Der Perspektivenwechsel von Closed AI zu Local AI hat auch eine gesellschaftliche Komponente

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Die großen Technologie-Konzerne bestimmen aktuell noch, wann welche Modelle verbessert werden, bzw. wann welche neuen Modelle auf den Markt kommen. Dabei haben wir am Beispiel Anthropic im April 2026 gesehen, dass auch mal Modelle nicht veröffentlicht werden – in dem Fall ging es um unkontrollierte KI-Agenten, die in Organisationen eingedrungen waren.

Big Tech entscheidet also, was wir als Nutzer zu sehen bekommen, und was nicht. Diese Asymmetrie zwischen den Nutzern und den Inhabern von großen Datenmengen führt zu einer sehr großen Macht der Big Tech, die diese natürlich auch über Lobbystrukturen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene nutzen.

Manche Regionen der Welt haben verstanden, dass es erforderlich ist, im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen positiven Nutzung der Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz, Grenzen zu setzen. Die Europäische Union hat das mit dem EU AI Act gemacht, und dafür ziemlich viel Kritik und Häme von Big Tech und der amerikanischen Administration erhalten. Dennoch ist festzustellen, dass eine Selbstregulierung der großen Tech-Unternehmen wohl nicht ausreichen wird, um negative gesellschaftliche Folgen der KI-Entwicklung abzumildern.

Neben der staatlichen/regionalen Eindämmung der negativen Auswüchse von Künstlicher Intelligenz, gibt es auch noch eine andere Möglichkeit, die Asymmetrie der Informationsbereitstellung und -Nutzung zu reduzieren: durch lokale Künstliche Intelligenz – Local AI.

At a fundamental level, local AI disrupts what has been called “algorithmic governance,” a phrase that describes how major technology companies (“Big Tech”) use their rmarket dominance to shape how information is accessed and how people connect in ways that influence the broader social order” (Just et al. 2017).

Just et al. (2017) sind somit der Auffassung, dass durch die Algorithmen der großen KI-Anbieter (Big Tech) Informationen nach deren Vorstellungen selektiert werden wodurch soziale Strukturen beeinflusst werden – die Autoren nennen das “algorithmic governance,” Demgegenüber kann Local AI auf gesellschaftlicher Ebene die Asymmetrie zwischen Big Tech und Governement überwinden.

Darüber hinaus ist die Verbindung von Local AI, Open Data und Open Source AI Modellen eine bemerkenswerte Chance, ein Stück Digitale Souveränität zurückzubekommen. Der AI Report 2026 der Stanford University zeigt hier deutlich auf, dass es weltweit einen Trend zu immer mehr Open Weight / Open Source KI-Modellen, und zu kleinen aber leistungsfähigen Modellen gibt, die sogar in der Zwischenzeit auf dem eigenen Laptop genutzt werden können (Edge Computing). Siehe dazu auch

Freund, R., Anisic, Z. (2026): Digital Sovereignty and Open-Source AI: The European Way for Innovative SMEs

Anisic, Z., Forza, C. (Eds): Proceedings of the 12th International Conference on Customization and Personalization, September 17-18, 2026, Balatonfüred, Hungary, pp. 86-95 · 17. Sep. 2026

Musik: Wie viel KI steckt in Deinen Playlists?

https://www.deezer.com/explore/de/ai-music-detector/

Überall wird Künstliche Intelligenz verwendet. bei Texten, Bilder, Videos und auch bei der Musik. Doch wieviel KI in den jeweiligen Musik-Titeln stecken wird uns oftmals nicht mitgeteilt. Um das herauszufinden, hat der Musik-Streamingdienst Deezer eine Plattform (Detector) geschaffen, auf der jeder seine Playlists – auch von verschiedenen Anbietern – überprüfen lassen kann.

Einerseits ein interessantes PR-Feature der Firma, andererseits setzt er andere Streamingdienstleister unter Druck, transparenter bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz in Musiktiteln zu werden. Ich bin sehr gespannt darauf, wie sich diese Plattform und die neue Kennzeichnungspflicht von KI-generierten Inhalten ab 02. August 2026 auswirken werden.

Article 50 of the EU AI Act introduces transparency obligations in four situations:
(1) when AI interacts directly with people,
(2) when AI generates synthetic content,
(3) when AI is used for emotion recognition or biometric categorisation, and
(4) when AI creates deepfakes or text published on matters of public interest.
Quelle: EU AI ACT Article 50

Was unterscheidet Künstliche Intelligenz von Suchmaschinen?

Conceptual technology illustration of artificial intelligence. Abstract futuristic background

Man könnte meinen, dass Künstliche Intelligenz (GenAI) doch nur eine Weiterentwicklung bekannter Suchmaschinen ist, doch dem ist nicht so. In einem Paper wird alles noch ausführlicher beschrieben. Hier nur ein Auszug:

“The intermediation role played by AI systems is altogether new: where the role of search engines has traditionally been to surface the most relevant links to answers of the user’s query, AI systems typically expose directly an answer… For the large number of content producers whose sustainability relies on direct exposure to (or interactions with) the final end user, this lack of reliable exposure makes it unappealing to leave their content crawlable for AI-training purposes.” (Hazaël-Massieux, D. (2024): Managing exposure of Web content to AI systems | PDF.

Für viele Content-Anbieter ist die Vorgehensweise der GenAI-Modelle von großem Nachteil, da diese direkte Ergebnisse liefern, und die Interaktionen mit dem User (wie bei den bisher üblichen Suchmaschinen-Ergebnissen) entfallen können. Die bekannten GenAI-Modelle (Closed Source) nutzen einerseits die vorab antrainierten Daten und andererseits live content (summarize this page), und machen daraus ein Milliarden-Geschäft.

Demgegenüber stehen erste allgemeine Entwicklungen wie EU AI Act, Urheberrecht, Datenschutz usw., die allerdings nicht ausreichend sind, sich als Content-Anbieter (Person, Unternehmen, Organisation, Verwaltung usw.) vor der Vorgehensweise der Tech-Giganten zu schützen.

Es müssen neue, innovative Lösungen gefunden werden.

Dabei wäre es gut, wenn jeder Content-Anbieter mit Hilfe eines einfachen Verfahrens (Framework) entscheiden könnte, ob und wie sein Content für die Allgemeinheit, für Suchmaschinen, für KI-Modelle verwendet werden darf.

… und genau so etwas gibt es in ersten Versionen.

Über diese Entwicklungen schreibe ich in einem der nächsten Blog-Beiträge noch etwas ausführlicher.

Aktuelle Studie der ETH Zürich: Kein populäres LLM entspricht den EU AI Act – Anforderungen

Künstliche Intelligenz mit seinen vielfältigen Möglichkeiten wird immer populärer. Die Europäische Union hat daher schon 2023 versucht, die Entwicklung so zu regulieren, dass einerseits (persönliche und organisationale) Rechte garantiert bleiben und anderseits, die Entwicklung von Innovationen nicht unnötig gebremst wird. Siehe dazu ausführlicher: EU AI Act: first regulation on artificial intelligence.

Natürlich stellt sich dabei sofort die Frage, ob die populären KI-Anwendungen mit ihren verwendeten Large Language Models (LLMs) diesen Anforderungen gerecht werden. In einer umfassenden Studie wurde das an der ETH Zürich nun untersucht, und am 10. Oktober 2024 veröffentlicht. Das Ergebnis ist ernüchternd;

„Finally, we applied our benchmarking suite to evaluate 12 popular LLMs, identifying that both current models and state-of-the-art benchmarks exhibit critical shortcomings in the context of the Act. In particular, none of the examined models are fully compliant with the requirements of the EU AI Act, and certain technical requirements cannot be currently assessed with the available set of tools and benchmarks, either due to a lack of understanding of relevant model aspects (e.g., explainability), or due to inadequacies in current benchmarks (e.g., privacy)“ (Guldimann et al. (2024): COMPL-AI Framework: A Technical Interpretation and LLM Benchmarking Suite for the EU Artificial Intelligence Act | PDF).

Ich bin sehr gespannt, was nun passiert, oder auch nicht passiert. Wird sich die EU mit ihren Anforderungen an KI-Anwendungen stärker durchsetzen, oder wird die Lobbyarbeit der verschiedenen Anbieter die Vorgaben mit der Zeit „aufweichen“. Möglicherweise gibt es auch einen dritten Weg: Open Source LLM erfüllt die Anforderungen und ist so leistungsfähig, wie die oftmals kommerziellen Angebote. Warum eigentlich nicht?