Neue Broschüre „Patient Customized Engineering“ erschienen

Nachdem die Massenproduktion von Gesundheitsdienstleistungen und -produkten nun langsam aber sicher an ihre (Verschwendungs-)Grenzen stößt, werden individuelle Dienstleistungen und Produkte im Gesundheitswesen immer stärker gefragt. Schon 2007 habe ich in dem Beitrag Personalisierte Medizin stellt einen Zukunftsmarkt dar – Mass Customization and Personalization im Gesundheitswesen darauf anhand eines Fraunhofer-Beitrags hingewiesen. Die nun vorliegende Broschüre „Patient Customized Engineering“ geht über die Personalisierung von Medizin hinaus und ist auf das Customized Engineering insgesamt ausgerichtet. Der Engineering-Begriff geht ursprünglich auf das Scientific Management zurück: „In der Umsetzung handelt es sich immer um Arbeitsgestaltung“ (Quelle: Wikipedia) und weniger um das Wohl des Menschen…? Weiterhin werden die Begriffe Customization und Personalization nicht deutlich unterschieden (Siehe dazu Verwirrende Begriffsvielfalt), geschweige denn, Open Innovation, Co-Creation oder sogar User Innovation erwähnt. Gerade letzeres ist allerdings sehr aktuell, denn das Projekt Patient Innovation stellt den Patienten in den Mittelpunkt der Betrachtungen und ermöglicht über eine Plattform den Austausch von selbst entwickelten Lösungen. Oftmals sind es Problemlösungen, die die Industrie nicht anbietet, weil es sich „nicht rechnet“. Auf der Konferenz Leading Open Innovation in München wurden einige solcher interessanten Beispiele genannt. Siehe dazu auch Corral, M. (2010): Put User in the Center for Services und What is Patient Innovation?

Kultur- und Kreativpiloten 2013 ausgezeichnet: Müsste es nicht besser Innovationspiloten heissen?

Die Website Kultur- und Kreativpiloten Deutschland zeichnet seit 2010 Ideen aus, die letztendlich auch umgesetzt wurden. In diesem Jahr 2013 sind es 32 Preisträger aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands – Herzlichen Glückwunsch! Auffällig ist allerdings schon, dass recht viele Preisträger aus Berlin sind… Da es sich um umgesetzte Ideen handelt, sind es aus meiner Sicht eher Innovationen, als Ideen, denn Ideen entspringen einer individuellen Kreativität, die dann gemeinsam mit anderen zu Innovationen weiterentwickelt werden. Siehe dazu Kreativität wird oftmals mit Innovation verwechselt (Pöppel, E.; Wagner, B. 2012:14).

Co-Creation am Beispiel des Hotels Klaus K in Finnland

In diesem Blog habe ich schon des öfteren über die Tourismusbranche geschrieben, zuletzt im April in dem Beitrag Co-Creation in der Tourismusbranche nutzen. So ganz überzeugt war ich von dem genannten Beispiel allerdings noch nicht. Der Artikel Co-Creation. The Better Together Paradigm (erschienen in der Finnair Blue Wing March 2013) geht schon einen Schritt weiter und beschreibt sehr schön, wie das Hotel K in Helsinki von einer Facebook-Initiative (Innovative Ideen für eine Lobby) profitiert hat (Seite 29): „Future Klaus K Hotel projects include increasing the current capacity of 137 rooms to 160 rooms and adding 400 square feet of solar roof panels. ´We will most certainly use co-creation again in other initiatives,´ says Skvorc.“ Es wundert mich immer noch, dass Hotels – und etwas breiter formuliert – die Möglichkeiten von Co-Creation nicht besonders oft nutzen. Wenn die ersten erfolgreichen First Moder der Branche erst einmal die Innovations-Schlucht übersprungen haben, werden wohl viele auf den Zug aufspringen. Doch kann es dann schon zu spät sein, denn Co-Creation bedeutet nicht nur, neue technologische Möglichkeiten zu nutzen, sondern auch anders zu denken. In einer Wirtschaft, die Co-Creation – und nicht das Unternehmen – in den Mittelpunkt stellt, werden andere Kompetenzen für den Erfolg benötigt…

IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg startet im Rahmen des OpenAlps-Projekts eine Open Innovation Plattform

In diesem Blog habe ich schon des öfteren über das EU-Projekt OpenAlps berichtet (OpenAlps 2011-2014: Open Innovation in Alpine SMEs). Da gerade kleine und mittelständische Unternehmen noch sehr reserviert sind gegenüber Open Innovation ist es sehr gut, dass die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg nun eine Open Innovation Plattform im Rahmen des OpenAlps-Projekts startet. Siehe dazu auch Studie zu Open Innovation im Mittelstand zeigt deutlich Weiterbildungsbedarf auf. In dem von uns entwickelten Blended Learning Lehrgang Innovationsmanager/in (IHK) gehe ich auf das Thema Open Innovation intensiv ein. Sollten Sie an dem Lehrgang interessiert sein, so finden Sie hier Termine.

The Global Innovation Index 2013

Der Report The Global Innovation Index 2013 (PDF) zeigt einige wichtige aktuelle Entwicklungen auf, von denen ich nur zwei hervorheben möchte. Einerseits hat mir der Artikel von Qian Xiangjiang, James Peng, and Joe Kell y, Huawei Technologies: Open Innovation: The View of an ICT Leader in Distributed Global Innovation (S. 95ff.) gut gefallen, da die Autoren darin die verschiedenen Entwicklungsstufen im Innovationsbereich bei Huawei Technologies aufzeigen. Am Ende wird deutlich, dass Open Innovation notwendig ist, um die heutigen Anforderungen zu meistern. Weiterhin hebt der Global Innovation Index 2013 hervor, dass lokale Innovationen eine immer wichtigere Bedeutung gewinnen. Aus meiner Sicht ist das nur zwingend, denn Innovationen entstehen in Interaktionen mit anderen (Inside/Outside). Diese Co-Prozesse (Co-Working, Co-Creation …) sind oftmals sozial eingebettet (social embeddedness of economic action). Siehe dazu auch Customer Co-Creation and Social Embeddedness und  Lukac, D.; Freund, R. (2012): Open Innovation, Social Embeddedness of Economic Action and its Cultural Determinants

Was macht Living Labs so interessant?

Ein Living Lab ist ein „user-centred, open-innovation ecosystem“ (Quelle: Wikipedia). Dabei bezieht sich die Wikipedia-Website bei ihrer Quellenangabe auf Eric von Hippel und Henry Chesbrough. Das ist aus meiner Sicht nicht ganz korrekt, da sich Eric von Hippel viel stärker auf den einzelnen User konzentriert und Henry Chesbrough den einzelnen User mit seinem innovativen Potential eher für die Unternehmen nutzen möchte. Eric von Hippel kann sich dagegen durchaus eine Zukunft ohne Unternehmen vostellen. Dass sich die beiden Perspektiven fundamental unterscheiden hat Eric von Hippel in einem Paper wie folgt beschrieben: “ An innovation is ‘open’ in our terminology when all information related to the innovation is a public good – non-rivalrous and non-excludable. This usage is closely related to the meaning of open in the terms ‘open source software’ (Raymond 1999) and ‘open science’ (Dasgupta and David 1994). It differs fundamentally from the recent use of the term to refer to organizational permeability – an organization’s ´openness´ to the aquisition of new ideas, patents, products, etc from outside its boundaries, often via licensing protected intellectual property (Chesbrough 2003) (Source: Baldwin/von Hippel 2009:4-5)“ (Siehe dazu auch diesen Blogbeitrag). Insofern sehe ich die folgende Beschreibung von European Living Labs eher in der Tradition von Eric von Hippel:

The European Network of Living Labs (ENoLL) is the international federation of benchmarked Living Labs in Europe and worldwide (…). A Living Lab is a real-life test and experimentation environment where users and producers co-create innovations. Living Labs have been characterised by the European Commission as Public-Private-People Partnerships (PPPP) for user-driven open innovation. A Living Lab employs four main activities:

  1. Co-Creation: co-design by users and producers
  2. Exploration: discovering emerging usages, behaviours and market opportunities
  3. Experimentation: implementing live scenarios within communities of users
  4. Evaluation: assessment of concepts, products and services according to socio-ergonomic, socio-cognitive and socio-economic criteria.

Lean Innovation – Wie passt das zusammen?

Lean Production ist seit dem Klassiker zu dem Thema Womack, J.; Jones, D.; Roos, D.: The Machine that changed the World: The Story of Lean Production. Harper Collins, New York 1990, ISBN 978-0-060-97417-6; deutsche Übersetzung: Womack, J.; Jones, D.; Roos, D.: Die zweite Revolution in der Autoindustrie. 4. Aufl., Campus, Frankfurt a. M. 1992 sehr bekannt, obwohl ich immer wieder feststellen muss, dass nur wenige das Original gelesen haben… In der Zwischenzeit gibt es natürlich auch Lean Management und Lean Thinking – Womack, J.; Jones, D.: Lean Thinking – Ballast abwerfen, Unternehmensgewinne steigern. Campus-Verlag, New York, 2004, S. 8. Auf der Website Lean Innovation der RWTH Aachen stellt Prof. G. Schuh allerdings fest, dass der Lean-Gedanke bisher noch nicht systematisch im Innovationsprozess umgesetzt wird. Es ist daher zwangläufig, dass er 12 Prinzipien festlegt, wie das nun gemacht werden kann. Aus dieser Perspektive ist ein komplettes Buch entstanden, das am 31.08.2013 veröffentlicht werden soll: Schuh, G. (2013): Lean Innovation. Ich werde mir das Buch ansehen – bin gespannt.

Open Innovation bedeutet auch Open Service Innovation

Open Innovation wird immer noch zu sehr auf die Öffnung des Innovationsprozesses für physische Produkte angewendet. Das eigentliche Potential liegt allerdings in der Nutzung von Open Innovation für Dienstleistungen (Services). In dem EU-Jahrbuch zu Service Innovation geht Henry Chesbrough genau darauf ein: „Businesses today often labour under a product mindset as they innovate. What is needed instead is a new services mindset. This mindset will place the customer experience at the centre of a business’s purpose. It will unlock greater value for customers in their dealings with providers. It will differentiate providers and enhance margins. It will redesign business processes and business models. And it will lead to renewed growth for the business, and for an economy of such businesses.“ Quelle: Chesbrough, H. (2011): Open services innovation — a new mindset to find new sources of growth. In: EU (2011): Service Innovation Yearbook 200-2011, p. 13. Siehe dazu auch Corral, M. (2010: Put user in the center for services.