Sovereignty Washing – was ist das denn schon wieder?

Bild generiert mit Mistral AI

Na ja, wir alle kennen das Green Washing, Dabei geht es darum, dass sich Unternehmen als unweltfreundlich und umweltbewusst darstellen, es allerdings nicht sind.

In der Zwischenzeit kommt noch das Open Washing bei KI-Modellen hinzu. Gemeint ist hier, dass sich Unternehmen das Attribut „Open Source AI“ geben, die Modelle allerdings eher Closed Source Modelle sind. Siehe dazu die veröffentlichte Definition zu Open Source AI.

Nun kommt noch das Sovereignty Washing hinzu. Nachdem in den letzten Jahren immer klarer wurde, dass wir uns in Europa in eine gefährliche digitale Abhängigkeit begeben haben, ist ein Trend in Richtung Digitale Souveränität auf dem Markt deutlich zu erkennen. Nun wollen (natürlich) Marktteilnehmer, die eher für Closed Source Angebote bekannt sind, von diesem Trend profitieren und verpassen ihren Angeboten das Label „Souveränität“ oder in englischer Sprache „Sovereignty“.

„Gemeint sind Angebote, die europäische Kontrolle versprechen, aber zentrale Abhängigkeiten fortschreiben. Anbieter werben mit Rechenzentren in der EU, lokalen Tochtergesellschaften oder souverän klingenden Produktnamen. Zugleich bleiben Konzernstrukturen, Administrationsrechte, technische Steuerung oder rechtliche Zugriffspfade außerhalb Europas bestehen“ (Myra Security GmbH, 2026).

Wie bei Greenwashing oder Open Washing ist auch hier keine Digitale Souveränität drin, wo Digitale Souveränität draufsteht. Wie können Sie das überprüfen, ob ein Angebot ein Höchstmaß an Digitaler Souveränität bietet?

„Ein Höchstmaß an Digitaler Souveränität bietet eine digitale Lösung dann, wenn sie:

rechtssicher/DSGVO-konform betrieben werden kann (bspw. ohne Zugriff durch ausländische Behörden auf Daten).

Wechselfähigkeit ermöglicht (d. h. kein Vendor-Lock-in besteht),

Kontrolle sichert (auch bei Ausfall, Sperrung oder Wechsel von Dienstleistern),

Transparenz bietet (z. B. durch einsehbaren Quellcode)

und anpassbar und gestaltbar ist (z. B. durch Weiterentwicklung in der Community oder durch Dienstleister).“

Quelle: Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) GmbH (2025): Souveränitäts-Washing bei Cloud-Diensten erkennen. Warum Digitale Souveränität mehr ist als ein Standortversprechen | Whitepaper (PDF).

Siehe dazu auch Der Kill-Switch und Digitale Souveränität.

Auf der internationalen Konferenz MCP 2026 (16.-19.09.2026, Balatonfüred, Ungarn) gehe ich auf diese Zusammenhänge in zwei Paper ein.

Künstliche Intelligenz: Kostenlose, unabhängige Online-Kurse – auch für Open Source KI

https://ki-campus.org/

Durch die neuen Möglichkeiten, Künstliche Intelligenz (KI, englisch AI) im privaten Umfeld, in Unternehmen und Öffentlichen Verwaltungen einsetzen zu können, entsteht natürlich ein riesiger Weiterbildungsbedarf.

In erster Linie versuchen die etablierten Anbieter proprietärer KI-Systeme durch „kostenlose“ Online-Lehrgänge mit firmeneigenem Zertifikat Personen und Organisationen an sich zu binden. Ich habe dabei das Wort „kostenlos“ absichtlich in Anführungszeichen gesetzt. Der Grund ist, dass diese Lehrgänge sich natürlich auf die KI-Modelle beziehen, die diese Unternehmen anbieten. Durch die Gewöhnung an die KI-Modelle entsteht eine Pfadabhängigkeit, die die Unternehmen dann später für die Kommerzialisierung nutzen. Die Nutzer solcher Angebote zahlen also mit ihrer KI-Abhängigkeit.

In der Zwischenzeit gibt es auf dem Weiterbildungsmarkt auch wieder sehr viele Angebote, die sich mit Künstlicher Intelligenz befassen. Dabei wird in den Ausschreibungen nicht immer angegeben, um welche KI-Modelle es sich handelt. Auch verwenden diese Angebote oftmals die gewohnten KI-Modelle, die die führenden Tech-Unternehmen anbieten. Es handelts sich hierbei um seine subtilere Art, seine Produkte in den Markt zu bringen, und die Nutzer auch über diesen Weg in die KI-Abhängigkeit zu führen.

Weiterbildungen im Bereich Open Source KI-Modelle findet man nicht so oft. Es besteht hier allerdings ein großer Bedarf, da viele Personen, Unternehmen und Öffentliche Verwaltungen gar nicht wissen, was mit Open Source KI möglich ist. Siehe dazu Skill shortage: Es fehlen Kompetenzen zu Open Source Software und Open Source Hardware.

Es freut mich daher, dass der KI-Campus hier eine Alternative bietet. Die vom Bund geförderte, gemeinwohlorientierte Initiative bietet kostenlose Online-Kurse (auch mit Zertifikat) für jeden und jede Organisation an. Dabei wird auch die strategische Bedeutung von Open Source KI (Closed Source AI – Open Source AI), Datensouveränität (Digitale Souveränität) durch Open Source KI thematisiert.

„Der KI-Campus ist die Lernplattform des Stifterverbandes für Künstliche Intelligenz. Mit kostenlosen Onlinekursen, Videos, Podcasts und Tools stärken wir als gemeinwohlorientierte Initiative KI-Kompetenzen in der Gesellschaft. Kooperation und Offenheit sind dabei Leitprinzipien für unsere Arbeit.“

Wenn es Ihnen also um Digitale Souveränität, Datenschutz und Transparenz bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz geht, sollten Sie sich überlegen, ob Sie sich nicht einmal mit Open Source AI befassen – am besten mit einem der vom KI-Campus dazu angebotenen kostenlosen Online-Kursen.