Künstliche Intelligenz, die Jagd nach AGI und der Intelligenz-Quotient

AI (Artificial intelligence) AI management and support technology in the Business plan marketing success customer. AI management concept.

Es ist erstaunlich, wie viele parallelen es zwischen dem Intelligenz-Quotienten (IQ) und den Entwicklungen bei Künstlicher Intelligenz gibt. Die großen Tech-Unternehmen versprechen immer mehr, dass die von ihnen entwickelten Large Language Models (LLMs) generelle Problemlöser sind, oder bald sein werden – ganz im Sinne von „One Size Fits All“.

Mich erinnert die Diskussion um so eine generelle künstliche Intelligenz (AGI: Artificial General Intelligence) an den lange propagierten allgemeinen Faktor (g-faktor) bei der menschlichen Intelligenz. Die Messbarkeit der menschlichen generellen Intelligenz erfolgt dabei mit Hilfe des bekannten Intelligenz-Quotienten, der seit über 100 Jahren in vielen gesellschaftlichen Bereichen genutzt wird. Diese Vorgehensweise passte perfekt zu der aufkommenden Industriegesellschaft, in der alles – wirklich alles – messbar gemacht wurde, auf wenn es möglicherweise gar nicht messbar war. Dann wurde es eben messbar gemacht.

Die folgende Beschreibung von AGI der Stanford University enthält allerdings auch kritische Anmerkungen.

„AGI stands for Artificial General Intelligence, which means an AI system with general, human-level (or beyond) ability to learn, reason, and apply knowledge across a wide range of tasks and domains. AGI systems conceivably could handle novel situations, not just perform well on a single, narrow task. The term is controversial in several ways, including that different people mean different things by „human-level intelligence,“ and there’s no universally accepted test, so claims are hard to verify. There are also safety and ethical concerns debated by AI experts“ (Source: Stanford University).

Der Hinweis auf ein unterschiedliches Verständnis darüber, was unter human-Level intelligence zu verstehen ist, macht deutlich, dass sich das über 100 Jahre alte Verständnis von Intelligenz weiterentwickelt, und den Begriff entgrenzt hat. Hinweise auf eine Emotionale Intelligenz oder auch eine Soziale Intelligenz usw. zeigen, wie vielfältig Intelligenz heute interpretiert wird Das ist auch erforderlich, da die heutige komplexe Welt mit den Kennzahlen der Industriegesellschaft nicht mehr komplett beschreibbar ist.

Die von Howard Gardner vorgestellte Multiple Intelligenzen Theorie hat demgegenüber als erste diese verschiedenen Dimensionen von Intelligenz zusammengefasst, wobei Howard Gardner von Intelligenz als bio-psychologisches Potential eines Menschen ausgeht. Diese Entgrenzung des Intelligenzbegriffs hat eine bessere Passung mit der heutigen komplexen Wissens- oder Kompetenzgesellschaft.

Der Begriff Künstliche Intelligenz ist danach eher als eine Art Kategorienfehler anzusehen. Es wundert daher nicht, dass manche vorschlagen, eher von Künstlicher Cleverness zu sprechen und zu schreiben. Auch die Konzentration von Intelligenz in einem Wert (IQ oder irgendwann AGI-Faktor) wird der heutigen Sichtweise nicht gerecht. Warum wird es trotzdem propagiert?

Bei den ganzen Begrifflichkeiten wird deutlich, dass es je nach Betrachter darum geht, die Welt auf einem einzigen (Intelligenz-) Souverän zurückzuführen (IQ oder AGI), oder die Welt als multidimensionales Konstrukt zu interpretieren. Ich tendiere eher zum zweiten Ansatz, und stehe den Heilsversprechen der Tech-Konzerne kritisch gegenüber.