Unter der Überschrift Mitarbeitersuche als Glücksspiel berichtet SPIEGELONLINE von interessanten Ergebnissen verschiedener Forschungsprojekte. Unter anderem wird vermerkt, dass ca. „90 % der Auswahlverfahren unsinnig sind“ obwohl „Psychotests Intelligenz, Wissen oder Verhaltensweisen zuverlässig testen“ könnten. Diese werden aber in deutschen Unternehmen kaum eingesetzt. Das ist ein Problem, oder: Eine Chance für den, der es lösen kann. Mit dem EU-Projekt MIapp haben wir einen ersten wichtigen Schritt getan, moderne Intelligenzkonzepte in die betriebliche Praxis der Personalentwicklung zu übertragen. Siehe dazu auch den Blogbeitrag Wie kann man die Multiple Intelligenzen Theorie im Unternehmen nutzen. Ein spannendes Feld…
TouchGraph Google Browser: Ein tolles Tool zur Visualisierung der Verknüpfungen einer Website
Der TouchGraph Google Browser visualisiert die Verknüpfungen einer Website. In dem Bild sehen Sie die graphische Darstellung für meinen Weblog www.robertfreund.de/blog. Gehen Sie soch einfach einmal auf die Seite des TouchGraph Google Browser und geben Sie dort eine andere Website oder ein Stichwort, z.B. „Multiple Intelligenzen“ ein. Es ist einfach faszinierend zu sehen, welche (farbigen) Verbindungen dargestellt werden – toll.
Wie kann man die Multiple Intelligenzen Theorie im Unternehmen nutzen?
Die Multiple Intelligenzen Theorie wird schon erfolgreich im Bildungssektor angewendet. Erst nach und nach setzt sich die Erkenntnis durch, dass es auch in Unternehmen auf Lernprozesse ankommt. Es stellt sich daher die Frage, wie man die MI-Theorie auch in Unternehmen nutzen kann. Gardner (2002:233) gibt darauf folgende Antwort:
„Die Konzentration auf Sektoren legt eine mögliche Anwendung der MI-Theorie im Unternehmensbereich nahe. Wo in erster Linie Kommunikation als Ware im Mittelpunkt steht, nutzt man die Sprache oder andere Zeichensysteme. Die Sektoren Finanzen, Buchhaltung oder Naturwissenschaft stützen sich auf die logisch-mathematische Intelligenz, für publikumsbezogene Sektoren sind die personalen Intelligenzen wichtig. Auch die übrigen Intelligenzen werden eingesetzt: die musikalische und andere künstlerische Intelligenzen in der Unterhaltungsbranche, die körperlich-kinästhetische in den Branchen Sport, Kunst und Kunstgewerbe, die Raumintelligenz in den Sektoren Schifffahrt, Transport, Werbung und Graphik, die naturkundliche Intelligenz in Unternehmen, die mit Umwelt, Pflanzen, Tieren, Textilien und Ökologie zu tun haben, die intrapersonale im Bereich Karriereplanung und Selbsterfahrung (…).“
Dieser Hinweis kann allerdings auch falsch verstanden werden. Es geht hier nicht darum, eindeutige Zuwesungen wie „Buchhaltung <-> logisch-mathematische Intelligenz“ zu entwickeln. Denn es ist vielmehr so, dass in den verschiedenen beruflichen Domänen viele unterschiedliche Intelligenzarten wirken. Dieser Zusammenhang wird hier oftmals übersehen. Gerade in den Interaktion mit Kunden kann die MI-Theorie Unternehmen wichtige Hinweise geben.
Von intelligenten Kunden und intelligenten Unternehmen – und nicht nur von intelligenten Produkten
Wenn man sich die Werbung ansieht kommt man nicht umhin zu bemerken, dass alles um uns herum scheinbar intelligenter geworden ist (sein soll): Intelligente Autos, Intelligente Häuser, Intelligente IT-Systeme, Intelligente Bekleidung. Es ist verständlich, wenn Werber den Intelligenzbegriff (Konstrukt) dazu verwenden, Aufmerksamkeit zu wecken. Dennoch muss man sich auch die Frage stellen, ob wir es denn nicht auch (oder möglicherweise nur) mit intelligenten Menschen/Kunden zu tun haben. Es geht mir nicht um ein entweder-oder, sondern um ein sowohl-als-auch. Intelligente Kunden sind im Sinne der Multiple Intelligenzen Theorie auch intelligent anzusprechen. Multipel bedeutet also, den Kunden nicht nur logisch-mathematisch, sprachlich und in letzter Zeit auch emotional anzusprechen. Hier gibt es für Unternehmen die einmalige Chance, den intelligenten Kunden als Partner für gemeinsame Wertschöpfungen zu gewinnen. Möglicherweise entsteht aus dieser Kooperation dann auch noch ein multipel intelligentes Unternehmen, mit multipel intelligenten Mitarbeitern? Das sind Aussichten, die mir gefallen….
Prof. Spitzer zu Multiple Intelligenzen auf br-alpha als Online-Video
In der Sendereihe Geist & Gehirn auf br-alpha stellte Prof. Spitzer die Multiple Intelligenzen Theorie in beeindruckender Weise vor. Ganz besonders hat mir gefallen, dass Prof. Spitzer auch auf die verschiedenen Mißverständnisse zur MI-Theorie einging. Prof. Spitzer ist Direktor der psychiatrischen Uniklinik in Ulm. Wie können Sie sich das Video ansehen?
- Klicken Sie auf die Website von Geist & Gehirn
- Wählen Sie die Folge 101 Multiple Intelligenzen aus. Zum Abspielen benötigen Sie den realplayer
Selbstverständlich können Sie sich in diesem Zusammenhang auch die Folge 100 ansehen: Was ist Intelligenz?
Viel Spaß dabei…
PHORMS-Schulen erfassen und fördern Talente nach dem Konzept der Multiplen Intelligenzen
Man stelle sich vor: Eine Management-AG gründet Schulen, berücksichtigt die Stärken jedes einzelnen Schülers und orientiert sich an dem Konzept der Multiplen Intelligenzen. Sie glauben, das gibt es nicht? Doch, und zwar sind es die PHORMS-Schulen, die ein solches Konzept umsetzen. In dem Flyer wird ausdrücklich auf Seite 11 auf das Konzept der Multiple Intelligenzen hingewiesen. Als Initiator des EU-Projekts MIapp freut es mich das ganz besonders. Mal sehen, wie sich alles entwickelt. Zunächst werde ich versuchen, mit den Initiatoren Kontakt aufzunehmen.
Babutsidze, Z. (2007): How Do Consumers Make Choices? A Summary of Evidence from Marketing and Psychology
Ein spannendes Paper zur Frage, wie Kunden Entscheidungen treffen. Dabei betrachtet der Autor die Fragestellung aus der Perspektive des Marketing und der Psychologie (Siehe dazu auch Zu viel Auswahl macht depressiv). Zunächst werden verschiedene Konzepte und danach der Auswahlprozess beschrieben. In Kapitel drei geht es anschließend um den Umgang mit Informationen, dabei kommt man zu dem Schluss, dass der Auswahlprozess sehr individuell und einmalig ist (Siehe dazu auch Multiple Intelligenzen). Das sollte nicht so neu sein, ist es aber für viele Unternehmen schon, denn diese sprechen immer noch von DEM Kunden. Aber wer ist denn DER KUNDE? Es ist Herr „ABC“ oder Frau „XYZ“, die ganz individuell entscheiden. Jeder Mensch ist eben einmalig und es ist heute möglich, sich auf jeden einzelnen Kunden (Menschen) einzustellen (Siehe dazu Mass Customization und Open Innovation). Kunden (Menschen) sollten das einfordern und Unternehmen sollten es umsetzen. Warum auch nicht?
Martin, J. (2006): Multiple intelligence theory, knowledge identification and trust
Joyce Martin beschreibt in dem Artikel eindrucksvoll die Zusammenhänge zwischen Multiple Intelligenzen Theorie, Wissensidentifikation und Vertrauen. Dabei stellt sie zunächst die beiden erfolgsrelevanten Themen wie Wissen identifizieren und Wissen teilen vor. Anschließend stellt sie eine Verbindung zu Vertrauen her, denn ohne Vertrauen wird auch kein Wissen ausgetauscht. Interessant ist der direkte Zusammenhang (Seite 209):“Specific to this study, is the evidence that improved belief in the competencies of others is associated with greater trust (Butler et al 1999; Gabarro, 1978) and that when there is a belief or trust in the expertise of others, there is a greater seeking and exchange of knowledge (Cross & Sproull, 2004) [..] One tool that has been demonstrated to have these effects when applied in educational settings is Gardner’s theory of multiple intelligences.“ Das führt Joyce Martin dann auch noch anhand ihrer Studie weiter aus. Hat man also die die Multiplen Intelligenzen von Personen identifiziert und sind diese anderen auch bekannt, so fördert das das Vertrauen untereinander, womit der Austausch von Wissen (implizites Wissen) erleichtert wird. Interessant dabei ist, dass immer wieder von Intelligenzen bzw. Kompetenzen gesprochen wird. Den Zusammenhang stellt hier Rauner (2004) mit seinem Konzept der Multiplen Kompetenz her.
Open Innovation, Crowdsourcing, Swarm Intelligence usw. oder einfach nur Soziologie?
In dem Artikel Die andere Frankfurter Schule – zum Tode von Karl Otto Hondrich (Konrad Adam, DIE WELT vom 20.01.2007, Seite 27) findet man folgende Passage: „Man hat die Soziologie als die Wissenschaft vom Menschen in der Mehrzahl bezeichnet. Nicht was der Einzelne tut, denkt oder will, sondern wie die vielen reagieren, aus welchen Gründen und mit was für Folgen, erregt die Neugier.“ Genau solche Effekte sind Kerngedanken von Open Innovation, Crowdsourcing, Swarm Intelligence usw. Natürlich unterstützt durch die neuen technologischen Möglichkeiten – ja. Dennoch macht es Sinn, diese „neuen“ Konzepte noch viel stärker aus der soziologischen Perspektive und nicht nur aus der technischen Perspektive zu betrachten. Also auf einer soziologischen Basis aufbauend, die technologischen Möglichkeiten nutzen. Im Jahr der Geisteswissenschaften 2007 ist das ein guter Gedanke – was meinen Sie?
Intellektuelles Kapital und Multiple Intelligenzen?
Joyce Martin (2001:79) beschreibt den Zusammenhang so: „Soll ein Unternehmen überleben, muss es daher jedes verfügbare Instrument nutzen, nicht nur seine physischen Vermögenswerte, sondern auch sein intellektuelles Kapital zu erkennen. Eines dieser Instrumente, der Einsatz der vielfachen Intelligenzen, könnte genau diesen Wettbewerbsvorteil bringen, den ein Unternehmen braucht, um gegen die Herausforderungen des globalen Marktes zu bestehen.“ (Martin 2001:79). Dem kann ich mich nur anschließen …
