The New Media Consortium and EDUCAUSE Learning Initiative (2007): The Horizon Report

In dem Horizon Report 2007 geht es um das veränderte Umfeld für Universitäten und um neue Trends, die sich in den nächsten 5 Jahren bemerkbar machen sollen (S. 6): User-Created Content, Social Networking, Mobile Phones, Virtual Worlds, The New Scholarship and Emerghing Forms of Publication, Massively Multiplayer Educational Gaming. Ich muss zugeben, dass mich dieser Report und die darin beschriebenen Trends nicht sonderlich überraschen, da diese Trends schon längst bekannt sind. Interessanter sind aus meiner Sicht Fragen zur dazugehörenden neuen Methodik/Didaktik, die teilnehmerorinetiert ist und eher einer Ermöglichungs-, als einer Erzeugungsdidaktik entspricht. Technologische Möglichkeiten und Trends sind wichtig und müssen beobachtet werden, dennoch ist es gleichermaßen wichtig, individuelle und kollektive Lernprozesse zu ermöglichen und zu unterstützen. Dabei können neue Technologien helfen oder blockieren. Also: Von E (minus) Learning zu Learning (plus) E. Weiterhin könnten diese Bemerkungen natürlich auch für Unternehmen gelten, da wir dort ja auch von Lernenden Organisationen und Wissensmanagement sprechen -oder?

Was hat die Globalisierung mit einzelnen Jobprofilen zu tun?

Lord Anthony Giddens (Soziologe) hat in der heutigen Ausgabe der Welt am Sonntag (S. 26) unter der Überschrift Eine neue Globalsierung interessante Anmerkungen zum Thema gemacht: “Denn in ihrer nächsten Phase wird sich die Globalisierung auf einzelne Jobs oder Jobprofile auswirken. (…) , da es darauf ankommt, welche Art von Job jemand im Einzelnen macht. (…) Die Berufsausbildung sollte, wo immer möglich, nicht zu speziell sein, da es in Zukunft auf Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ankommt.” Wieder ein Indiz für meine Auffassung, Jobprofile aus der Sicht der Multiplen Intelligenz zu analysieren und darüber hinaus, Kompetenzentwicklung (Selbstorganisationsdisposition) in den Mittelpunkt zu stellen: Eben Multiple Kompetenzen.

Täglich Reifen wechseln?

In der heutigen Ausgabe der Welt am Sonntag stellt Michael Braun in seinem Beitrag zum Thema Winterreifen auf Seite 26 fest, dass wir Deutschen fast die Hälfte der Winterreifenproduktion in Europa gekauft haben, obwohl wir nur 17 Prozent der Gesamtbevölkerung in Europa ausmachen. Der Einfluss der Reifenlobby hat doch ganze Arbeit geleistet. Wenn man allerdings laut Straßenverkehrsordnung (Mai 2006) “geeignete” Autobereifung haben muss und die Sommerreifen über 7 Grad Celsius besser sind, bedeutet das doch, dass wir heute (Außentemperatur: 8 Grad Celsius) die Sommerreifen aufziehen müssen… und wehe die Außentemperatur wechselt täglich unter bzw. über 7 Grad Celsius: Permanentes Reifenwechsel ist die Folge – Beeindruckend.

Was hat Open Innovation mit Selbstorganisationsdisposition zu tun?

Reichwald/Piller (2006:44) nennen Prinzipien der Interaktiven Wertschöpfung. Unter anderm unter

Punkt 6: Interaktive Wertschöpfung bildet eine neue Form der Arbeitsteilung auf Basis von Granularität (Mikro-Spezialisierung), Selbstselektion und -koordination

Punkt 9: Interaktive Wertschöpfung verlangt Kompetenzen sowohl auf Seiten der Kunden als auch der Anbieter

Darüber hinaus heben die Autoren auf Seite 58 hervor, dass sich Unternehmen und Kunden in unterschiedlichen Domänen bewegen. In eine ähnliche Richtung argumentieren Burmeister/Neef/Linnebach (2006): Sie möchten eine Erweiterung des Innovationsprozesses durch Kontextdenken. Den Selbstselektions- und -koordinationsbezug (Reichwald/Piller) möchte ich gerne durch die Selbstorganisationsdisposition (Kompetenz nach Erpenbeck) erweitern und darüber hinaus Kompetenz kontextabhängig betrachten. In Summe ergeben diese Überlegungen, dass Unternehmen und Kunden ihre jeweiligen Selbstorganisationsdispositionen so aufeinander abstimmen müssen, dass es für alle Beteiligten von Vorteil ist (Wert schöpfend ist). Ein nicht gerade einfaches Unterfangen …oder?

Können Kompetenzen eines Unternehmens statisch und dynamisch sein?

In den Unternehmen wird häufig von den sogenannten Kernkompetenzen gesprochen, die eine Organisation hat. Diese Art der Zuschreibung deutet oftmals auf ein eher statisches Verständnis des Kompetenzbegriffs auf Unternehmensebene hin. Es kommt zu unangenehmen Verfestigungstendenzen. Die Theorie der Pfadabhängigkeit beschreibt dieses Phänomen. Andererseits sollen Unternehmen natürlich dynamisch und innovativ sein. Das führt zu der Frage, wie sich Kompetenzen bilden. Nach Ethiraj et al. (2005) sollte man daher fragen: “Where do capabilitues come from and how do they matter?” Viele Autoren favorisieren deshalb dynamische Kompetenzmodelle, die beide Anforderungen berücksichtigen. Schreyögg/Kliesch (2005) schlagen z. B. ein Kompensationsmodell vor, dass über ein Kompetenzmonitoring beide Extrempositionen verbindet. Ich frage mich in diesem Zusammenhang, wie man Multiple Kompetenzen in einem dynamischen Kompetenzmodell berücksichtigen kann.

Was hat Wirtschaft mit Bildung zu tun, und was hat Bildung mit Wirtschaft zu tun?

In letzter Zeit gibt es immer mehr Stimmen, die von einer Kommerzialisierung der Bildung sprechen, oder besser: warnen. Beispielsweise wenn ein Hörsaal nach einer Firma benannt oder die Wirtschaftlichkeit im Bildungssystem angemahnt wird. Dabei wird übersehen, dass es auch zu einer stärkeren Beachtung von Lernprozessen in der Wirtschaft kommt. Wir sprechen von einer Lernenden Organisation, von Wissensmanagement und von Intellektuellem Kapital. Meiner Ansicht nach hat Gardner (2002:227ff.) den Zusammenhang treffend beschrieben:

“In den meisten Regionen halten sich Wirtschaft und Bildungssektor mit nervöser Wachsamkeit im Auge. Die Geschäftswelt erscheint als mächtig und unlenksam, die Welt der Bildung als warmherzig und verletzlich. Herrschen im Lande günstige Voraussetzungen, nimmt die Spannung zwischen Wirtschaft und Bildung ab, in Zeiten der Konflikte oder Knappheit von Ressourcen flammt der Argwohn auf. In guten wie in schlechten Zeiten bemängeln die Firmen die unzureichende Ausbildung der Schulabgänger, beklagen die Schulen die unzureichende finanzielle Unterstützung der Bildungseinrichtungen. In den Vereinigten Staaten und einigen anderen Ländern macht sich in Wirtschaftskreisen die Überzeugung breit, man habe das Zeug dazu, das Steuer auch im Schulwesen zu übernehmen. Es werden Versuche lanciert, dieses Wissen zum Beispiel durch Site-based Management oder Qualitätsmanagement in den Schulen zur Anwendung zu bringen oder die Schulen als Non-Profit- oder Profit-Einrichtungen zu verwalten. Die beiderseitige Überzeugung, dass man in verschiedenen Sphären operiert hat es der Schule und der Wirtschaft erschwert, zu konfliktfreiem Kontakt und sinnvoller Zusammenarbeit zu finden, mit der Folge, dass beide Institutionen sich weitgehend darüber im unklaren sind, wie viele Aufgaben und Möglichkeiten sie gemeinsam haben. In beiden Sektoren steht Lernen im Zentrum: Wer in der Geschäftswelt überleben will, für den hört im Beruf das Lernen nicht auf.”

Wir sollten daher nicht von Wirtschaft oder Bildung sprechen, sondern von Wirtschaft und Bildung. Es ist eine deutliche Konvergenz zu beobachten – und wohin führt diese Konvergenz in Wirtschaft/Bildung?

Informationen zu den Lehrgängen und zu aktuellen Terminen finden Sie auf unserer Lernplattform.

Was haben die großen Füße der Südafrikanerinnen mit Mass Customization zu tun?

In der heutigen Printausgabe von Die Welt kann man unter dem Titel Am Kap der großen Füße folgendes finden: “Mehr als 80 Prozent von ihnen sind demnach unzufrieden mit ihrem Schuhwerk – Die Mustermaße der südafrikanischen Schuhindustrie gehen noch auf die Kolonialzeit zurück. Weitere Vermessungen der Frauenfüße des Landes sollen nun die Basis für neue, besser angepasste Vorlagen schaffen.” Da so viele unzufrieden sind, werden nun neue Standardvorlagen ermittelt – als ob das die Lösung ist. Besser wäre es, wenn man endlich zur Kenntnis nehmen würde, dass jeder Mensch einzigartig ist und somit auch seine Füße einzigartig sind. Und das nicht nur in Südafrika, sondern auch bei uns in Europa. Anstatt Standardprodukte (die nicht passen) in z.B. Asien fertigen zu lassen, sollte sich die europöische Industrie daran orientieren, kundenindividelle Massenfertigung zu betreiben – eben Mass Customization. Beispiele in vielen Branchen zeigen, dass das möglich ist.

Ganz besonders deutlich wurden die neuen Möglichkeiten in dem europäischen Leitprojekt zu Mass Customization in der Schuhindustrie aufgezeigt: Das Euro-Shoe-Projekt. Schauen Sie sich doch einmal die Broschüre bzw. die Customer Animation dazu an. Oder laden Sie sich die zip-Datei Dreaming a Shoe herunter, entpacken Sie diese und starten Sie die Flash-Animation. In der Zwischenzeit gibt es sogar schon wieder ein Folgeprojekt zu Euro-Shoe. Auf den verschiedenen MC-Weltkonferenzen habe ich erfahren können, wie MC in der Schuhindustrie erfolgreich umgesetzt werden kann. Ich frage mich häufig: Warum werden diese Chancen so wenig genutzt? Durch Mass Customization in der Schuhindustrie (aber auch in der Textilindustrie usw.) könnten durchaus wieder Arbeitsplätze aus Asien nach Europa zurückgeholt werden.

Atwell, G. (2007): Personal Learning Environments – the future of eLearning?

Der Beitrag von Graham Attwell (eLearning Papers, Vol. 2, No. 1, January 2007) untersucht die Möglichkeiten von persönlichen Lernumgebungen (Lern-Kontexten). Dabei ist mir besonders folgende Passage aufgefallen (S. 2-3): “It is argued that we all have different styles of learning and approach learning in different ways. Although this would seem self-evident, attempts to theorise and classify such learning styles are less than convincing. Personally, I do not think I have one particular learning style but use different learning styles and different ‘intelligences’ in different contexts, different subjects and in different knowledge – domains and in response to different learning aims and goals.” Leser meines Blogs wissen, dass ich ähnliche Ansichten vertrete. Siehe Kompetenz ist kontextabhängig – Intelligenz aber auch oder meine Vorträge zu MCP in der Bildung, speziell mein Paper von der ElearnChina2003. Entscheidend ist die Selbstorganisationsdisposition (Kompetenz nach Erpenbeck) in verschiedenen Kontexten (Domänen). Von E (minus) Learning zu Learning (plus) E. Aus der Sicht eines Wissensarbeiters ist interessant, wie Graham auf Seite 5 sein Lernumfeld mit Hilfe von Open Source Programmen gestaltet. Machen Sie das doch für sich selbst auch einmal….

Weiterbildung in einer wissensbasierten Gesellschaft

Heute gibt es wieder einmal viele Berichte über die Situation der Weiterbildung in Deutschland. Beispielhaft die Artikel in der Financial Times Deutschland. Exklusiv berichtet Maike Rademaker Arbeitsagentur fordert Reform der Weiterbildung und in einem Leitartikel Weiterbildung – Hilfloses Herumdoktern geht es (wieder einmal) um den Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Man findet in dem Leitartikel den Satz: “Dort sitzen alle Beteiligten – Unternehmer, Staat, Arbeitnehmer und Bildungsträger – an einem Tisch und organisieren das lebenslange Lernen”. Die genannten Institutionen organisieren das Lebenslange Lernen? Besser wäre es, wenn diese Institutionen sich darauf konzentrieren würden, Lebenslanges Lernen zu ermöglichen. Vom Lehren zum Lernen, vom Lehren zum Aneignen usw. – eben Weg von der Erzeugungsdidaktik und hin zur Ermöglichungsdidaktik. Meine Anmerkungen sollen darauf aufmerksam machen, dass wir alle den Begriff “Weiterbildung” verwenden, aber nicht alle den Begriff gleich deuten. “Weiterbildung in einer eher wissensbasierten Gesellschaft” sieht anders aus als eine “Weiterbilung in einer eher industriell geprägten Gesellschaft”. Es werden also neue Fragen gestellt, aber leider oftmals alte Antworten gegeben. J. Levy, Keynote auf der ELearnChina2003, beschreib das so: A truck is not a horse.

Wissensmanagement in der Region Nordhessen

Die IHK Zeitschrift Wirtschaft Nordhessen wird in ihrer Märzausgabe über das Thema Wissensmanagement berichten. Die Ankündigung im Heft 2.2007: “Wissensmanagement ist auch für die nordhessische Region eine der interessantesten Herausforderungen der Zukunft. Wie können Unternehmen ihr intellektuelles Kapital noch besser (…)”. Ich bin gespannt, wie man die Themen Wissensmanagement und Intellektuelles Kapital (Wissensbilanz – Made in Germany?) darstellen wird.