Warum kranken viele Systeme an ihrer Ineffizienz?

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Wenn es irgendwo nicht so läuft, wie man sich das vorstellt, kommt immer wieder die gleiche Antwort: Das System benötigt eben mehr Geld. Vergleichen wir unsere Systeme europaweit oder weltweit, so stellen wir oft fest, dass genügend Geld im System sein sollte – manchmal sogar zu viel Geld im System ist. Schauen wir uns einfach einmal an, warum wir immer wieder den Fokus auf Teilsysteme und nicht auf das Gesamtsystem richten.

Wenn wir uns die Medienlandschaft ansehen, geht es im Tagesgeschäft häufig darum, die Menschen aufzuscheuchen (Emotional zu packen) um Aufmerksamkeit und damit Klickraten zu generieren. Da beschweren sich beispielsweise die Landwirte, weil es regnet oder eben nicht, die Autofahrer, dass Benzin und Diesel teurer werden, dass die Lebensmittel schlechter und teurer werden, das Bildungssystem seit den 60er Jahren immer schlechter wird, das Sozialsystem und das Gesundheitssystem seit Jahrzehnten ausufern, unsere Energie- und Kommunikationssysteme zu sehr abhängig sind von anderen, unser Finanzsystem …. usw. usw.

Wie Sie der kleinen Auflistung entnehmen können, kommt häufig der Begriff „System“ vor. Im klassischen Problemlösungsansatz der Industriegesellschaft, ist es ganz einfach: Durch das Optimieren einzelner Bauteile wird das gesamte Produkt (System) optimiert. Das ist allerdings bei genauerer Betrachtung von Systemen ein gravierender Trugschluss.

Die isolierte Optimierung einzelner Teile führt oft zu einer Verschlechterung des Gesamtsystems. Ineffizienz entsteht somit aus Schnittstellenproblemen und mangelnder Kommunikation im Gesamtsystem.

Einige (kleine) Beispiele: (1) Eine Optimierung in einem isolierten landwirtschaftlichen System, in dem es fast ausschließlich um die Wirtschaftlichkeit geht, führt zu erhöhten Kosten im Gesundheitssystem. Industriell hergestellte Lebensmittel machen viele Menschen krank, und das seit Jahrzehnten. (2) Eine betriebswirtschaftliche Optimierung des Bildungssystems anhand industrieller Kennzahlen, führt zu erhöhten Kosten im Sozialsystem und dort wiederum zu einem Lock-in ganzer Familiengenerationen, die dann von sozialer Unterstützung abhängig werden. (3) Überall kritiklos Künstliche Intelligenz einzusetzen, führt zu erheblichen Vorteilen in manchen Bereichen, kann allerdings eine Gesellschaft insgesamt auf Grund der Schnelligkeit von Veränderungen überfordern – usw. usw.

Sicher sehen Sie in Ihrem Umfeld auch, wie alles mit allem zusammenhängt. Diese Vernetzungen sind über die Jahrzehnte immer mehr geworden, sodass die Komplexität in vielen Bereichen im Vergleich „zu früher“ erhöht ist. Komplexes Problemlösen unterscheidet sich allerdings fundmental von einfachem Problemlösungen.

Viele Menschen sind es nicht gewohnt in Systemzusammenhängen zu denken und zu handeln, da sie die einfachen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge aus der industriell geprägten Ära verinnerlicht haben. Dabei vertrauen Sie gerne einfachen Problemlösungen – auch gerne Stammtischparolen – weil diese vorgaukeln, dass die Lösung an einer bestimmten Stelle zu finden ist. Das möchte ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen.

Neue Fragen werden mit alten Lösungen angegangen. Es werden beispielsweise keine Systemanpassungen vorgenommen, sondern es wird erwartet, dass sich der Mensch an die neuen Herausforderungen anpasst. Wie Matthiesen et al, es formulieren: Eine Aufgabe, an der man nur scheitern kann:

„Zu den Missverständnissen, die das Dasein in Unternehmen, Universitäten, Behörden, NGOs, Theatern, Schulen und anderen Organisationen unnötig schwer machen, gehört die Annahme, Kern und Kernproblem einer Organisation seien die Menschen, die in ihr arbeiten. Diese Unterstellung macht den Einzelnen zum Puffer, der genötigt wird, jedes Organisationsversagen aufzufangen – eine Aufgabe, an der man nur scheitern kann. Statt das Verhalten des Einzelnen heroisch zu glorifizieren oder therapeutisch zu problematisieren, interessieren uns die Verhältnisse, in denen sich dieses Verhalten abspielt.“ (Matthiesen, K., Muster, J., Laudenbach, P. (2022). Die Humanisierung der Organisation. München: Vahlen).

Eine Systembetrachtung, die das Wohl der Menschen und der Umwelt zum Ziel hat, führt zu ganz anderen Herausforderungen (Systemsteuerungen) als einfach nur das Platte „wir brauchen mehr Geld“.

Öffentlichen Verwaltungen: Hybrides Projektmanagement bei Digitalisierungsprojekten

Öffentliche Verwaltungen haben etwas andere Anforderungen an ein Projektmanagement. In dem Blogbeitrag Gegenüberstellung: Öffentliche Verwaltung und Erfolgsfaktoren von Projekten habe ich erläutert, wie schwierig es für Öffentliche Verwaltungen ist, die Erfolgsfaktoren für ein erfolgreiches Projektmanagement zu erfüllen.

Dennoch kann eine stärkere Projektorientierung in Öffentlichen Verwaltungen den Ineffizienzkreislauf durchbrechen. Gerade für die vielen Digitalisierungsprojekte bietet sich oft ein Hybrides Projektmanagement an.

„Die klassische Methode wird im Gesamtprojekt eingesetzt, indem die wichtigsten Meilensteine sowie die Aufträge mit Hauptzielen für die Teilprojekte definiert werden. Hierfür wird auch eine Meilensteintrendanalyse (MTA) monatlich durchgeführt. Für die Neuermittlung der Restkosten und Restleistungen wird ebenfalls Cost to complete (CTC) monatlich durchgeführt. Die Berichtserstattung an die Lenkungsgruppe erfolgt alle 6 Wochen.

Die Teilprojekte werden agil geleitet. Zum Einsatz kommt dabei die Kanban Board-Technik, in der die Backlogs verwaltet werden. Die Teilprojektleiter haben die Freiheit, mit ihren Teams die Tasks in den Backlogs und deren Bearbeitungsreihenfolge zu definieren, um den Auftrag des Teilprojektes zu erfüllen“

Quelle: Meier et al. (2025), in Projektmanagement Aktuell 04/2025.