Halbwissen in Weiss: Ein Bericht in DER SPIEGEL vom 30.12.2006

In dem Artikel von Veronika Hackenbroch wird die Frage gestellt: „Warum kommt medizinisches Wissen oft nicht oder zu spät im klinischen Alltag an?“ Beispielhaft wird darauf verwiesen, dass viele Mediziner nicht wissen, ab wann man von Bluthochdruck spricht. Darüber hinaus wird angemerkt, dass es wohl an den vielen Informationsbroschüren nicht liegen kann. Die unterschwellige Ratlosigkeit kommt meines Erachtens daher, dass man Information immer Kontext,noch zu stark mit Wissen gleich setzt – dem ist aber nicht so. Informationen werden in dem jeweiligen Kontext des Mediziners zu Wissen. Dabei wird dieses Wissen dann selbstorganisiert (Selbstorganisationsdisposition=Kompetenz) so angewendet, dass ein Problem des Patienten gelöst wird. Es ist also der Übergang von Information zu Wissen und Kompetenz, der näher zu beachten ist. Durch die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien liegen häufig nur Daten und Informationen vor. Es ist ein gutes Zeichen, dass in vielen Artikel auf diese Zusammenhänge hingewiesen wird.

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2 Antworten auf „Halbwissen in Weiss: Ein Bericht in DER SPIEGEL vom 30.12.2006“

  1. Oder HALBWISSEN als „best guess“?

    Die Headline des Spiegel-Artikels, mit dem Schlagwort Halbwissen, erinnert
    mich an einen bdw-Artikel „Halbwissen als Erfolgskonzept“. Hierbei wird
    das Thema Heuristik im Bezug auf Alltagsvorgänge und Entscheidungen dar-
    gestellt.
    Der Artikel ist leider (noch?) nicht im Onlinearchiv verfügbar.
    Ein Link zu dem Thema: http://www.mpib-berlin.mpg.de/de/forschung/abc/index.htm

    Ist die Heuristik ein Aspekt der „Kompetenzbildung“ ?

  2. Vielen Dank für den Link auf das interessante Thema.

    Der Umgang mit Wissen ist zunächst einmal immer auch der Umgang mit Nicht-Wissen. Willke von der Universität Bielefeld
    http://www.uni-bielefeld.de/soz/globalgov/Personen/Willke.html
    hat dazu einige Hinweise gegeben. Auch das aktuelle Buch von „Schneider, Ursula (2006): Das Management der Ignoranz“ zeigt auf, dass es sich möglicherweise nicht um Halbwissen, sondern um den Umgang mit Nicht-Wissen handelt. Diese Verschiebung der Perspektive hätte m.E. weitreichende Konsequenzen.

    Gruber 1999 ist der Auffassung, dass die Unterscheidung von deklarativen und prozeduralen Wissen erklärt, wie sich routinisierte bzw. automatisierte Handlungsmuster herausbilden. Das Wissen von Experten ist dabei größtenteils prozeduralisiert. Insofern erscheint es einleuchtend, dass Automatismen, Faustregeln (Heuristik) zum Themenkomplex Kompetenz gehören.

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