Arbeit in der Industrie war geprägt durch Routinetätigkeiten in Massenproduktioneprozessen. Der Film Modern Times mit Charlie Chaplin zeigt das deutlich und komisch. Der Mensch, Lieferanten und Kunden werden in solchen Prozessen wie ein austauschbare „Teile“ angesehen. Wissensbasierte Arbeit ist anders. In wissensbasierten (Geschäfts-) Prozessen kommt der Wissenskonstruktion durch den Menschen und dem damit verbundenen Umgang mit impliziten Wissen eine besondere Bedeutung zu.
Reinmann, G. (2008): Lehren als Wissensarbeit? Persönliches Wissensmanagement mit Weblogs
In dem Artikel Reinmann, G. (2008): Lehren als Wissensarbeit? Persönliches Wissensmanagement mit Weblogs (IWP – Information Wissenschaft & Praxis, 2008, Heft 1, Seiten 049-057) erläutert die Autorin u.a. wie mit Hilfe von Weblogs, persönliches Wissensmanagement betrieben werden kann. Darüber hinaus wird die Frage gestellt, ob Lehren nicht auch Wissensarbeit bedeutet. Abstract:
„Wissensarbeit und Wissensmanagement sind Konzepte, die bislang vorrangig im Unternehmenskontext diskutiert und untersucht werden. Interpretiert man Lehren als eine Form von Wissensarbeit, wird auch für Schule und Hochschule vor allem das persönliche Wissensmanagement interessant, das persönliche Kompetenzentwicklung wie auch kollaboratives Lernen und Arbeiten anregen und verbessern kann. Anhand von Einzelbeispielen aus der Blogosphäre wird gezeigt, wie Lehrende in ihrer Rolle als Wissensarbeitende von Web 2.0-Anwendungen profitieren können und inwiefern Weblogs ein vielfältiges Instrument zum persönlichen Wissensmanagement sind. Anhand eines Modells zum persönlichen Wissensmanagement wird die Verbindung individueller und kollaborativer Prozesse herausgearbeitet. Wie Lehrende darin unterstützt werden können, persönliches Wissensmanagement zu lernen, wird wiederum anhand zweier Beispiele beschrieben. Die beiden Fortbildungsbeispiele aus dem Bereich des E-Learning sind für das Thema deshalb hilfreich, weil sie selbst formale Bildungsangebote mit informellem Lernen und damit auch mit persönlichem Wissensmanagement verknüpfen.“
Aus meiner Sicht sind „Lehrende“ auch Wissensarbeiter, die sich allerdings nicht im Unternehmenskontext, sondern im universitären/schulischen Kontext bewegen. Wenn dem so ist, könnte man natürlich auch Führungskräfte in Lernenden Organisationen als „Lehrende“ bezeichnen, wobei sich die Unterschiede bei der „Lehrtätigkeit“ auf den Kontext beschränken würden. Die jeweilige Kontextsteuerung (Ermöglichungsräume) gerät immer stärker in den Fokus und somit weniger der Content. Siehe dazu auch Content is King – but Context rules.
Wie kann man Wissensarbeit analysieren?
Der Artikel Hermann, S. (2004): Produktive Wissensarbeit – Eine Herausforderung. In: S. Hermann (Hrsg.): Ressourcen strategisch nutzen: Wissen als Basis für den Dienstleistungserfolg. Stuttgart: Fraunhofer – IRB Verlag, 2004, S. 205-224 stellt die Besonderheiten der Wissensarbeit sehr gut dar. Beispielsweise wird vorgschlagen, die Einschätzung der Kompetenz-/Wissensanforderungen folgendermaßen vorzunehmen (Seite 16): „Als Grundlage hierfür dient das Modell von Quinn et al. (1996), das unterscheidet zwischen:
– Erkenntnismäßigem Wissen (´Know-what´): das zur Beherrschung eines Fachgebietes notwendige, in einer gründlichen Ausbildung erworbene Wissen
– Hoch entwickelten Fertigkeiten (´Know-how´): Fähigkeit, das reine ´Bücherwissen´ erfolgreich auf komplizierte Probleme des Alltags anzuwenden
– Verständnis der systemischen Zusammenhänge (´Know-why´): fundierte Kenntnis von Ursache-Wirkungs-Beziehungen; hoch entwickelte Intuition, welche die Experten dazu befähigen, schwierigste Probleme zu lösen.
– Kreativität aus eigenem Antrieb (´Care-why´): Wille, Motivation und Gespür für Erfolg
Jedem Arbeitsschritt wird eine der vier Kompetenzstufen zugeordnet. Dabei wird immer die höchste Kompetenzstufe (Care-why -> Know-why -> Know-how -> Know-what) angegeben, die zur Bewältigung der Arbeitsaufgabe erforderlich ist. Auf diese Weise erhält man einen sehr guten Überblick darüber, wo im Tagesgeschäft Wissensarbeit geleistet wird. Entsprechend lassen sich aber auch neue Tätigkeiten modellieren.“
Da die Prozessbeschreibungen in den meisten Unternehmen vorliegen (Qualitätsmanagement-System), kann man mit dieser Methode gut und einfach den nächsten Schritt in Richtung Wissensmanagement machen (Qualitätsmanagement als Ankerpunkt für Wissensmanagement). Probieren Sie es doch einmal aus. Siehe dazu auch Hube, G. (2005): Beitrag zur Beschreibung und Analyse von Wissensarbeit und Kleske, J. (2006): Wissensarbeit mit Social Software.
Tochtermann/Köck/Willfort (2007): Creativity (at) Work in der Wissensarbeit
Der Artikel Creativity (at) Work in der Wissensarbeit (wissensmanagement 1/2007) beschreibt die wichtige Rolle der Kreativität für Innovationen und somit für wissensbasierte Arbeit. Dabei erläutern die Autoren den Unterschied zwischen Blue Collar Work, White Collar Work und Creative Knowledge Work. Weiterhin weist man auf das Tool Neurovation hin, das gerade für wissensbasierte Arbeit eingesetzt werden sollte. Sollten Sie ergänzend zu dem Artikel noch weitere Informationen dazu benötigen, so gibt es auch ein Video und ein Buch zu dem Thema: Willfort, R., Tochtermann, K., Neubauer, A. (2007) Creativity@Work für Wissensarbeit. Kreative Höchstleistungen am Wissensarbeitsplatz auf Basis neuester Erkenntnisse der Gehirnforschung. Shaker Verlag: Aachen. 120 S., 25 Abb., 1 Tab., EUR 24,80, ISBN 978-3-8322-6028-6
Willke, H. (1998): Wissensarbeit in Intelligenten Organisationen
In dem Beitrag erläutert Prof. Willke Zusammenhänge zwischen Wissensmanagement und Intelligente Organisation. Dabei fallen einem gleich einige Fragen ein:
- Gibt es wirklich Intelligente Organisationen?
- Was ist, wenn Intelligente Personen in Dummen Organisationen arbeiten (müssen)?
- Gibt es überhaupt Dumme Organisationen?
- Wie sieht der IQ eines Unternehmens aus? Kann man diesen wie bei einem Menschen bestimmen?
- Ist der IQ beim Menschen und bei Organisationen Unsinn?
- Bringen uns neuere Intelligenzkonzepte auf individueller und organisationaler Ebene weiter?
Hube. G. (2005): Beitrag zur Beschreibung und Analyse von Wissensarbeit
In dieser Dissertation erläutert der Autor sehr schön, was man heute unter dem Begriff der „Wissensarbeit“ versteht. Daraus ergeben sich weiterhin interessante praktische Ansätze zur Beschreibung und letztendlich zur Analyse solcher Tätigkeitsportfolios. Darüber hinaus kann man auch Hinweise zum Umgang (Management) mit „Wissensarbeit“ ableiten. Der Beitrag kann eine gute Grundlage für eine anwendungsorientierten Umgang mit dem Thema „Wissen managen“ in Organisationen sein.
Kleske, J. (2006): Wissensarbeit mit Social Software
Konzeption & Entwicklung eines Systems für die kollaborative Wissensarbeit in der Forschung basierend auf Social Software. Diplomarbeit an der FH Darmstadt.
Was ist eigentlich „Wissensarbeit“?
Das Fraunhofer IAO definiert auf dieser Website den Begriff „Wissensarbeit“. Viele benutzen ihn in den täglichen Diskussionen etwas anders als hier vorgeschlgen. Es hilft, wenn man sich an der Defition des IAO orientiert.
