OpenProject ist schon lange eine Alternative zu den proprietären Projektmanagement-Tools wie MS Project oder Jira etc. Die Integration von OpenProject in Nextcloud führt zu einer Kollaborationsplattform, bei der alle Daten auf dem eigenen Server bleiben und alle Anwendungen Open Source basiert sind. Siehe dazu unsere verschiedenen Blogbeiträge zu OpenProject.
Mit der Integration von OpenProject mit Nextcloud (Alternative zu Microsoft Sharepoint), inkl. TALK als Videokonferenzsystem (Alternative zu Microsoft Teams) etc. wurde schon ein wesentlicher Schritt in Richtung Digitale Souveränität am Arbeitsplatz gemacht.
Bei der Version OpenProject 17.2 gibt es eine Weiterentwicklung die es ermöglicht, Künstliche Intelligenz (Large Language Models oder Small Language Models) über einen sicheren MCP Server in die eigenen Projekte einzubinden.
MCP (Model Context Protocol) ist ein offener Standard von Anthropic über den LLM und externe Tools via APIs oder eigene Datenquellen eingebunden werden können.
Wie Sie wissen, schlagen wir in unseren Blogbeiträgen immer vor, Open Source AI und Open Source Software zu verwenden – möglichst auf dem eigenen Server. Dann bleiben alle Daten bei Ihnen und werden nicht von anderen genutzt – ganz im Sinne der Digitalen Souveränität.
Im Netz sind auch Personen unterwegs, deren Identität nicht bekannt ist. Für manche ist es der Schutz ihrer persönlichen Privatsphäre, für andere bietet Anonymität im Netz die Möglichkeit, Beiträge zu verfassen, die andere diffamieren.
Forscher von der ETH Zürich, MATS Research und Anthropic sind einmal der Frage nachgegangen, ob es mit den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz in großem Maßstab möglich ist, zu de-anonymisieren. In dem Paper von Lermen et al. (2026) wurde die Vorgehensweise und die Ergebnisse ausführlich dargestellt.
Die Abbildung zeigt, wie aus einem einzelnen Interview mit Hilfe eines Large Language Models (LLM) ein Profil erstellt wurde, und abschließend ein KI-Agent die Person identifizieren konnte.
„End-to-end deanonymization from a single interview transcript from (details altered to protect the subject’s identity). An LLM agent extracts structured identity signals from a conversation, autonomously searches the web to identify a candidate individual, and verifies the candidate matches all extracted claims“ (Lermen et al. (2026): Large-scale online deanonymization with LLMs | PDF).
Die technischen Möglichkeiten haben nun zwei Effekte: (1) Anonyme Nutzer im Netz, die sich strafbar machen, können identifiziert werden. (2) Für Nutzer, die ihre Anonymität aus den verschiedenen Gründen wahren möchten, reicht ein Pseudonym im Netz in Zukunft wohl nicht mehr aus.
Weiterhin wurde Open EuroLLM veröffentlicht, ein „Large language Modelmade in Europebuilt to support allofficial 24 EU languages„. Die generierten Modelle sind Multimodal, Open Source, High Performance und eben Multilingual.
Zusätzlich zur europäischen Ebene gibt es allerdings auch immer mehr spezielle, länderspezifische Large Language Models (LLMs), wie das in 2025 veröffentlichte PLLuM ((Polish Large Language Model). Ich möchte an dieser Stelle drei wichtige Statements wiedergeben, die auf der Website zu finden sind:
Polnische Sprachunterstützung Ein wichtiges Element dieses Projekts ist die Entwicklung eines umfassenden und vielfältigen Datensatzes, der die Komplexität der polnischen Sprache widerspiegelt.
Die polnische Sprachunterstützung geht darauf ein, dass die üblichen proprietären LLM überwiegend in englischer (chinesischer) Sprache trainiert wurden, und dann entsprechende Übersetzungen liefern. Diese sind für den Alltagsgebrauch durchaus nützlich, doch wenn es um die kulturellen, kontextspezifischen Nuancen einer Sprache geht, reichen diese großen KI-Modelle der Tech-Konzerne nicht aus.
Das PLLuM-Modell setzt auf Offenheit, Transparenz und einfache Bedienung. Es versteht sich daher von selbst, dass die Modelle bei Huggingface zur Verfügung stehen und genutzt werden können. Probieren Sie den Chat einfach einmal aus:
Sicherheit und Ethik Wir stellen sicher, dass unser Modell sicher und frei von schädlichen und falschen Inhalten ist, was für seinen Einsatz in der öffentlichen Verwaltung von entscheidender Bedeutung ist.
Nicht zuletzt sind Sicherheit und Ethik wichtige Eckpunkte für das polnische Modell. Es unterscheidet sich dadurch von den bekannten großen KI-Modellen der Tech-Konzerne. Siehe dazu auch Künstliche Intelligenz: Würden Sie aus diesem Glas trinken?
Interessant ist auch, dass auf der PLLuM-Website darauf hingewiesen wird, dass man durch diese KI-Modelle auch Innovationen fördern möchte. Wieder ein direkter Bezug zwischen Open Source AI und Innovationen.
Seit langem geht es um die Frage, ob es möglich ist, Künstliche Intelligenz mit Menschlicher Intelligenz zu vergleichen. In der Zwischenzeit mehren sich dazu die Meinungen, dass dieser Vergleich ein Kategorienfehler sein kann. Siehe dazu beispielhaft Künstliche Cleverness statt Künstliche Intelligenz?
Auch Walter Quattrociocchi, Full Professor of Computer Science at Sapienza University, hat in verschiedenen psychologischen Tests Unterschiede zwischen Künstlicher Intelligenz und Menschlicher Intelligenz herausgefunden.
Quattrociocchi, W. (2026): What we risk when we confuse AI and human intelligence. Putting humans and LLMs head-to-head in classic tests of judgment from human psychology underscores the differences between them. Scientific American, 18.02.2026.
Zunächst beschreibt Quattrociocchi die Ausbildung von Ärzten, die über Jahre nicht nur lesen, sondern auch mit und an menschlichen Körpern arbeiten, Diagnosen stellen und Behandlungen durchführen. Wenn man das mit den Antworten der Künstlichen Intelligenz (genauer: Antworten auf Basis der Large Language Models) vergleicht, wird deutlich, dass etwas Wesentliches fehlt.
„Across all the tasks we have studied, a consistent pattern emerges. Large language models can often match human responses but for reasons that bear no resemblance to human reasoning. Where a human judges, a model correlates. Where a human evaluates, a model predicts. When a human engages with the world, a model engages with a distribution of words. Their architecture makes them extraordinarily good at reproducing patterns found in text. It does not give them access to the world those words refer to“ (ebd.).
Der Autor weist auf die Stärken von KI-Modellen hin, die er „linguistic automation“ nennt. Weiterhin wird im Artikel auch hervorgehoben, dass den KI-Modellen ein wichtiges Element fehlt: die Verbindung zur realen Welt. Siehe dazu auch Rent a Human: KI-Agenten bieten Arbeit für Menschen an.
Darüber hinaus gibt es auch immer mehr leistungsfähige Open Source KI-Modelle, die jedem zur Verfügung stehen, und beispielsweise eher europäischen Werten entsprechen. Siehe dazu auch Das Kontinuum zwischen Closed Source AI und Open Source AI
Wenn also in Zukunft mehr als 1 Milliarde Menschen Künstliche Intelligenz nutzen, stellt sich gleich die Frage, wie Unternehmen damit umgehen. Immerhin war es üblich, dass so eine Art der intelligenten komplexen Problemlösung bisher nur spärlich – und dazu auch noch teuer – zur Verfügung stand.
Nun werden Milliarden von einzelnen Personen die Möglichkeit haben, mit geringen Mitteln komplexe Problemlösungen selbst durchzuführen. Prof. Ethan Mollick nennt dieses Phänomen in einem Blogbeitrag Mass Intelligence.
„The AI companies (whether you believe their commitments to safety or not) seem to be as unable to absorb all of this as the rest of us are. When a billion people have access to advanced AI, we’ve entered what we might call the era of Mass Intelligence. Every institution we have — schools, hospitals, courts, companies, governments — was built for a world where intelligence was scarce and expensive. Now every profession, every institution, every community has to figure out how to thrive with Mass Intelligence“ (Mollick, E. (2025): Mass Intelligence, 25.08.2025).
Ich bin sehr gespannt, ob sich die meisten Menschen an den proprietären großen KI-Modellen der Tech-Konzerne orientieren werden, oder ob es auch einen größeren Trend gibt, sich mit KI-Modellen weniger abhängig zu machen – ganz im Sinne einer Digitalen Souveränität.
Die kommerziellen, proprietären KI-Systeme machen den Eindruck, als ob sie die einzigen sind, die Innovationen generieren. In gewisser weise stimmt das auch, wenn man unter Innovationen die Innovationen versteht, die sich diese Unternehmen wünschen. Fast jeden Tag gibt es neue Möglichkeiten, gerade diese KI-Modelle zu nutzen. Dieses Modelle treiben ihre Nutzer vor sich her. Wer nicht alles mitmacht wird der Verlierer sein – so das Credo.
Dabei stehen Trainingsdaten zur Verfügung, die intransparent sind und in manchen Fällen sogar ein Mindset repräsentieren, das Gruppen von Menschen diskriminiert.
Versteht man unter Innovationen allerdings, das Neues für die ganze Gesellschaft generiert wird, um gesellschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen, so wird schnell klar, dass das nur geht, wenn Transparenz und Vertrauen in die KI-Systeme vorhanden sind – und genau das bieten Open Source AI – Systeme.
„Open-source AI systems encourage innovation and are often a requirement for public funding. On the open extreme of the spectrum, when the underlying code is made freely available, developers around the world can experiment, improve and create new applications. This fosters a collaborative environment where ideas and expertise are readily shared. Some industry leaders argue that this openness is vital to innovation and economic growth. (…) Additionally, open-source models tend to be smaller and more transparent. This transparency can build trust, allow for ethical considerations to be proactively addressed, and support validation and replication because users can examine the inner workings of the AI system, understand its decision-making process and identify potential biases“ (UN 2024)
In der Zwischenzeit gibt es einen Trend zu Open Source KI-Modellen. Aktuell hat beispielsweise die ETH Zürich zusammen mit Partnern das KI-Modell Apertus veröffentlicht:
„Apertus: Ein vollständig offenes, transparentes und mehrsprachiges Sprachmodell Die EPFL, die ETH Zürich und das Schweizerische Supercomputing-Zentrum CSCS haben am 2. September Apertus veröffentlicht: das erste umfangreiche, offene und mehrsprachige Sprachmodell aus der Schweiz. Damit setzen sie einen Meilenstein für eine transparente und vielfältige generative KI“ (Pressemitteilung der ETH Zürich vom 02.09.2025)
Der Name Apertus – lateinisch für offen – betont noch einmal das grundsätzliche Verständnis für ein offenes , eben kein proprietäres, KI-Modell, das u.a auch auf Hugging Face zur Verfügung steht. Die beiden KI-Modelle mit 8 Milliarden und 70 Milliarden Parametern bieten somit auch in der kleineren Variante die Möglichkeit, der individuellen Nutzung.
Es gibt immer mehr Personen, Unternehmen und öffentliche Organisationen, die sich von den Tech-Giganten im Sinne einer Digitalen Souveränität unabhängiger machen möchten. Hier bieten in der Zwischenzeit sehr viele leistungsfähige Open Source KI-Modelle erstaunliche Möglichkeiten- auch im Zusammenspiel mit ihren eigenen Daten: Alle Daten bleiben dabei auf Ihrem Server – denn es sind Ihre Daten.
Da das KI-Modell der Schweizer unter einer Open Source Lizenz zur Verfügung steht, werden wir versuchen, Apertus auf unseren Servern auch in unsere LocalAI, bzw. über Ollama in Langflow einzubinden.
In unserem Blog habe ich schon oft über die notwendige Digitale Souveränität von einzelnen Personen, Organisationen und Länder geschrieben. Es wird dabei immer deutlicher, dass wir in Europa Modelle benötigen, die nicht vom Mindset amerikanischer Tech-Konzernen oder vom Mindset chinesischer Politik dominiert werden, und auf Open Source Basis zur Verfügung stehen.
So etwas soll nun mit SOOFI (Sovereign Open Source Foundation Models) entwickelt werden. In der Abbildung ist der prinzipielle Aufbau zu erkennen. Auf Basis geeigneter Daten können Foundation Models an die jeweiligen Bedürfnisse ganzer Branchen angepasst werden. Darauf aufbauend, schließen sich u.a. auch AI Agenten an.
„Ein wichtiger Schritt für die europäische KI-Souveränität: Unter SOOFI arbeiten zukünftig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 6 führenden deutschen Forschungseinrichtungen zusammen, um souveräne europäische Alternativen zu KI Technologien aus den USA und China bereitzustellen. Der Fokus liegt darin, mit den Modellen einen Beitrag für die industrielle Nutzung von KI zu leisten“ (Quelle: Pressemitteilung | PDF).
Um digital souveräner zu werden, haben wir seit einiger Zeit Nextcloud auf einem eigenen Server installiert – aktuell in der Version 32. Das ist natürlich erst der erste Schritt, auf den nun weitere folgen – gerade wenn es um Künstliche Intelligenz geht.
Damit wir auch bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz digital souverän bleiben, haben wir zusätzlichLocalAIinstalliert. Dort ist es möglich, eine Vielzahl von Modellen zu testen und auszuwählen. In der folgenden Abbildung ist zu sehen, dass wir das KI-Modell llama-3.2-3B-instruct:q4_k_m für einen Chat ausgewählt haben. In der Zeile „Send a massage“ wurde der Prompt „Nenne wichtige Schritte im Innovationsprozess“ eingegeben. Der Text wird anschließend blau hinterlegt angezeigt. In dem grünen Feld ist ein Teil der Antwort des KI-Modells zu sehen.
LocalAI auf unserem Server: Ein Modell für den Chat ausgewählt
Im nächsten Schritt geht es darum, das gleiche KI-Modell im Nextcloud Assistant zu hinterlegen. Der folgende Screenshot zeigt das Feld (rot hervorgehoben). An dieser Stelle werden alle in unserer LocalAI hinterlegten Modelle zur Auswahl angezeigt, sodass wir durchaus variieren könnten. Ähnliche Einstellungen gibt es auch für andere Funktionen des Nextcloud Assistant.
Screenshot: Auswahl des Modells für den Nextcloud Assistenten in unserer Nextcloud – auf unserem Server
Abschließend wollen wir natürlich auch zeigen, wie die Nutzung des hinterlegten KI-Modells in dem schon angesprochenen Nextcloud Assistant aussieht. Die folgende Abbildung zeigt den Nextcloud Assistant in unserer Nextcloud mit seinen verschiedenen Möglichkeiten – eine davon ist Chat mit KI. Hier haben wir den gleichen Prompt eingegeben, den wir schon beim Test auf LocalAI verwendet hatten (Siehe oben).
Screenshot von dem Nextcloud Assistant mit der Funktion Chat mit KI und der Antwort auf den eigegebenen Prompt
Der Prompt ist auf der linken Seite zu erkennen, die Antwort des KI-Modells (llama-3.2-3B-instruct:q4_k_m) ist rechts daneben wieder auszugsweise zu sehen. Weitere „Unterhaltungen“ können erstellt und bearbeitet werden.
Das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten funktioniert gut. Obwohl wir noch keine speziellen KI-Server hinterlegt haben, sind die Antwortzeiten akzeptabel. Unser Ziel ist es, mit wenig Aufwand KI-Leistungen in Nextcloud zu integrieren. Dabei spielen auch kleine, spezielle KI-Modelle eine Rolle, die wenig Rechenkapazität benötigen.
Alles natürlich Open Source, wobei alle Daten auf unseren Servern bleiben.
Wir werden nun immer mehr kleine, mittlere und große KI-Modelle und Funktionen im Nextcloud Assistant testen. Es wird spanned sein zu sehen, wie dynamisch diese Entwicklungen von der Open Source Community weiterentwickelt werden.
In den letzten Jahren wird immer deutlicher, dass Künstliche Intelligenz unser wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben stark durchdringen wird. Dabei scheint es so zu sein, dass die Künstliche Intelligenz der Menschlichen Intelligenz weit überlegen ist. Beispielsweise kann Künstliche Intelligenz (GenAI) äußerst kreativ sein, was in vielfältiger Weise in erstellten Bildern oder Videos zum Ausdruck kommt. In so einem Zusammenhang behandeln wir Künstliche Intelligenz (AI: Artificial Intelligence) wie Kreative und im Gegensatz dazu Menschen eher wie Roboter. Dazu habe ich folgenden Text gefunden:
„We are treating humans as robots and ai as creatives. it is time to flip the equation“ (David de Cremer in Bornet et al. 2025).
David de Cremer ist der Meinung, dass wir die erwähnte „Gleichung“ umstellen sollten. Dem kann ich nur zustimmen, denn das aktuell von den Tech-Giganten vertretene Primat der Technik über einzelne Personen und sogar ganzen Gesellschaften sollte wieder auf ein für alle Beteiligten gesundes Maß reduziert werden. Damit meine ich, dass die neuen technologischen Möglichkeiten einer Künstlichen Intelligenz mit den Zielen von Menschen/Gesellschaften und den möglichen organisatorischen und sozialen Auswirkungen ausbalanciert sein sollten.