künstliche Cleverness statt Künstliche Intelligenz?

Joe Pine: Bastardization of Mass Customization

In unserem Blog habe ich schon des Öfteren über Green Washing, Open Washing und Sovereignty Washing geschrieben. Doch gibt es auch zu vielen anderen Themen immer wieder Ungenauigkeiten und Plattitüden, die die Personen aufregen, die neue Begriffe oder Konzepte entwickelt und etabliert haben.

In einem Beitrag von B. Joseph Pine II geht es beispielsweise unter anderem um den von Davis formulierten Begriff Mass Customization als Oxymoron, und um das von Pine dazu veröffentlichte Buch, in dem er das Konzept einer hybriden Wettbewerbsstrategie skizziert..

Pine ist der Auffassung, dass CRM (Customer Relationship Management) den Ansatz von Mass Customization bastardisiert hat.

„Mass Customization was coined by the late great Stan Davis in his 1987 book Future Perfect, which is as applicable today as when he wrote it. I read his book while a strategic planner at IBM and after getting it into our plans and strategies spent a year at MIT where I turned my masters’ thesis into my first book, Mass Customization: The New Frontier in Business Competition.

CRM bastardized the concept of Mass Customization

CRM bastardized the concept of Mass Customization, which is about understanding individual customers and giving them exactly what they want. In the hands of consultants and software companies, however, CRM became understanding individual customers to better sell them what has already been produced. Ouch.“(Joe Pine (2026): It´s called bastardization).

Da der Ansatz von Mass Customization and Personalization in so vielfältiger Weise verwässert wurde und wird, sollte man sich möglichst aus erster Hand informieren und keine Sekundär-, Tertiärquellen oder „Erzählungen“ von Beratern nutzen.

Eine sehr gute Möglichkeit bietet sich bei den jeweiligen Konferenzen zu Mass Customization and Personalization.

Die von mir initiierte Konferenzreihe findet seit 2004 alle 2 Jahre statt.

In diesem Jahr, treffen wir uns auf der MCP 2026 vom 16.-19.09.2026 in Balatonfüred, Ungarn.

Siehe dazu auch Freund, R. (2009): Kundenindividuelle Massenproduktion (Mass Customization). RKW Kompetenzzentrum, Faktenblatt 5/2009.