DQR (2009): Diskussionsvorschlag eines Deutschen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen

 

 

 

Der DQR-Diskussionsvorschlag bezieht sich stark auf den Kompetenzbegriff (S. 14): „Kompetenz bezeichnet im DQR die Fähigkeit und Bereitschaft, Kenntnisse, Fertigkeiten sowie persönliche, soziale und methodische Fähigkeiten in Arbeits- oder Lernsituationen und für die berufliche und persönliche Entwicklung zu nutzen. Kompetenz wird in diesem Sinne als Handlungskompetenz verstanden. Im DQR wird Kompetenz in den Dimensionen Fachkompetenz und personale Kompetenz dargestellt. Methodenkompetenz ist dabei integraler Bestandteil dieser Dimensionen. (Im EQR hingegen wird Kompetenz nur im Sinne der Übernahme von Verantwortung und Selbständigkeit beschrieben.).“ Dabei werden immerhin noch 8 Stufen differenziert beschrieben. Ich bin hier ein wenig skeptisch, ob dieser Ansatz der aktuellen Kompetensdiskussion gerecht wird. Alleine die Stufung suggereiert, das eine Stufe auf die andere aufbaut und ist somit der von Ryle und Neuweg kritisierten Intellektualistischen Legende unterlegen. Weiterhin ist die von Erpenbeck empfohlene Selbstorganisationsdisposition nicht zu erkennen. Nicht zuletzt geht der DQR-Vorschlag auch nicht auf Kompetenz als Emergenzphänomen ein.

Was hat Fußball mit Selbstorganisation und Emergenz zu tun?

Jubel1.jpgDie Fußball-Bundesliga startet am Freitagabend mit dem Spiel Bayern München gegen Hamburger SV in die Saison 2008/2009. Am Samstag hat mein Verein, der VfL Bochum, ein Auswärtsspiel beim Karlsruher SC. Der VfL hat sich in der Vorbereitung und auch beim Pokalspiel in Münster nicht gerade mit Ruhm bekleckert, sodass einige Fans schon unruhig sind, und eine schwere Saison prognostizieren – allerdings ist das für langjährige VfL-Fans nichts Neues. Gehen wir die Sache doch einmal wissenschaftlich an: Es wird oft verkannt, dass eine Fußballmannschaft ein sehr komplexes und dynamisches System darstellt, bei dem es auf Selbstorganisation ankommt und in dem durchaus auch Emergenz zu berücksichtigen ist. In Mainzer, K. (2008:96-97) habe ich dazu folgenden Text gefunden:

„Eine Fußballmannschaft ist ein komplexes dynamisches System von Spielern, die durch Funktionen (z.B. Stürmer, Verteidiger) und Konfigurationen (z.B. Spielaufstellung) unterschieden sind. Sie erzeugen kollektive Verhaltensmuster, die sich an Ordnungsparametern orientieren. So sind erfolgreiche Teams hochgradig korreliert (d.h. anschaulich gesprochen aufeinander eingestellt bzw. ´eingespielt´), motiviert und sich ihres kollektiven Könnens und Ziels bewusst. Ein Trainer kann diesen gemeinsamen ´Teamgeist´ inspirieren, aber nicht von außen diktieren. Er ist daher ein emergentes kollektives Phänomen, zu dem ein guter Coach die geeigneten Nebenbedingungen setzten kann, damit er sich von selbst entwickelt – nicht mehr und nicht weniger. Ein gutes Spiel lässt sich nicht im Sinne des Laplaceschen Geistes programmieren.“

In diesem Sinne: Hoffen wir als VfL Bochum-Fans auf das „emergente kollektive Phänomen“, das uns die ersten drei Punkte in der Saison 2008/2009 bringt. Ich muss zugeben, dass mir der Gedanke gefällt…

Mainzer, K. (2008): Komplexität

mainzer-komplexität.gifIn dem Taschenbuch (UTB) Mainzer, K. (2008): Komplexität geht der Autor auf den aktuellen Trend zur Komplexitätsforschung ein (Seite 10): „Komplexitätsforschung beschäftigt sich fachübergreifend mit der Frage, wie durch die Wechselwirkung vieler Elemente eines komplexen Systems (z.B. Moleküle in Materialien, Zellen in Organismen oder Menschen in Märkten und Organisationen) Ordnungen und Strukturen entstehen können, aber auch Chaos und Zusammenbrüche. Komplexitätsforschung hat das Ziel, Chaos, Spannungen und Konflikte in komplexen Systemen zu erkennen und ihre Ursachen zu verstehen, um daraus Einsichten für neue Gestaltungspotentiale der Systeme zu gewinnen.“ Zentrale Bedeutung haben hier Begriffe wie „Selbstorganisation“ und „Emergenz“. Mich interessieren dabei komplexe dynamische Systeme von Menschen in Märkten und Organisationen. Dazu habe ich in dem Taschenbuch wertvolle Hinweise gefunden. Siehe zu dem Thema auch Mitchell, S. (2008): Komplexitäten oder Malik, F. (2008): Wie Organisationen sich selbst organisieren.