Komplexität erfordert eine neue Art von Verständnis

mitchell.jpgEs wird alles komplexer – nicht alleine komplizierter. In seiner stärksten Form empfiehlt z.B. der Reduktionismus, sich auf die Kausalitäten der Grundelemente zu beziehen, da Kausalitäten auf übergeordneten Ebenen keinen Erkenntnisgewinn mehr bringen würden. In einfachen Systemen ist das auch der Fall. In komplexen Systemen allerdings nicht, da es dort zu emergenten Phänomenen kommt. Emergenz steht also dem Reduktionismus konträr gegenüber und erfordert ein neues Denken. Zu der neuen Erkenntnismethode gehören folgende Merkmale (Mitchell 2008:22-23):

  • Pluralismus: die Integration zahlreicher Erklärungen und Modelle auf vielen Erklärungsebenen anstelle der Erwartung, es müsse stets eine einzige, einfache, grundsätzliche Erklärung geben.
  • Pragmatismus anstelle des Absolutismus: die Erkenntnis, daß es viele Wege zu einer zutreffenden, wenn auch nur teilweisen Darstellung der Natur gibt, zu der verschiedene Grade der Verallgemeinerung und unterschiedliche Abstraktionsebenen gehören. Welche Abbildung am besten „funktioniert“, hängt von unseren Interessen und Fähigkeiten ab.
  • Schließlich die Dynamik des Wissens, das sich immer weiter entwickelt, anstelle eines statischen Universalismus. Diese Eigenschaft nötigt uns, neue Wege zur Erforschung der Natur zu finden und entsprechend den dabei gewonnenen Kenntnissen zu handeln.

Entsprechende Kompetenzen (Selbstorganisationsdispositionen) ermöglichen es, Komplexität zu bewältigen. Die Kompetenzentwicklung ist in einer immer komplexer werdenden Welt (nicht nur wirstschaftlichen Welt) eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.

CC BY 4.0 Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung 4.0 international.

2 Gedanken zu „Komplexität erfordert eine neue Art von Verständnis

  1. André Laakmann

    Hallo Herr Dr. Freund,
    dieses Mal schreibe ich Ihnen einmal beruflicher Natur. Ich mache natürlich weiterhin Werbung für das Seminar zum Projektmanager.
    Nun möchte meine Kollegin gerne den Lehrgang besuchen, sie möchte das Zertifikat aber lieber binnen vierzehn Tagen in Vollzeit erwerben; der Veranstaltungsort wäre ihr ziemlich gleichgültig.
    Sie bieten aber doch nur die Blended Learning Lehrgänge an, oder liege ich da falsch?
    Liebe Grüße aus Rheinberg,
    Ihr André Laakmann

    P. S. Gleich geht es zum Borussiapark – nach 37 Jahren wieder ein Heimspiel in der Königsklasse besuchen!

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