Digitale Souveränität: Immer mehr junge Menschen interessieren sich für Open Source Anwendungen

Gerade bei jungen Menschen ist es angesagt, die bekannten proprietären Software-Anwendungen zu nutzen. Man zeigt, dass man IN ist, wenn man als junger Mensch beispielsweise die neuen KI-Modelle der großen Tech-Konzerne nutzen kann. Man glaubt, damit auch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben.

In der Zwischenzeit gibt es allerdings in der Gesellschaft durchaus auch ein Umdenken in Richtung Open Source Anwendungen. Der Grund ist, die technologische, digitale Abhängigkeit Europas von den USA und China, die zu vielfältigen Problemen führen kann (Kill Switch). Siehe dazu auch Digitale Souveränität: Europa, USA und China im Vergleich.

Europa ist daher seit einiger Zeit auf dem Weg zu einer eigenen Digitalen Souveränität, die natürlich nicht von heute auf morgen erreichbar ist. Dennoch ist dieser Schritt erforderlich und basiert auf Open Source Anwendungen.

Es fehlen allerdings Kompetenzen zu Open Source Software und Open Source Hardware (Skill Shortage), da sich in der Vergangenheit zu wenige Menschen für diese Themen interessiert haben. Für viele überraschend, begeistern sich heute immer mehr junge Menschen für Open Source Lösungen.

„Denn junge, gut ausgebildete IT-Expert:innen haben immer öfter kein Interesse daran, sich auf eine intransparente Blackbox-Anwendung zu spezialisieren. Stattdessen ist ihr Interesse an Open-Source-Lösungen gestiegen, ebenso wie der Anspruch, mit der eigenen Arbeit nicht nur zu wirtschaftlichem Erfolg sondern auch zum Gemeinwohl beizutragen“ OSBA (2026): Open Source ist Schlüsselrolle für Staat und Wirtschaft.

Da immerhin 264 Milliarden Euro von europäischen Organisationen pro Jahr für nicht-europäische Technologien ausgeben werden, entsteht in Zukunft ein großer Markt, wenn wir mehr auf europäische Technologien setzen. Alleine wenn nur 30% von 264 Milliarden Euro in den kommenden Jahren ersetzt werden könnten, wären das auf europäischer Ebene fast 80 Milliarden Euro pro Jahr – mit steigender Tendenz.

Digital Resilience Index für die eigene Organisation ermitteln

https://digitalresilienceinitiative.org/en#piliers

Über Digitale Souveränität habe ich in unserem Blog schon viel geschrieben. Dabei sollte es Ziel sein, die Organisation resilienter gegenüber äußeren Einflüssen zu machen. In der Zwischenzeit stürzen sich die Berater auf das Thema, obwohl sie noch vor kurzer Zeit den Einsatz bekannter, proprietärer Anwendungen „verkauft“ haben – Digital Sovereignty Washing kann man das wohl nennen.

Die Digital Resilience Initiative ist laut eigenen Angaben „eine Non-profit association in the process of registration“ [01.09.2026]. Sie bieten eine offene und strukturierte Methode an, Digitale Resilienz anhand von 8 Dimensionen und 5 Layer zu analysieren. Wie die Abbildung zeigt, werden die Ergebnisse dann anhand von entsprechenden Grafiken angezeigt.

Grundsätzlich finde ich das einen guten Ansatz, doch ist es gerade für Kleine und Mittelständische Unternehmen (KMU) oft unklar, an welchen Stellen begonnen werden sollte. Immerhin ist ja, je nach Perspektive, alles wichtig.

Ich favorisiere an dieser Stelle eher ein Wirkungsnetz für das spezifische KI-System der Organisation, das ähnlich wie bei der Wissensbilanz-Toolbox aufgebaut ist. daraus können dann entsprechende Generatoren abgeleitet werden, die die Ressourcen der KMU schonen und trotzdem auf das Geschäftsergebnis ausgerichtet sind. Siehe dazu KI-System im Mittelstand: Von der Wissensbilanz lernen.

Wie so etwas für innovative Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) in Europa in Bezug auf Künstliche Intelligenz aussehen kann, stelle ich in zwei Paper auf der MCP-Konferenz 2026, vom 16.-19.09.2026 in Balatonfüred (Ungarn) vor:

Digital Sovereignty and Open-Source AI: The European Way for Innovative SMEs

Open-Source AI for Open User Innovation: Designing a Personal Fabrication Framework

Um das 30-fache unterscheiden sich je nach KI-Modell die Tokens – und damit die Kosten

https://longjubai.github.io/agent_token_consumption/

Wenn es um die Wirtschaftlichkeit von KI-Agenten geht, kommt es bei den Token-Kosten oftmals zu regelrechten Abrechnungsschocks. In ihrem Paper

Bai et al (2026): How Do Coding Agents Spend Your Money? Analyzing and Predicting Token Consumptions in Agentic Coding Tasks | https://arxiv.org/abs/2604.22750

haben die Forscher genauer untersucht, wie die Coding Agenten das Geld der Nutzer „ausgeben“. Ich möchte an dieser Stelle nur eine der vielen Erkenntnisse aus dem Paper wiedergeben: Es gibt wohl bei dem gleichen Task Unterschiede bis zum 30-fachen bei der Anzahl der Tokens – und damit der Kosten.

„(…) token usage is highly variable and inherently stochastic: runs on the same task can differ by up to 30× in total tokens, and higher token usage does not translate into higher accuracy; instead, accuracy often peaks at intermediate cost and saturates at higher
costs“ (Bai et al. 2026).

Gerade Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) mit ihren doch eher begrenzten Ressourcen sollten hier aufpassen.

Interessanterweise haben die Forscher zu ihrem ausführlichen Paper auch eine Website mit den wichtigsten Erkenntnissen erstellt. Dort ist wiederum ein kleines Spiel integriert, bei dem man anhand einer Problemstellung die voraussichtlich benötigten Token und die damit verbundenen Kosten schätzen kann – spannend.

Wir empfehlen auch aus diesen Gründen eher Local AI – also lokal ausgeführte Open Source KI-Modelle zu nutzen. Das kann zusammen mit einer Microsoft Alternative wie Nextcloud auf einem eigenen Server geschehen, oder als Edge Computing sogar mit Hilfe geeigneter Apps wie Ollama und Langflow, auf dem eigenen Laptop. In unserem Blog finden Se dazu viele Beiträge.

Solche Ansätze können die Innovationsfähigkeit gerade von KMU unterstützen, indem sie ein unternehmensspezifisches KI-System nutzen, bei dem alle generierten Daten beim Unternehmen bleiben – ganz im Sinne einer Digitalen Souveränität.

Wie so etwas für innovative Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) in Europa in Bezug auf Künstliche Intelligenz aussehen kann, stelle ich in zwei Paper auf der MCP-Konferenz 2026, vom 16.-19.09.2026 in Balatonfüred (Ungarn) vor:

Digital Sovereignty and Open-Source AI: The European Way for Innovative SMEs

Open-Source AI for Open User Innovation: Designing a Personal Fabrication Framework

264 Milliarden Euro geben europäische Organisationen pro Jahr für nicht-europäische Technologien aus

Image by Willfried Wende from Pixabay

Es ist bekannt, dass alleine der Bund pro Jahr ca. 500 Millionen Euro alleine an Microsoft-Lizenzen bezahlt. Weniger bekannt ist, dass auf der europäischen Ebene die Beträge sehr viel höher sind, wenn wir digitale Technologien insgesamt betrachten. Es sind sage und schreibe 242 Milliarden Euro, die europäische Organisationen pro Jahr für nicht-europäische Technologien ausgeben. Auf der Seite von EuroCommons sind dazu insgesamt 11 kritische Komponenten genannt.

€264bn spent every year by European organisations on non-European digital technologies.

A call to large European public and private organisations and to open source vendors to join collective working groups — coalitions — to plan, prepare, finance and execute concrete migrations away from proprietary software dependencies. Together. In project mode. With peers facing the same problems.

Source: EuroCommons (abgerufen am 26.08.2026)

Es ist natürlich weltfremd, wenn man von heute auf morgen alle technologischen Abhängigkeiten durch europäische Lösungen ersetzen wollte, doch wird seit einiger Zeit mehr umgesetzt, als man es noch vor wenigen Jahren gedacht hat.

Wie wäre es, wenn man auf europäischer Ebene nur 50% der 264 Milliarden Euro, also immerhin 132 Milliarden Euro, in europäische Technologie investieren würde?

Beispielsweise ersetzen immer mehr Open Source Lösungen wie Nextcloud, OnlyOffice usw. die bekannten Microsoft-Produkte und auch auf der Ebene der Künstlichen Intelligenz gibt es sehr viele europäische, ja sogar länderspezifische Open Source KI-Modelle. etc. Siehe dazu auch Open Street Map: Europäische Open Source KI Modelle in den jeweiligen Landessprachen.

Neben der wirtschaftlichen Komponente ist allerdings auch ein möglicher Kill Switch ein bedeutender Treiber für die Entwicklung zur Digitalen Souveränität.

„In der öffentlichen Diskussion ist der „Kill Switch“, also die Einschränkung oder Abschaltung digitaler Dienste für einzelne Personen, Organisationen oder sogar ganze Staaten, ein viel beachtetes Thema. Eine zentrale Rolle spielt dabei US-Präsident Donald Trump, der öffentlich damit gedroht hat, den Zugang zu US-Digitaldiensten, wie denen der Hyperscaler, einzuschränken oder vollständig zu sperren“ (Lünendonk-Studie 2026).

Durch die Nutzung von Open Source Anwendungen im Rahmen europäischer Werte und Normen können neue, innovative Ansätze entstehen, die sich von den chinesischen und US-amerikanischen Vorgehen unterscheiden. Siehe dazu Digitale Souveränität: Europa, USA und China im Vergleich.

Wie so etwas für innovative Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) in Europa in Bezug auf Künstliche Intelligenz aussehen kann, stelle ich in zwei Paper auf der MCP-Konferenz 2026, vom 16.-19.09.2026 in Balatonfüred (Ungarn) vor:

Digital Sovereignty and Open-Source AI: The European Way for Innovative SMEs

Open-Source AI for Open User Innovation: Designing a Personal Fabrication Framework

Open Source AI: Das Modell Olmo 1B auf dem eigenen Laptop nutzen (Edge Computing)

https://allenai.org/olmo

Das Allen Institute Ai2 ist eine non-profit Organisation mit Sitz in Seattle. Sie hat sich das Ziel gesetzt, Open Source AI Modelle für allgemeine oder spezielle Anwendnungen bereitzustellen. Die Modelle sind also keine Open Weight, sondern wirkliche Open Source Modelle.

In diesem Beitrag soll es um das Olmo-Modell 1B gehen, das so klein und dennoch leistungsstark ist, dass es auf einem handelsüblichen Laptop laufen kann (Edge Computing). Da ich die Ollama-App auf meinem Laptop installiert habe, konnte ich das Modell mit dem folgenden Befehl (cmd) unter Windows 11 herunterladen. Der Vorteil einer aktuellen Version der Ollama-App ist, dass diese schon GGUF-Modelle nutzen kann:

ollama run hf.co/NikolayKozloff/AMD-OLMo-1B-Q8_0-GGUF:latest

Nachdem der Download abgeschlossen war, wurde mir das Modell in der Ollama-App sofort in den Auswahlmöglichkeiten angezeigt – allerdings als Olmo 2 (Abbildung). Der Grund liegt in der Architekturverwandtschaft der Modelle und der Benennung bei Huggingface. Ai2 hat das Modell Olmo 1B auf Basis von Olmo 2 für das Edge Computing optimiert.

Screenshot aus der Ollama-App mit OLMo2 (OLMo 1B) und einer Abfrage zu Open User Innovation

Meine Frage nach Open User Innovation wurde zügig und gut beantwortet. Es ist schon erstaunlich, dass so kleine Modelle auf dem eigenen Laptop problemlos laufen und auch noch brauchbare Antworten liefern.

Gerade für Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) stellen Open Source KI-Modelle eine gute Basis dar, unabhängiger von den großen KI-Modellen zu werden, denn für viele Anwendungen reichen auch kleine Modelle aus. Gerade wenn man diese dann noch mit den eigenen Daten nutzt und diese dann auf dem eigenen Laptop bleiben – ein unschätzbarer Schritt in Richtung der Digitalen Souveränität. Siehe dazu auch

Die neue Olmo3 Modell-Familie

Open Source AI: Molmo 2 mit Schwerpunkt auf Videos

Mit FlexOlmo Trainingsmodelle kollaborativ erarbeiten – eine interessante Idee

Auf der MCP 2026 (16.-19.09.2026, Balatonfüred, Ungarn) gehe ich auf diese Zusammenhänge in zwei Präsentationen ein.

Digitale Souveränität – auch mit Open Source Hardware

https://oshwa.org/

Wenn es um Open Source geht, denken wir meistens an Open Source Software (OSS), die in vielen Anwendungen zu finden sind – auch in der Robotik. Es leuchtet ein, dass gerade Open Source AI (Open Source Künstliche Intelligenz) auch für die komplexen Steuerungen von kleinen und größeren Robotern verwendet wird.

Parallel dazu gibt es eine Entwicklung, die gar nicht so im Fokus zu stehen scheint. Es ist der weltweite Trend, auch Open Source Hardware zu entwickeln. Die Open Source Hardware Association (OSHWA) hat dazu aktuell 3.369 Projekte zertifiziert (Abbildung). Was versteht die Non-Profit Organisation unter Open Source Hardware?

„Open source hardware is hardware whose design is made publicly available so that anyone can study, modify, distribute, make, and sell the design or hardware based on that design. The hardware’s source, the design from which it is made, is available in the preferred format for making modifications to it“ (OSHWA).

Dieses Verfügbarmachen von Hardware für alle ist eine Grundidee von offenen Systemen, in denen man sich einbringen kann, deren Ergebnisse man auch einfach nur nutzen kann. Es ist erstaunlich wie viele Menschen sich dafür engagieren, und in diesem Sinne auch sozial handeln.

Natürlich gibt es nicht nur die OSHWA, sondern noch weitere Organisationen, die Open Source Hardware fördern.

„However, with the rise of open source chip design initiatives such as the OpenHW Foundation, the FOSSi Foundation lowRISC, the Chips Alliance, the Beijing Institute of Open Source Chip, or the PULP Platform, new opportunities have emerged to make hardware development more accessible and competitive“ (Wallentowitz and Wohlrab (2026): Open Source and the New Regulations on Hardware, in Eclipse Foundation, 2026).

Zusammen mit den Entwicklungen bei Open Source Software stellen die Aktivitäten bei Open Source Hardware dazu bei, Digitale Souveränität auf mehreren Ebenen zu erreichen. Ich bin gespannt, was die jeweiligen Communities in den kommenden Jahren noch entwickeln werden.

Open Source AI: Ministral 3B auf dem eigenen Laptop nutzen

Screenshot von meiner Ollama App, die auf Ministral 3B als Open Source Ki-Modell zugreift

In verschiedenen Blogbeiträgen hatten wir aufgezeigt, wie in der Nextcloud mit Hilfe von Local AI Open Source KI-Modelle von Mistral AI genutzt werden können. Siehe dazu beispielhaft Digitale Souveränität: Wie kann ein KI-Modell aus LocalAI in den Nextcloud Assistenten eingebunden werden?

Dazu ist es allerdings empfehlenswert, für Local AI nicht den Server zu nutzen, auf dem Nextcloud läuft. Ein weiterer Server ist allerdings gerade für Kleine und Mittlerer Unternehmen (KMU) ein Aufwand, den viele scheuen. Wie kann es also kostengünstiger gehen?

In der Zwischenzeit gibt es von Mistral AI in der Model-Familie Mistral 3 auch das Modell Ministral 3B (inkl. Vergleichstabellen), das mit seiner Leistungsfähigkeit sogar das Modell Mistral 7B übertrifft, weil Ministral 3B sehr kompakt ist und gerade für die Nutzung auf normalen Laptops entwickelt wurde (Edge Computing).

Wie kann man Ministral 3B auf seinem eigenen Laptop nutzen?

(1) Um das Modell bequem zu nutzen, bietet sich die App Ollama an, die Sie zunächst auf Ihrem Laptop installieren.

(2) Nun laden Sie Ministral 3B auf Ihren Laptop herunter. Wenn Sie Windows 11 installiert haben geht das wie folgt: Tastenkombination Windows-Taste + R drücken, cmd in das Textfeld eingeben und mit Enter bestätigen. Mit dem Befehl ollama run ministral-3:3b wird das Modell (3GB) heruntergeladen.

(3) Das KI-Modell können Sie anschließend direkt in der Ollama-Oberfläche in einem Rollfeld auswählen. In der Abbildung sehen das rechts unten mit einem roten Rechteck hervorgehoben.

(4) In meinem Fall habe ich Ministral 3B eine komplexe Frage zu Open User Innovation aus der Perspektive von Eric von Hippel gestellt, die zügig und gut beantwortet wurde.

Die Nutzung eines Open Source KI-Modells (Open Weight Models) auf dem eigenen Laptop bietet für Freelancer oder Kleinen Unternehmen die Möglichkeit, leistungsfähige KI-Modelle auf Ihrer eigenen Infrastruktur ohne zusätzliche Kosten zu nutzen.

Gleichzeitig ist Ministral 3B ein Modell, dass auf dem Open Source Gedanken beruht, europäische KI- und Datenschutz- Standards beachtet und somit einen wichtigen Schritt in Richtung der eigenen Digitalen Souveränität aufzeigt.

Auf der MCP 2026 (16.-19.09.2026, Balatonfüred, Ungarn) gehe ich auf diese Zusammenhänge in zwei Paper ein:

Digital Sovereignty and Open-Source AI: The European Way for Innovative SMEs

Open-Source AI for Open User Innovation: Designing a Personal Fabrication Framework

Open Source Software Country Intelligence Report Germany 2026

https://interoperable-europe.ec.europa.eu/sites/default/files/inline-files/germany-2026-osor-country-report.pdf

Deutschland entwickelt sich immer mehr zum Treiber beim Einsatz von Open Source Software in Europa. Der nun veröffentlichte Report der Europäischen Kommission stellt die verschiedenen Aktivitäten übersichtlich und strukturiert dar. Interessant dabei ist, dass gerade Öffentliche Verwaltungen als Vorbilder für den sinnvollen Einsatz von Open Source Software hervorgehoben werden.

„At the local level, states and cities have played a consistent role in advancing open source adoption, often ahead of the federal government. Schleswig-Holstein has been a leading example, developing a clear open source strategy that other states have drawn on. Thüringen and Munich are also significant actors. Munich’s trajectory is particularly notable: the city was an early adopter of open source software, before going back to proprietary software in 2017. Munich has since come back to open source software to reduce dependencies and strengthen its digital autonomy, reflecting a broader shift in political and practical conditions“
Source: European Commission (2026) Open Source Software Country Intelligence Report Germany 2026 | PDF

Die stärkere Nutzung von Open Source Software sollte der erste Schritt sein, sich von den kommerziellen Anwendungen etablierter Tech-Konzerne unabhängiger zu machen. Wie wir wissen, ist das schon für viele eine große Hürde, da sich Personen und Organisationen in eine Pfadabhängigkeit begeben haben. Der Aufwand, sich nun Open Source zuzuwenden, ist nicht wegzudiskutieren, doch übersteigt der Nutzen von Open Source Software die Kosten deutlich.

Weiterhin sollte berücksichtigt werden, dass Open Source Software auch bedeutet, mehr Open Source AI (Open Source Künstliche Intelligenz) einzusetzen. Es macht keinen Sinn, für die Standardabläufe in der Organisation auf Open Source Software zu setzen, und weiterhin proprietäre KI-Modelle zu nutzen. Siehe dazu auch Die erfolgreiche Open Source KI Geschichte.

Es geht somit darum, auf der persönlichen Ebene, auf der Teamebene und auf der organisationalen Ebene ein auf Open Source basierendes Gesamtsystem zu nutzen, um Digitale Souveränität, und damit verbunden eine gewisse Resilienz gegenüber dem turbulenten Umfeld zu erzielen.

Auf der MCP 2026 (16.-19.09.2026, Balatonfüred, Ungarn) gehe ich auf diese Zusammenhänge in zwei Paper ein:

Digital Sovereignty and Open-Source AI: The European Way for Innovative SMEs

Open-Source AI for Open User Innovation: Designing a Personal Fabrication Framework

Digitale Souveränität in Deutschland: Von der Einstellung zur Umsetzung – eine deutliche Kehrtwende in Zahlen

Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich alles ändern kann. Vor mehreren Jahren, als ich auf Konferenzen die Digitale Abhängigkeit von amerikanischen Tech-Konzernen gerade bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz angesprochen hatte, wurde der Hinweis eher belächelt.

In der Zwischenzeit ist in Europa der Gedanke einer Digitalen Souveränität nicht nur als neue Einstellung angekommen, sondern ist in vielen Bereichen schon zu erkennen, dass die Einstellung in Handlungen umgesetzt werden. Das ist nicht eine von mir formulierte Wunschvorstellung, sondern kann in der Zwischenzeit durch aktuelle Zahlen bestätigt werden.

„Digitale Souveränität wandelt sich innerhalb eines Jahres von einer Frage der Einstellung zu einer Frage der Umsetzung. Fast doppelt so viele Unternehmen in Deutschland befinden sich 2026 aktiv in der Einführung europäischer Software-Lösungen: 39,7 Prozent gegenüber 20,4 Prozent im Vorjahr. Der Anteil derer, die einen Wechsel innerhalb der nächsten sechs Monate planen, steigt von 3,9 Prozent auf 20,4 Prozent um über 400 Prozent. Gleichzeitig bricht der Anteil der Entscheider, die keine europäische Software einführen wollen, von 47,7 auf 4,6 Prozent fast komplett ein. Die Zahl der Unentschlossenen sinkt von 17,4 auf 3,9 Prozent. Eine klare Kehrtwende“  MYRA Security GmbH (2026) Unchartered Waters. State of Digital Sovereignty 2026 (PDF).

Siehe dazu auch  Open Street Map: Europäische Open Source KI Modelle in den jeweiligen Landessprachen und Skill shortage: Es fehlen Kompetenzen zu Open Source Software und Open Source Hardware.

Auf der internationalen Konferenz MCP 2026, 16.-19.09.2026, Balatonfüred, Ungarn gehe ich auf diese Zusammenhänge in zwei meiner Paper ein.

Künstliche Intelligenz und das Internationale Seerecht: Vom Mare Clausum zum Mare Liberum

Image by Christine JAMIN from Pixabay

In der Veröffentlichung MYRA Security GmbH (2026) Unchartered Waters. State of Digital Sovereignty 2026 (PDF) habe ich eine interessante Analogie gefunden, die ich hier in eigenen Worten wiedergeben möchte, obwohl Analogien / Vergleiche immer etwas hinken.

Wenn man sich mit dem Begriff der Souveränität beschäftigt, kann man bis zum 16. Jahrhundert zurückgehen. Dabei ging es zunächst um die Rolle des Souverän als Gewaltmonopol, mit Bodin (1530–1596) als Vordenker. Doch gibt es auch einen Bezug zu Souveränität, wenn wir uns die Entwicklung des Seerechts ansehen.

Durch die globale Vernetzung über die Weltmeere kam es schon im 15. Jahrhundert immer wieder zu Auseinandersetzungen, obwohl sich Spanien und Portugal in dieser Zeit im Vertrag von Tordesillas (1494) die Weltmeere aufgeteilt hatten. Es waren dabei zwei souveräne Meere entstanden, die von dem jeweiligen Land beansprucht wurden. In diesem Sinne kam es also zu jeweils geschlossenen Meeren: Lateinisch: Mare Clausum – Englisch: Closed Sea.

Um die dadurch immer wieder auftretenden Konflikte zu lösen, schlug Hugo Grotius vor, die Meere als offene Meere zu sehen, die allen zur Verfügung stehen sollten. Er veröffentlichte „1609 die Schrift Mare Liberum, die das niederländische Begehren eines freien Handels zur See unterstützt und juristisch begründet“ (Quelle: Wikipedia). Lateinisch: Mare Liberum – Englisch: Open Sea. „Der Teil der Weltmeere, der außerhalb einer Dreimeilenzone lag (Seemeile, 1852 m), galt als internationales Gewässer“ (Internationale Gewässer).

„Damals stand Mare Clausum – das geschlossene Meer – gegen Mare Liberum. Europa will keine Isolation und keinen „Konflikt“ gegen amerikanische oder asiatische Technologie. Es will verhindern, dass kritische digitale Infrastruktur faktisch in fremden Hoheitszonen gefangen bleibt. Die Forderung Europas nach digitaler Souveränität bedeutet in diesem Sinne dasselbe, was Grotius damals forderte: offene Räume, faire Regeln und echte Wahlfreiheit. Freiere digitale Weltmeere für eine neue Generation von Händlern“ (MYRA Security GmbH, 2026).

Ich kann mir hier die Analogie zu Closed Source AI und Open Source AI nicht verkneifen, auch wenn der Vergleich etwas hinkt. Dennoch: Open Source AI ist der zukunfsträchtigere Weg, Künstliche Intelligenz für alle Nationen und ihren Menschen nutzbar zu machen.

Es sollte nicht sein, dass das Machtmonopol nur bei einigen Wenigen liegt, die rein kommerzielle und kaum gesellschaftliche Interessen verfolgen. Das Beispiel des Seerechts zeigt auf, dass es sinnvoll ist, geschlossene Räume zu öffnen. Siehe dazu auch Open Source AI: Besser für einzelne Personen, Organisationen und demokratische Gesellschaften.

Auf der internationalen Konferenz MCP 2026 (16.-19.09.2026, Balatonfüred, Ungarn) gehe ich auf diese Zusammenhänge in zwei meiner Paper ein.